»Ich bin jetzt vol­ler Spiel­wut«

In­ter­view. Das Neo-Hol­ly­wood-Paar Ali­cia Vi­kan­der und Micha­el Fass­ben­der über ih­ren ge­mein­sa­men Film »The Light Bet­ween Oce­ans«, die wo­chen­lan­ge Iso­la­ti­on wäh­rend des Drehs in Neu­see­land und den Um­gang mit Ruhm und Er­folg.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON MARIAM SCHAGHAGHI

Sie wa­ren das hei­ßes­te Paar auf dem ro­ten Tep­pich in Ve­ne­dig: die schwe­di­sche Os­car-Preis­trä­ge­rin Ali­cia Vi­kan­der und der Deutsch-Ire Micha­el Fass­ben­der. Die bei­den sind in „The Light Bet­ween Oce­ans“(Start: 8. 9.) als in Ein­sam­keit le­ben­des Ehe­paar zu se­hen. Wäh­rend des Drehs wur­den die Schau­spie­ler auch privat ein Paar. Nach mo­na­te­lan­gem Ver­steck­spiel ha­ben sich die bei­den in Ve­ne­dig zu ih­rer Lie­be be­kannt – und ge­ben beim Ge­spräch in ei­ner Lounge am Li­do nun Ein­blick in das, was in Neu­see­land pas­siert ist. Ali­cia, Sie durf­ten Micha­el vor lau­fen­der Ka­me­ra ab­ra­sie­ren. Wer hat­te mehr Angst? Vi­kan­der: Ach, ich ha­be ein­fach los­ge­legt! Als die Idee auf­kam, dach­te ich, das sei ver­rückt. Aber nach wo­chen­lan­ger Dis­kus­si­on dar­über fand ich es ex­trem span­nend, als ich das Mes­ser in die Hand nahm. Ich hat­te ja auch nur ei­nen Ta­ke, um es hin­zu­be­kom­men! Sie ha­ben wäh­rend des Drehs fünf Wo­chen auf ei­ner Halb­in­sel in Neu­see­land ge­lebt, St­un­den ent­fernt von ei­ner Stadt, Han­dy­und In­ter­net­ver­bin­dung. War der Film auch ein per­sön­li­ches Aben­teu­er? Fass­ben­der: Ja. Derek, der Re­gis­seur, mach­te den Vor­schlag, so soll­ten wir uns in die Iso­la­ti­on ein­füh­len. Ich ha­be ab­ge­lehnt: „Ich bin ein Schau­spie­ler, ich brau­che so et­was nicht, um zu spie­len.“Dann ha­be ich es pro­biert. Vi­kan­der: So be­ka­men wir die Ge­le­gen­heit, et­was zu er­le­ben und nicht nur zu spie­len. Wie oft hat man die Chan­ce, in Neu­see­land fast aus der Ge­sell­schaft aus­zu­stei­gen? Wir hat­ten Angst, dass wir uns zu we­nig zu­rück­zie­hen und re­ge­ne­rie­ren könn­ten. Statt­des­sen ent­stand ei­ne Ge­mein­schaft. Wie ha­ben Sie die Fei­er­aben­de ver­bracht? Vi­kan­der: Wir ha­ben ge­grillt oder Mu­sik ge­hört. Ir­gend­wann sah es mit un­se­ren Wohn­wa­gen aus wie in ei­nem Dorf. Al­so nicht ih­re Fi­gu­ren wei­ter­ge­spielt? Fass­ben­der: Ich ha­be in den letz­ten Jah­ren zehn Fil­me ge­dreht. Wenn ich oh­ne Dis­tanz ar­bei­ten wür­de, wä­re ich noch ver­rück­ter, als ich es oh­ne­hin bin. Je­der Schau­spie­ler hat sei­ne Me­tho­de und weiß, wie er wie­der zu sich selbst fin­det. Zehn Fil­me. Ge­ben Sie jetzt be­son­ders Gas, weil Ihr Durch­bruch spät kam, mit 31? Fass­ben­der: Ich weiß nicht, ob das der Grund ist. Ich ha­be ein­fach die­sen un­glaub­li­chen Ap­pe­tit auf Rol­len – als ob

Micha­el Fass­ben­der

wur­de 1977 in Hei­del­berg ge­bo­ren und wuchs in Ir­land auf. Sein Durch­bruch ge­lang ihm 2008 mit sei­ner ers­ten Haupt­rol­le im Dra­ma „Hun­ger“. Es folg­ten Fil­me wie „X-Men: First Class“, „12 Ye­ars a Sla­ve“und „Ste­ve Jobs“.

Ali­cia Vi­kan­der,

Das mo­na­te­lan­ge Ver­steck­spiel Vi­kan­der in Ve­ne­dig.

1988 in Gö­te­borg ge­bo­ren, wur­de 2016 für ih­re Rol­le in „The Da­nish Girl“mit dem Os­car als bes­te Ne­ben­dar­stel­le­rin aus­ge­zeich­net. Der­zeit dreht sie in Bay­ern ih­re ers­te Ei­gen­pro­duk­ti­on „Eu­pho­ria“. ist be­en­det. Das Schau­spie­ler­paar ich oh­ne sie ster­ben wür­de. Viel­leicht bin ich von der Leis­tung her auch jetzt in Höchst­form. Ich wer­de ir­gend­wann nach­las­sen, aber jetzt bin ich vol­ler Ener­gie, Spiel­wut und auf der Hö­he mei­nes Kön­nens. Al­so ge­be ich al­les. Ver­gisst man je, wie man sich vor dem Durch­bruch ge­fühlt hat? Nein. Ich ha­be ge­war­tet und ge­war­tet. Ich woll­te nur ein­mal ei­ne Chan­ce, das zu tun, was ich lie­be. Und ich woll­te nur von der Schau­spie­le­rei le­ben kön­nen. Dass ich so ei­ne Kar­rie­re ge­macht ha­be, ist un­fass­bar. Ich wer­de nie den­ken, dass ein Job selbst­ver­ständ­lich ist. Ali­cia, Sie be­ka­men sehr schnell Ih­re Chan­ce. Ti­cken Sie da­her an­ders? Ich weiß, dass ich viel Glück hat­te, dass es so früh los­ging. Aber ich bin mit 15 von zu Hau­se weg und ha­be mein Geld selbst ver­dient. Frau­en müs­sen bis 25 ih­ren Durch­bruch ge­schafft ha­ben, sonst wird er un­wahr­schein­lich. Re­gis­seur Derek Ci­an­fran­ce hat schon Ryan Gos­ling und Eva Men­des bei „The Place Bey­ond the Pi­nes“zu­sam­men­ge­bracht. Er be- Bei­de: Von An­fang an! Vi­kan­der: Das muss auch sein, wenn man viel Wahr­haf­tig­keit zu spie­len hat und so vie­le Ge­füh­le. Je­der ist an Tag eins am Set ner­vös. Du hast auf Film­sets we­nig Zeit, willst aber et­was Gu­tes ab­lie­fern. Al­so muss man sich ver­trau­en. War es schwer, wie­der ins nor­ma­le Le­ben zu­rück­zu­keh­ren, nach so ei­nem Film? Vi­kan­der: Ich wer­de mich an den Film im­mer er­in­nern. Aber ich war auch sehr mü­de. Und ha­be ge­merkt, dass es gut war, erst ein­mal al­les los­zu­las­sen. Fass­ben­der: Ich muss­te ans nächs­te Set. Vi­kan­der: Ja, ich ja auch (lacht). Sie gel­ten als hei­ßes­tes Paar Hol­ly­woods. Wann nervt Ruhm Sie? Fass­ben­der: Sel­ten. Ich kann nicht mehr mit ei­nem Freund in die Kn­ei­pe ge­hen, oh­ne dass mich Leu­te an­spre­chen und ein Foto wol­len. Sonst le­be ich nor­mal. Vi­kan­der: Es ist wun­der­bar zu rei­sen und Fes­ti­vals zu be­su­chen, aber das ist nicht das ech­te Le­ben. Ich muss si­cher sein, mich mei­nem Le­ben und den wich­ti­gen Menschen nicht zu ent­frem­den.

Reuters

Fass­ben­der und haup­tet, dass Sie sich Halt ge­ge­ben ha­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.