Rea­li­tät­scheck im Nord­os­ten

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - SOM

Sie wür­de al­les ge­nau­so ma­chen wie vor ei­nem Jahr, sag­te An­ge­la Mer­kel am Sams­tag der „Bild“. Ge­meint wa­ren na­tür­lich die of­fe­nen Tü­ren für die Flücht­lin­ge vor ei­nem Jahr. In mensch­li­cher Hin­sicht ist Mer­kel ih­re Prin­zi­pi­en­treue hoch an­zu­rech­nen. In po­li­ti­scher Hin­sicht muss Mer­kel heu­te bei der Land­tags­wahl in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ei­nen Rea­li­täts­test be­ste­hen.

In die­sem tur­bu­len­ten Jahr hat sich in Deutsch­land vie­les ver­än­dert. An­grif­fe und Ter­ror­an­schlä­ge sind – nicht nur dort, son­dern in ganz Eu­ro­pa – zur rea­len Be­dro­hung ge­wor­den, die In­te­gra­ti­on Aber­tau­sen­der Menschen ist ei­ne Mam­mut­auf­ga­be für vie­le Jah­re, Hilfs­be­reit­schaft hilft nicht im­mer. Die AfD nutzt Miss­stän­de und Schwach­stel­len ge­schickt aus und fährt ei­nen ma­ni­pu­la­ti­ven po­pu­lis­ti­schen Kurs. Bei der heu­ti­gen Wahl könn­te sie vor der CDU lan­den.

Es wä­re nicht das ers­te Mal, dass frem­den­feind­li­che Po­li­tik ge­ra­de in Ge­gen­den tri­um­phiert, in de­nen we­ni­ge Flücht­lin­ge le­ben. Das mag ir­ra­tio­nal sein. Aber es ist ei­ne Rea­li­tät. Die Po­li­ti­ke­rin Mer­kel wird neue Ant­wor­ten fin­den müs­sen, wenn sie wei­ter­hin mit der CDU an der Spit­ze des Lan­des ste­hen will.

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