Was­ser­spei­cher für die Durs­ti­gen

Ex­pe­ri­ment. Der Ver­such, mit­tels Su­per­ab­sor­bers die Bo­den­feuch­te im Blu­men­topf zu op­ti­mie­ren, ist ge­lun­gen. Noch nie stan­den bei­spiels­wei­se die Hor­ten­si­en stram­mer und blü­ten­rei­cher im Kü­bel.

Die Presse am Sonntag - - Garten - VON UTE WOLTRON

Das heu­er im April an­ge­kün­dig­te Ex­pe­ri­ment, be­son­ders durs­ti­ge Kü­bel­pflan­zen mit­tels Zu­ga­be ei­nes so­ge­nann­ten Su­per­ab­sor­bers dau­er­haft mit feuch­tespei­chern­dem Sub­strat zu ver­sor­gen, kann nun als höchst ge­glückt be­zeich­net wer­den. Viel we­ni­ger häu­fi­ges Gie­ßen und nie­mals durs­tig hän­gen­de Pflan­zen wa­ren das er­freu­li­che Re­sul­tat.

Zur Er­in­ne­rung: Der Su­per­ab­sor­ber ist ein un­gif­ti­ges Gra­nu­lat mit ex­tre­mer Was­ser­spei­cher­kraft, das schon seit Lan­gem in klei­nen Men­gen et­wa in Win­deln zum Ein­satz kommt und Ba­by­pöp­sche dank sei­ner Auf­tunk­wir­kung tro­cken hält. In ge­rin­gen Men­gen der Er­de bei­ge­mischt kann es die­se über län­ge­re Zeit schön feucht hal­ten. Bei In­ter­es­se sind die tech­ni­schen und von Wis­sen­schaft­lern er­forsch­ten De­tails da­zu auf der Web­site der Gar­ten­kral­le un­ter diepresse.com/gar­ten­kral­le nach­zu­le­sen. Bo­ta­ni­sche Ver­suchs­ka­nin­chen. Ins­be­son­de­re je­ne Pflan­zen, die ein Aus­trock­nen nicht ver­tra­gen – und zwar nicht ein ein­zi­ges nach­läs­si­ges Mal –, wie Far­ne, Li­gu­la­ri­en, Hor­ten­si­en und En­gel­strom­pe­ten, ka­men in den Ge­nuss, qua­si als bo­ta­ni­sche Ver­suchs­ka­nin­chen her­hal­ten zu dür­fen. Sie al­le wur­den in das mit dem Gra­nu­lat an­ge­rei­cher­te Sub­strat ge­bet­tet. Die Vor­gangs­wei­se war sim­pel und funk­tio­niert auch auf je­dem Bal­kon: Su­per­ab­sor­ber­gra­nu­lat be­sor­gen, ein paar Ess­löf­fel da­von in ei­nen Kü­bel rie­seln las­sen, mit Was­ser fül­len, um­rüh­ren und et­wa ei­ne Vier­tel­stun­de war­ten, bis das erst wei­ße, tro­cke­ne Gra­nu­lat das Was­ser auf­ge­so­gen hat und zu ei­nem Ge­lee ge­wor­den ist.

An­schlie­ßend wird die­se pud­din­g­ar­ti­ge Was­ser­sub­stanz sorg­fäl­tig un­ter die Er­de ge­mischt. Das Ver­hält­nis von fünf ge­häuf­ten Ess­löf­feln Gra­nu­lat, voll­stän­dig was­ser­ge­sät­tigt, auf ei­nen 80-Li­ter-Sack Er­de, na­tür­lich oh­ne Torf, be­zie­hungs­wei­se das men­gen­mä­ßig ent­spre­chen­de Pen­dant aus dem ei­ge­nen Kom­post­gar­ten, hat sich be­währt. Der Land­mensch ver­mischt die An­ge­le­gen­heit prak­ti­scher­wei­se in der oh­ne­hin ir­gend­wo her­um­ste­hen­den Misch­ma­schi­ne. Bal­kon­gärt­ner hin­ge­gen be­sor­gen sich am bes­ten ei­ne ge­räu­mi­ge Mau­rer­wan­ne aus der Bau­ab­tei­lung, krem­peln die Är­mel auf und mi­schen al­les mit­hil­fe ih­rer Kör­per­kraft, was auch kein Pro­blem dar­stellt, nur et­was län­ger dau­ert.

Je­de ein­zel­ne der Pflan­zen hat von dem viel bes­ser und län­ger durch­feuch­te­ten Erd­reich klar pro­fi­tiert. Das Gie­ßen re­du­zier­te sich da­durch auf ein er­staun­li­ches Mi­ni­mum. Auch ab­we­sen­heits­be­ding­te Pha­sen nach­läs­si­ger Be­treu­ung, die sonst mit hän­gen­den Köp­fen und fal­len­den Blät­tern ab­ge­straft wer­den, wur­den ab­so­lut pro­blem­los über­stan­den.

Auch der Ver­such, eher gro­ße Pflan­zen in klei­ne­re Töp­fe als ei­gent­lich er­for­der­lich zu set­zen, da­für aber das feh­len­de Vo­lu­men mit­tels Ab­sor­ber­zu­ga­be aus­zu­glei­chen, funk­tio­nier­te recht gut und dürf­te von Bal­kon­gärt­nern be­grüßt wer­den. Da ei­ni­ge von Ih­nen, ge­schätz­te Le­se­rin­nen und Le­ser, im April an­ge­kün­digt ha­ben, eben­falls ex­pe­ri­men­tel­le Ab­sor­ber-Er­den zu mi­schen, wä­re es fein, Ih­re Er­fah­rungs­wer­te zu ver­glei­chen. Zu­schrif­ten wer­den ge­spannt un­ter ute.woltron@diepresse.com er­war­tet. Ein­satz bei chro­ni­schen Säu­fern. Der Ein­satz lohnt sich selbst­ver­ständ­lich nur bei chro­ni­schen Säu­fern des Pflan­zen­reichs. Vor al­lem die Hor­ten­si­en wa­ren nie schö­ner als heu­er. Sie ste­hen in Töp­fen un­ter Dach, das im Raum ste­hen­de Ar­gu­ment, die gro­ßen Nie­der­schlags­men­gen die­ses Som­mers wä­ren für ihr Ge­dei­hen ver­ant­wort­lich, gilt al­so nicht.

Von ei­nem Flop ist je­doch trotz al­lem zu be­rich­ten: Der lau­ni­ge Ver­such, den ewig durs­ti­gen, kei­nen ein­zi­gen Mo­ment der Tro­cken­heit ver­zei­hen­den Frau­en­haar­farn, die­se hoff­nungs­lo­se Lie­be mei­nes Zim­mer­gärt­ne­rin­nen­le­bens, im hüb­schen Glas­ge­fäß in rei­nes Su­per­ab­sor­ber­ge­lee samt Hy­dro-Dün­ger zu bet­ten, miss­lang so­fort. Im Was­ser­bad ge­dieh er präch­tig. Im Ge­lee ver­starb er bin­nen ei­ner Wo­che. Uner­gründ­lich und span­nend bleibt das Gärt­ner­da­sein.

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