Wie man zu ei­nem Hei­li­gen wird

Man muss Mär­ty­rer ge­we­sen sein oder ein ex­trem gott­ge­fäl­li­ges Le­ben plus Wun­der­tä­tig­keit nach dem Tod auf­wei­sen, da­mit ei­nen die Kir­che für hei­lig er­klärt. Wie vie­le Hei­li­ge es gibt, ist in­des un­klar.

Die Presse am Sonntag - - Globus - WOLF­GANG GREBER

In der ka­tho­li­schen Kir­che ist Hei­lig­spre­chung ein Pro­zess, in dem der Papst ur­teilt, dass ein Ver­stor­be­ner sich im Him­mel in un­mit­tel­ba­rer Got­tes­schau, der ul­ti­ma­ti­ven Er­lö­sung, be­fin­det. Der Hei­li­ge soll übe­r­all ver­ehrt und um Für­spra­che bei Gott ge­be­ten wer­den. Se­li­ge wer­den nur in Orts­kir­chen ver­ehrt.

Per­sön­li­che Vor­aus­set­zung ist, dass die Per­son als Mär­ty­rer starb oder ein ta­del­lo­ses hel­den­haf­tes Le­ben als Die­ner Got­tes ge­führt hat. Als Maß­stä­be für Letz­te­res gel­ten Tu­gen­den wie Ehr­lich­keit, Wohltätigkeit, Ein­satz für den Glau­ben, Gott­ge­fäl­lig­keit, doch macht man es solch Gu­ten schwe­rer als Mär­ty­rern, da ih­nen nach dem Tod auch zwei Wun­der zu­ge­rech­net wer­den müs­sen. In der Neu­zeit sind das meist un­er­klär­li­che Hei­lun­gen, die nach ih­rer An­ru­fung ein­tra­ten. Im Fall Mut­ter Te­re­sas soll et­wa bei ei­ner In­de­rin Krebs ver- schwun­den sein, nach­dem sie ein Bild Te­re­sas auf den Bauch ge­legt hat.

Seit 1588, als Papst Six­tus V. die Hei­lig­spre­chung neu ge­re­gelt hat, wi­ckelt die Kon­gre­ga­ti­on für Se­lig- und Hei­lig­spre­chungs­pro­zes­se das Ver­fah­ren ab, ihr ge­hö­ren et­wa 34 Kar­di­nä­le, Erz­bi­schö­fe und Bi­schö­fe an, da­zu Theo­lo­gen, His­to­ri­ker und an­de­re Be­ra­ter. An­trag­stel­ler (Ac­tor) ist meist ein Bi­schof oder Or­den, der je­man­den vor­schlägt, in der Re­gel frü­hes­tens fünf Jah­re nach des­sen Tod. Der Ac­tor stellt ei­nen Pos­tu­la­tor (Für­spre­cher), der in den fol­gen­den Be­ra­tun­gen erst für die Se­lig-, spä­ter die Hei­lig­spre­chung plä­diert. Um­ge­kehrt ver­sucht ein Kir­chen­an­walt (Pro­mo­tor), da­ge­gen zu ar­gu­men­tie­ren; man nennt ihn auch Ad­vo­ca­tus Dia­bo­li. Stimmt die Kon­gre­ga­ti­on mit Zwei­drit­tel­mehr­heit für die Hei­lig­spre­chung, hat der Papst das letz­te Wort, er kann die Per­son in das seit 1583 ge­führ­te Ver­zeich­nis „Mar­ty­ro­lo­gi­um Ro­ma­num“ein­tra­gen. Tau­sen­de Hei­li­ge und Se­li­ge. Lei­der ist die Zahl der Hei­li­gen nicht ex­akt be­stimm­bar. Lan­ge kür­ten näm­lich Bi­schö­fe und Ge­mein­den zahl­lo­se Hei­li­ge, erst ab dem 10. Jh. zo­gen Päps­te die Kom­pe­tenz an sich, spe­zi­ell Alexander III. an­no 1170. Als ers­ter päpst­lich be­stimm­ter Hei­li­ger gilt Bi­schof Ul­rich von Augs­burg (890–973, hei­lig seit 993), viel­leicht schon seit 868 Papst Ni­ko­laus I. (800–867). Die Edi­ti­on des „Mar­ty­ro­lo­gi­ums“von 2004 lis­tet ca. 6650 Hei­li­ge und Se­li­ge auf, da­zu 7400 Mär­ty­rer, ins­ge­samt 14.050 Menschen. Seit­her ka­men 898 da­zu, Sum­me: 14.948. Ei­ne Zäh­lung nur päpst­lich kre­ierter Hei­li­ger in an­de­ren Qu­el­len er­gibt bis 1588 ca. 160, spä­ter 1711, to­tal 1871.

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