Sport­ler ge­gen den IS: Kampf ge­gen Ra­di­ka­li­sie­rung

Hu­ma­ni­tä­res En­ga­ge­ment. Im Ver­ein Not in God’s Na­me wol­len Kampf­sport­ler Ju­gend­li­che da­von ab­hal­ten, in den Ji­had zu zie­hen. Durch Ge­sprä­che und ge­mein­sa­mes Trai­ning.

Die Presse am Sonntag - - Austria’16 - VON EVA WINROITHER

Wenn sie zu­schla­gen, dann se­hen ganz vie­le Men­schen weg. Wer kein Fan von Kampf­sport­ar­ten ist, dem sind die Kämp­fe bei Kick­bo­xen, Thai­bo­xen, Jiu-Jitsu und MMA (Mi­xed Mar­ti­al Arts) oft zu bru­tal. Aber vie­le Ju­gend­li­che und jun­ge Er­wach­se­ne sind Fans der Wett­be­wer­be, die Sport­ler sind ih­re Ido­le. „Weil sie sich ge­gen an­de­re be­haup­ten kön­nen, weil sie ge­zeigt ha­ben, dass man es selbst mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund bis ganz nach oben schaf­fen kann.“

Die Ido­le hei­ßen Foad Sa­deghi, Ka­rim Ma­b­rouk, Ad­nan Snert oder Mair­bek Tai­su­m­ov. Letz­te­rer ist ge­bür­ti­ger Tsche­tsche­ne und welt­be­kann­ter MMA-Star. Tau­sen­de ju­beln, wenn Tai­su­m­ov als ein­zi­ger Kämp­fer aus Ös­ter­reich in der Ul­ti­ma­te Fight­ing Cham­pi­ons­hip kämp­fen darf. Was Men­schen wie er sa­gen, zählt. Kampf­sport in Ver­ruf. Da­mit kann man ar­bei­ten, dach­te sich Alexander Ka­ra­kas, Star­t­up-Grün­der und Wie­ner mit tür­ki­schen Wur­zeln, vor mehr als ei­nem Jahr. Im po­si­ti­ven Sinn. Kampf­sport war zu die­ser Zeit be­reits in Ver­ruf ge­ra­ten. Denn auf­fäl­lig oft gin­gen jun­ge Män­ner in den Ji­had nach Sy­ri­en, die sich beim Kick­bo­xen oder bei MMA ken­nen­ge­lernt hat­ten.

Ge­mein­sam mit dem in Ös­ter­reich be­kann­ten Thai­bo­xer Ka­rim Ma­b­rouk grün­de­te er den Ver­ein Not in God’s Na­me. Ver­eins­sitz ist das Kampf­sport­zen­trum To­san im zwei­ten Be­zirk, wo Mus­li­me, Chris­ten und Ju­den un­ter der Lei­tung des am­tie­ren­den Thai­box-Welt­meis­ters, Foad Sa­deghi, be­reits ge­mein­sam trai­nie­ren.

Mit aus­ge­streck­ter Hand, als Zei­chen für Stopp, po­sie­ren die Sport­ler auf Han­dy­fo­tos, die sie über Face­book ver­brei­ten. Ge­walt im Na­men von Re­li­gi­on sei nicht in Ord­nung, lau­tet ih­re Bot­schaft. Es sei falsch, in den Ji­had zu zie­hen. Mitt­ler­wei­le un­ter­stüt­zen auch Sport­ler in Hol­land und Deutsch­land das Pro­jekt. „Die Ju­gend­li­chen le­sen doch kei­ne ös­ter­rei­chi­schen Zei­tun­gen. Man­che kön­nen gar nicht le­sen“, er­klärt Ka­ra­kas, selbst gläu­bi­ger Christ, war­um es so wich­tig sei, dass Te­sti­mo­ni­als aus der Com­mu­ni­ty sich ge­gen den IS aus­spre­chen. Sie ken­nen den All­tag von Mi­gran­ten in Ös­ter­reich. Ka­rim Ma­b­rouk et­wa hat ägyp­ti­sche Wur­zeln. To­san-Be­sit­zer Foad Sa­deghi kam als Flücht­ling aus dem Iran nach Ös­ter­reich, Tai­su­m­ov aus Tsche­tsche­ni­en.

Der­zeit ar­bei­tet die Initia­ti­ve eh­ren­amt­lich. (Fi­nan­zi­el­le) Un­ter­stüt­zung sei­tens Land und Bund gibt es bis­lang nicht. An­dern­orts schon. Dem­nächst soll das Pro­jekt in den Pro­blem­vier­teln Brüs­sels Fuß fas­sen. Und die re­nom­mier­te US-Dera­di­ka­li­sie­rungs­ex­per­tin An­ne Speck­hard will den Ver­ein beim Dre­hen von Vi­deo­bot­schaf­ten un­ter­stüt­zen. Ide­en gibt es ge­nug. Ne­ben ei­nem Book­let, das in Parks ver­teilt wer­den soll, möch­te der Ver­ein ein Ju­gend­zen­trum grün­den. Beim Trai­ning sol­len die Ju­gend­li­chen von ra­di­ka­len Ide­en ab­ge­bracht wer­den. Fach­leu­te wie Deutsch­leh­rer und Psy­cho­lo­gen sol­len sie un­ter­stüt­zen. „Sport ist ein­fach ein Ab­bau von Ener­gie, man lässt es raus. So hat man gu­te Chan­cen, die Ju­gend­li­chen von vie­lem fern­zu­hal­ten“, sagt Ka­rim Ma­b­rouk. Er und Alexander Ka­ra­kas wur­den nun für den Ver­ein bei der Wahl zu den Ös­ter­rei­chern des Jah­res in der Ka­te­go­rie Hu­ma­ni­tä­res En­ga­ge­ment no­mi­niert.

Fa­b­ry

Ka­rim Ma­b­rouk und Alexander Ka­ra­kas (v. l.)

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