Am Herd

BRANDHEISS UND HÖCHST PER­SÖN­LICH

Die Presse am Sonntag - - Leben - VO N BET­TI­NA ST­EI­NER

Kin­der hän­gen nur mehr am Han­dy? Emo­jis rui­nie­ren die Schrift­spra­che? Die 20-Jäh­ri­gen sind in­fan­til? Ja, und die Al­ten sind auch nicht mehr das, was sie ein­mal wa­ren.

Es sind die Sor­gen. Na­tür­lich, die­se Sor­gen. Es geht um die Zu­kunft, um un­se­re Kul­tur. Um un­se­re Kin­der! Die sind näm­lich be­droht, durch al­ler­hand, zu­erst na­tür­lich durch sich selbst, die­sen Kin­dern ist ja nicht zu trau­en. Sieht man doch! Sit­zen den gan­zen Tag al­lein im fins­te­ren Zim­mer vor dem Com­pu­ter und zo­cken. Hän­gen am hell­lich­ten Tag in ei­ner Trau­be von Leu­ten im Park her­um und fan­gen Po­ke­mon.´ Ver­ler­nen kom­plett, wie man liest und schreibt, und nein, dass sie stun­den­lang chat­ten und sim­sen und whats­ap­pen, wo­für man Buch­sta­ben braucht und Wor­te und Sät­ze, das ist kein Ar­gu­ment, weil sie ih­re Mes­sa­ge ers­tens ins Han­dy tip­pen, statt ih­re Bot­schaft zu Pa­pier zu brin­gen, weil sie zwei­tens zu vie­le An­gli­zis­men ver­wen­den und weil sie drit­tens al­les mit die­sen Emo­jis gar­nie­ren: Von de­nen wis­sen wir, dass es klei­ne bun­te Bild­chen sind, de­nen je­de Be­deu­tung fehlt, oder je­den­falls ei­ne Be­deu­tung, die wir ent­schlüs­seln könn­ten, was wir gar nicht erst ver­su­chen. Die­se Bil­der­schrift wird un­se­re Ge­sell­schaft noch völ­lig in­fan­ti­li­sie­ren! YouTu­be! Und dann schau­en sie noch den gan­zen Tag YouTu­be! Wo ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Bür­ger fern­schaut! Die „Mil­lio­nen­show“und die „Vor­stadt­wei­ber“oder die hun­derts­te Wie­der­ho­lung von „Mein coo­ler On­kel Char­ly“. Wo kom­men wir da hin, wenn die Kin­der, statt sich be­rie­seln zu las­sen, ak­tiv nach In­hal­ten su­chen? Das Le­ben ist doch kein Wunsch­kon­zert!

Zwar wis­sen wir, dass schon un­se­re El­tern und Groß­el­tern und Ur­groß­el­tern da­von über­zeugt wa­ren, dass die heu­ti­ge, al­so die da­ma­li­ge und die vor­d­a­ma­li­ge Ju­gend nichts taugt – aber dar­aus ler­nen wir nichts. Denn jetzt ist es wirk­lich und end­gül­tig so weit: Die­se Ge­ne­ra­ti­on wird nie er­wach­sen wer­den und kann nicht ein­mal rich­tig schnap­sen.

Wir sind üb­ri­gens, müs­sen Sie wis­sen, noch gar nicht so­oo alt. Die Al­ten sind näm­lich auch nicht mehr, was sie ein­mal wa­ren, sie wer­den im­mer jün­ger, mitt­ler­wei­le gibt es 25-Jäh­ri­ge, die über die Spie­le und Vor­lie­ben der 15-Jäh­ri­gen die Na­se rümp­fen. YouTu­be, pff! Snap­chat, pff! Wir sind vie­le, wir sind be­sorgt, wir sind uns ei­nig. Nur über ei­nes ge­ra­ten wir re­gel­mä­ßig in Streit: ob Face­book noch okay ist oder nicht. Post­skrip­tum. „Al­les, was es schon gibt, wenn du ge­bo­ren wirst, ist nor­mal und üb­lich, so funk­tio­niert eben die Welt. Al­les, was zwi­schen dei­nem 15. und 35. Le­bens­jahr er­fun­den wird, ist neu, auf­re­gend, re­vo­lu­tio­när, und viel­leicht kannst du es be­ruf­lich brau­chen. Al­les, was nach dei­nem 35. Le­bens­jahr er­fun­den wird, rich­tet sich ge­gen die na­tür­li­che Ord­nung der Din­ge.“Dou­glas Adams in „Lachs im Zwei­fel“.

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