Die Zin­sen blei­ben noch lan­ge nied­rig

Die flaue Kon­junk­tur wird die EZB bald zu ei­ner Aus­wei­tung ih­rer Po­li­tik des lo­cke­ren Gel­des zwin­gen.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - JU

Ma­rio Draghi hat ein Pro­blem: Die EZB kann nicht nichts tun. Selbst nach ei­ner Null­sit­zung wie der vom ver­gan­ge­nen Don­ners­tag re­agie­ren die Märk­te recht hef­tig. Kein Wun­der: Das Zins­ni­veau in­ter­es­siert ja nicht nur Kre­dit­neh­mer, Spa­rer und die Fi­nanz­mi­nis­ter von hoch ver­schul­de­ten Staa­ten. Auch die Ak­ti­en­märk­te, die von der No­ten­bank-Geld­flut be­trächt­lich auf­ge­bla­sen wur­den, re­agie­ren auf Si­gna­le aus Frank­furt recht sen­si­bel.

War der Um­stand, dass die EZB ganz ge­gen die Er­war­tun­gen der Marktau­gu­ren kei­ne Aus­wei­tung oder Ver­län­ge­rung ih­rer Po­li­tik des ul­tra­lo­cke­ren Gel­des ver­kün­det hat, ei­ne Art Si­gnal, dass sich die Zins­po­li­tik bald dre­hen könn­te? Oder hält die EZB nur ihr Pul­ver tro­cken, um im Herbst, wenn klar ist, ob die Fed ih­ren im­mer wie­der ver­scho­be­nen Zins­schritt durch­bringt, los­zu­le­gen?

Der­zeit sieht es eher nach Zwei­te­rem aus. Die meis­ten Ana­lys­ten ge­hen da­von aus, dass die EZB heu­er noch ein­mal nach­le­gen und ei­ne Ver­län­ge­rung des An­lei­hen-An­kauf­pro­gramms oder gar des­sen Aus­wei­tung be­kannt ge­ben wird.

Die Kon­junk­tur­da­ten wer­den ei­ne bal­di­ge Be­en­di­gung der Tief­zins­pha­se näm­lich nicht zu­las­sen. Im Au­gen­blick sind die Kon­junk­tur­pro­gnos­ti­ker ge­ra­de da­bei, ih­re of­fen­bar neu­er­lich zu op­ti­mis­ti­schen Pro­gno­sen für heu­er an­zu­pas­sen. Auch der ös­ter­rei­chi­sche No­ten­bank­gou­ver­neur hat neu­lich ja an­ge­deu­tet, dass die OeNB ih­re Kon­junk­tur­pro­gno­se recht kräf­tig auf nur noch 1,4 Pro­zent Wachs­tum zu­recht­stut­zen wird. Der am Frei­tag ge­mel­de­te stärks­te Ein­bruch der deut­schen Ex­por­te seit 2009 ist ein In­diz da­für, dass auch die­ser Wert noch zu op­ti­mis­tisch sein könn­te. Von die­ser Sei­te her gibt es al­so kei­nen Im­puls für ei­ne Än­de­rung der Zins­po­li­tik.

Da­mit zu­sam­men­hän­gend ist auch das Haupt­ziel der EZB-Geld­flut, die An­he­bung der Eu­ro­raum-In­fla­ti­ons­ra­te auf zwei Pro­zent, in wei­te Fer­ne ge­rückt. Der­zeit hält die Eu­ro­zo­nen-In­fla­ti­on bei 0,2 Pro­zent. Draghi wird sei­ne Ba­zoo­ka al­so aus­ge­packt las­sen müs­sen. Und die EZB wird ihr In­stru­men­ta­ri­um, auch wenn sie da­bei an die Gren­zen ih­res Man­dats ge­langt, aus­wei­ten müs­sen. Denn die kauf­ba­ren Staats­an­lei­hen ge­hen ihr bei ei­nem Vo­lu­men von 80 Mrd. Eu­ro im Mo­nat lang­sam aus.

Wir kön­nen uns je­den­falls dar­auf ein­stel­len, dass das Zins­um­feld noch sehr lan­ge sehr nied­rig sein wird. Al­ler­dings: Je län­ger das dau­ert, des­to grö­ßer wird wohl der Knall an den Märk­ten, wenn die Po­li­tik des lo­cke­ren Gel­des en­det.

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