Matt­schei­be für Tsi­pras

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - KARL GAULHOFER

Schlech­tes Ti­ming: Aus­ge­rech­net an dem Tag, an dem Al­exis Tsi­pras den Grie­chen in ei­ner Re­de sei­ne künf­ti­ge Fi­nanz­po­li­tik prä­sen­tie­ren woll­te, gin­gen die TV-Jour­na­lis­ten des Kri­sen­lan­des in Streik. Aber da­vor konn­te sich der lin­ke Pre­mier noch im Glanz ei­ner neu­en Rol­le son­nen: statt als läs­ti­ger Bitt­stel­ler als groß­zü­gi­ger Gast­ge­ber. Tsi­pras hat­te die süd­li­chen EU-Staa­ten zu ei­nem Re­gio­n­al­gip­fel nach At­hen ge­la­den. Na­tür­lich mit ganz heh­ren Zie­len: mehr „Har­mo­ni­sie­rung“in der EU, ei­ne „neue Vi­si­on für Eu­ro­pa“. Auf kei­nen Fall wol­le man ei­ne neue Front ge­gen die Nord- staa­ten er­rich­ten. Ach ja? Das wah­re Ziel ließ sich leicht her­aus­hö­ren: „Die Re­geln des Sta­bi­li­täts­pakts funk­tio­nie­ren nicht“– al­so weg mit ih­nen. Statt so­li­der Haus­hal­te neue Schul­den, fi­nan­ziert vom rei­chen Nor­den, um den „Zer­falls­pro­zess“Eu­ro­pas zu stop­pen – die Ru­te im Fens­ter ge­hört da­zu. Spa­ni­ens Pre­mier Ra­joy hat den ver­sal­ze­nen Bra­ten ge­ro­chen und ist dem Tref­fen fern­ge­blie­ben. Da­für durf­te Hol­lan­de, Frank­reichs Prä­si­dent, nicht feh­len. „Kun­geln mit den Kom­mu­nis­ten aus dem Sü­den“, nennt das die CSU. Das ist baye­risch-derb. Aber nicht so ganz falsch.

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