Ganz­tags­schu­len könn­ten Fe­ri­en­be­treu­ung

Die Schu­len könn­ten in den Som­mer­fe­ri­en of­fen sein, sagt Bil­dungs­mi­nis­te­rin Son­ja Ham­mer­schmid (SPÖ). Di­rek­to­ren sol­len aus­su­chen, ob sie Leh­rer oder So­zi­al­ar­bei­ter wol­len.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON BER­NA­DET­TE BAYR­HAM­MER

Ha­be ich das rich­tig ver­stan­den? Mor­gen be­glei­ten Sie den klei­nen Eli­as an sei­nem ers­ten Schul­tag, und dann gibt es ein Vi­deo von Ih­rem ers­ten Schul­tag als Mi­nis­te­rin. Son­ja Ham­mer­schmid: Ja. Das ist ja ei­ne sü­ße Idee – aber ha­ben Sie für so et­was wirk­lich Zeit? In der Schul­po­li­tik gä­be es ei­ni­ges, was drängt. Na­tür­lich ha­ben wir al­le Hän­de voll zu tun, un­se­re Zie­le schnellst­mög­lich um­zu­set­zen. Aber für mich ist es auch to­tal wich­tig, im­mer wie­der drau­ßen und vor Ort in den Schu­len zu sein. Man­chen geht es aber viel zu lang­sam. Wirt­schafts­kam­mer-Chef Christoph Leitl hat un­längst ei­ne Bil­dungs­re­vo­lu­ti­on ge­for­dert. Die­se ha­be ich ei­ne Wo­che vor­her selbst skiz­ziert, als ich dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, dass wir uns mit­ten in ei­ner tech­no­lo­gi­schen Re­vo­lu­ti­on be­fin­den. Und dass wir da­her an­de­re Skills brau­chen: di­gi­ta­le, un­ter­neh­me­ri­sche, so­zia­le. Im Zu­ge des­sen ha­ben Sie den Fä­cher­ka­non in­fra­ge ge­stellt. Was soll sich denn än­dern? Ich stel­le nicht die Fä­cher an sich in­fra­ge. Es wird im­mer Deutsch, Fremd­spra­chen und ma­the­ma­ti­sche Kom­pe­tenz brau­chen. Aber man muss die Lehr­plä­ne in den Fä­chern kri­tisch hin­ter­fra­gen, um Frei­räu­me zu schaf­fen. Was heißt das? Es braucht ei­ne Neu­ge­stal­tung des Un­ter­richts. Wir müs­sen stär­ker ent­lang von the­ma­ti­schen Fra­ge­stel­lun­gen un­ter­rich­ten. Zum Kli­ma­wan­del kann der Geo­graf mit dem Bio­lo­gen und dem Phy­si­ker ar­bei­ten. Mit der Schul­au­to­no­mie wird das er­leich­tert wer­den. Mehr Schul­au­to­no­mie war ei­ner der we­ni­gen Punk­te, über die sich bei der Bil­dungs­re­form ei­gent­lich al­le ei­nig wa­ren. War­um dau­ert es dann so lang, bis es kon­kret wird? Wenn man Au­to­no­mie wirk­lich breit auf­set­zen will, be­rührt das un­glaub­lich vie­le Ge­set­zes­ma­te­ri­en, die al­le mit­ge­dacht wer­den müs­sen. Die päd­ago­gi­sche Au­to­no­mie ha­ben wir ge­ra­de an­ge­spro­chen – aber das geht von der Ab­schaf­fung von Un­ter­richts­ein­hei­ten bis zur Ta­ges­ge­stal­tung an Ganz­tags­schu- len und der Ein­bin­dung von Mu­sik­ver­ei­nen und Sport­ver­ei­nen. Dann stellt sich die Fra­ge, ob der Zeit­plan für die Re­form nicht völ­lig un­rea­lis­tisch war. Das kann ich nicht be­ur­tei­len, da war ich noch nicht Mi­nis­te­rin. Fakt ist, dass wir jetzt, da wir in­ten­siv dar­an ar­bei­ten, se­hen, wie kom­plex es ist. Kri­ti­siert wur­de, dass Schul­lei­ter bei der Leh­rer­aus­wahl nur ein Ve­to­recht ha­ben. Ich möch­te, dass der Di­rek­tor wirk­lich über sein Per­so­nal ent­schei­den kann. Uns ist es ein An­lie­gen, dass Schul­lei­ter ihr Per­so­nal selbst aus­su­chen kön­nen. Sie sol­len sich auch aus­su­chen kön­nen, ob sie ei­nen Leh­rer brau­chen – oder viel­leicht eher ei­nen So­zi­al­ar­bei­ter oder ei­nen Psy­cho­lo­gen. Es ist schwer vor­stell­bar, dass die Leh­rer­ge- werk­schaft da be­geis­tert ist. Ha­ben Sie von den Her­ren schon An­ru­fe be­kom­men? Wir füh­ren auf al­len Ebe­nen Ge­sprä­che. Wenn wir Au­to­no­mie ernst neh­men, heißt das auch das. Die fi­nan­zi­el­le Au­to­no­mie war im Re­form­pa­pier kaum ent­hal­ten. Wird sie ver­stärkt? Dar­an ar­bei­ten wir noch in­ten­siv. Aber wir sind da­bei, den fi­nan­zi­el­len Spiel­raum auf­zu­ma­chen. Was auch hier viel Fle­xi­bi­li­tät brin­gen kann, sind Clus­ter. Dass sich Schu­len frei­wil­lig zu Ver­bün­den mit 200 bis 2000 Schü­lern zu­sam­men­schlie­ßen. Das gibt un­ter an­de­rem Spiel­raum bei den Res­sour­cen: vom Leh­rer­ein­satz bis zu den Turn­sä­len. Ein an­de­res The­ma ist die Ganz­tags­schu­le: Da­für gibt es 750 Mil­lio­nen Eu­ro. Wie wol­len Sie es schaf­fen, dass halb­tä­gi­ge Schu­len zu Ganz­tags­schu­len wer­den? Wir ge­hen ak­tiv hin­aus und in­for­mie­ren dar­über, wie ei­ne ganz­tä­gi­ge Schu­le aus­se­hen kann. Wenn man an ei­ne Schu­le denkt, die fünf Tage in der Wo­che von acht bis 16 Uhr geht, le­gen al­le so­fort die Oh­ren an. Aber das ist es nicht. Wie die Ganz­tags­schu­le aus­ge­stal­tet ist, liegt am Stand­ort. Wenn die El­tern et­wa wol­len, dass man an zwei, drei Ta­gen in der Wo­che Ver­ei­ne her­ein­holt, wird das mög­lich sein. Ihr Ide­al wä­re die ver­schränk­te Ganz­tags­schu­le, bei der sich Un­ter­richt und Frei­zeit im Lauf des Ta­ges ab­wech­seln. Ja, aber auch das muss nicht starr fünf Tage in der Wo­che von acht bis 16 Uhr sein. Aber wir för­dern eben auch Pro­jek­te, die nicht ver­schränkt sind und in­no­va­ti­ve Nach­mit­tags­be­treu­ung an­bie­ten. Das kann so weit ge-

Mi­che­le Pau­ty

„Man muss die Lehr­plä­ne in den Fä­chern kri­tisch hin­ter­fra­gen, um Frei­räu­me zu schaf­fen“, sagt Bil­dungs­mi­nis­te­rin Son­ja Ham­mer­schmid (SPÖ).

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