Die Macht des Brie­fes

Die Brief­wahl ist um­strit­ten – aber trotz­dem be­liebt. Bei der Hof­burg-Wahl gab es ei­nen Wahl­kar­ten­re­kord. Nun wer­den die Ku­verts zum Stol­per­stein für die Wie­der­ho­lung. Die Wahl per Brief von A bis Z.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON BER­NA­DET­TE BAYR­HAM­MER, IRIS BO­NA­VI­DA UND JULIA NEU­HAU­SER

Sie wird im­mer be­lieb­ter, und da­mit im­mer ent­schei­den­der: die Brief­wahl. Bei der Hof­burg-Stich­wahl be­an­trag­ten so vie­le Wäh­ler wie nie zu­vor – näm­lich fast 900.000 – ei­ne Wahl­kar­te. Die­se Stim­men ent­schie­den da­mit nicht nur das Ren­nen zwi­schen Alexander Van der Bel­len und Norbert Ho­fer, sie sind auch ei­ner der Haupt­grün­de für die Auf­he­bung der Stich­wahl. Nun könn­ten sie so­gar zur Ver­schie­bung des nächs­ten Wahl­ter­mins füh­ren. Ein Über­blick über An­fän­ge und Aus­wir­kun­gen der Wahl per Brief. us­lands­ös­ter­rei­cher. Wer im Aus­land lebt, darf seit ei­nem VfGHEnt­scheid im Jahr 1989 wäh­len – al­ler­dings war das ei­ne eher kom­pli­zier­te An­ge­le­gen­heit, für die Zeu­gen not­wen­dig wa­ren. 2008 wur­de das ver­ein­facht und die Brief­wahl auch für das In­land er­laubt (sie­he E). ei­sit­zer. Die Wahl­lei­ter und Bei­sit­zer pfleg­ten bei der Aus­zäh­lung der Brief­wahl­stim­men bei der Bun­des­prä­si­den­ten­wahl ei­nen zu lo­cke­ren Um­gang: Teil­wei­se öff­ne­ten sie die Ku­verts am Sonn­tag statt am Mon­tag, zähl­ten die Stim­men zu früh und oh­ne Be­ob­ach­ter aus. ru­cke­rei. Ver­ant­wort­lich für den Druck der 1,5 Mil­lio­nen Wahl­kar­ten­ku­verts (sie­he K) ist die Fir­ma kbprint­com.at, ein Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men mit Sitz in Wi­en und Vöck­la­bruck. Sie küm­mert sich seit 2003 um den Druck von Stimm­zet­teln. Frü­her war dies ei­ne Auf­ga­be der Ös­ter­rei­chi­schen Staats­dru­cke­rei. in­füh­rung. Im Jahr 2007 mach­te die rot-schwar­ze Ko­ali­ti­on auch im In­land das Wäh­len au­ßer­halb der Wahl­zel­le mög­lich. Wer ei­ne Wahl­kar­te be­an­tragt, kann mit die­ser nun im ei­ge­nen oder in ei­nem frem­den Wahl­lo­kal oder auch per Post wäh­len. Das wur­de im­mer be­lieb­ter: Bei der Na­tio­nal­rats­wahl 2008 wa­ren acht Pro­zent Wahl­kar­ten­stim­men, bei der Hof­burg-Stich­wahl mehr als 16 Pro­zent. ischer, Heinz. Das Por­trät des ExPrä­si­den­ten darf wei­ter­hin in den Schu­len hän­gen. Wann es durch ein neu­es aus­ge­tauscht wird, ist noch un­klar (sie­he Z). Bö­se Zun­gen be­haup­ten, dass es kaum auf­fällt, dass es kei­nen Nach­fol­ger gibt. rü­ne. Die Grü­nen pro­fi­tie­ren von der Brief­wahl. Bei der Prä­si­den­ten­stich­wahl war je­de fünf­te Stim­me für Alexander Van der Bel­len ei­ne Wahl­kar­te – bei Norbert Ho­fer je­de ach­te. ofer, Norbert. Der FPÖ-Kan­di­dat hält grund­sätz­lich nicht viel von ei­ner Ver­schie­bung. Lie­ber wür- de er den 2. Ok­to­ber als Ter­min bei­be­hal­ten und die Brief­wahl ein­fach weg­las­sen. Die For­de­rung ver­wun­dert nicht: Oh­ne Brief­wahl­stim­men hät­te er die ers­te Stich­wahl ge­won­nen. nnen­mi­nis­ter. Wolf­gang So­bot­ka (ÖVP) hat seit April die­se Funk­ti­on in­ne. Da­mit fal­len die Wahl­pan­nen in sei­ne Ver­ant­wor­tung. Zu der mög­li­chen Ver­schie­bung will er sich erst am Mon­tag äu­ßern. uli. In die­sem Mo­nat hät­te der neue Prä­si­dent an­ge­lobt wer­den sol­len. Heinz Fi­scher trat am 8. Ju­li ab, konn­te sein Amt aber nicht an ei­nen Nach­fol­ger über­ge­ben. Das Da­tum wur­de üb­ri­gens seit der An­ge­lo­bung von Ru­dolf Kirch­schlä­ger bei­be­hal­ten. uverts. Da sich die Kle­be­naht des Ku­verts löst, in das Brief­wäh­ler die Wahl­kar­te ge­ben müs­sen, könn­te der Stimm­zet­tel ge­tauscht wer­den oder her­aus­rut­schen. Wer ein sol­ches Ku­vert be­kom­men hat, soll sich bei sei­ner Ge­mein­de mel­den – und die Wahl­kar­te kei­nes­falls un­ter­schrei­ben. Wie vie­le schad­haf­te Ku­verts es gibt, ist un­klar. eo­pold­stadt. Am Sams­tag vor ei­ner Wo­che be­rich­te­te „Die Pres­se“erst­mals ex­klu­siv über schad­haf­te Ku­verts. Die ers­ten feh­ler­haf­ten Wahl­kar­ten tauch­ten für die Be­zirks­ver­tre­tungs­wahl in der Leo­pold­stadt auf. Dann auch für die Bun­des­prä­si­den­ten­stich­wahl (sie­he K). ani­pu­la­ti­on. Die Brief­wahl hat den Ruf, Spiel­raum für Ma­ni­pu­la­tio­nen zu bie­ten. Bei der Prä­si­den­ten­stich­wahl fan­den die Ver­fas­sungs­rich­ter kei­ne Hin­wei­se dar­auf. Im­mer wie­der gab es aber Vor­wür­fe, dass Wahl­kar­ten von je­mand an­de­ren be­an­tragt und aus­ge­füllt wur­den, et­wa in Pfle­ge­hei­men. Ein bur­gen­län­di­scher Bür­ger­meis­ter gab so­gar zu, bei der Land­tags­wahl 2010 frem­de Wahl­kar­ten aus­ge­füllt zu ha­ben. atio­nal­rats­prä­si­den­ten. Do­ris Bu­res, Karl­heinz Kopf und Norbert Ho­fer pro­fi­tie­ren der­zeit von der Ab­senz des Bun­des­prä­si­den­ten (sie­he F). Als Kol­le­gi­al­or­gan über­nimmt das Na­tio­nal­rats­prä­si­di­um die Ge­schäf­te des Bun­des­prä­si­den­ten. So wie es aus­sieht, wird es dies län­ger als ge­plant tun.

Die Volks­par­tei war die trei­ben­de Kraft hin­ter der Ein­füh­rung der Brief­wahl. Sie SPÖ – ei­gent­lich da­ge­gen – stimm­te letzt­end­lich zu. Und zwar im Tausch ge­gen die Sen­kung des Wahl­al­ters auf 16 Jah­re. ual. Fast zeit­gleich ga­ben Alexander Van der Bel­len und Norbert Ho­fer En­de Jän­ner ih­re Kan­di­da­tur be­kannt. Seit­dem be­fin­den sie sich ei­gent­lich im Dau­er­wahl­kampf. Nach zwei re­gu­lä­ren Wah­len, ei­ner Wie­der­ho­lung und ei­ner po­ten­zi­el­len Ver­schie­bung ist die­se Bun­des­prä­si­dent­schafts­wahl nicht nur für sie vor al­lem ei­nes: ei­ne Qu­al. echt. So um­strit­ten die Brief­wahl ist, so fest ist sie ver­an­kert. Sie steht näm­lich im Ver­fas­sungs­rang. Ei­ne et­wai­ge Ab­schaf­fung be­dürf­te al­so ei­ner Zwei­drit­tel­mehr­heit, und sie ist im Par­la­ment schwer zu fin­den. on­nen. Die Wahl wiegt schwer: 42,3 Ton­nen Pa­pier hat die kbprint­com.at (sie­he D) mit elf Ki­lo Far­be be­druckt. Die­se Pro­duk­ti­on kos­tet. Rund 2,2 Mil­lio­nen Eu­ro ver­an­schlagt der Bund u. a. für den Druck der Stimm­zet­tel. Ins­ge­samt wird die Wahl­wie­der­ho­lung den Steu­er­zah­ler zehn Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten. Soll­te die Wahl ver­scho­ben wer­den, will das In­nen­mi­nis­te­ri­um die Mehr­kos­ten an die Dru­cke­rei ab­wäl­zen. hu-Stic. Soll­te der Ver­kauf von Pro­duk­ten ei­nes ge­wis­sen Kle­be­stoff­pro­du­zen­ten in die Hö­he schnel­len, wä­re re­la­tiv leicht zu er­ah­nen, war­um: Die Te­le­fon­hot­line des In­nen­mi­nis­te­ri­ums riet laut ORF-Ra­dio ei­ni­gen Be­trof­fe­nen, ihr ka­put­tes Ku­vert un­auf­fäl­lig zu­sam­men­zu­kle­ben. Dem Rat soll­te man üb­ri­gens kei­nes­falls fol­gen: Dann wä­re die Stim­me un­gül­tig. eit­punkt. Dass die Wahl­wie­der­ho­lung nach hin­ten ver­legt wird, ist zwar noch nicht fix – die An­zei­chen da­für häu­fen sich aber. Und es gibt be­reits Spe­ku­la­tio­nen über po­ten­zi­el­le Ter­mi­ne: Im Raum ste­hen der 13., 20. oder 27. No­vem­ber – oder der 18. De­zem­ber.

Pe­tra Wink­ler

Wäh­len – nicht so – leicht ge­macht.

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