Lass uns noch ein biss­chen blei­ben

Die Ober­ös­ter­rei­che­rin Ju­dith W. Ta­sch­ler be­schreibt ihn ih­rem Freund­schafts-Be­zie­hungs-Kon­strukt und die Vor- und Nach­tei­le des Blei­bens. fünf­ten Buch ein

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - VON AN­NA-MA­RIA WALLNER

Er ist ein be­lieb­tes Ro­man­the­ma: der Schlüs­sel­mo­ment. Ein Mo­ment, in dem sich zwei oder mehr Men­schen zu­fäl­lig be­geg­nen und dank dem ihr Le­ben ei­ne neue Wen­dung nimmt. Ge­nau dar­um dreht sich der neue Ro­man der Ober­ös­ter­rei­che­rin Ju­dith W. Ta­sch­ler. Drei Män­ner und ei­ne Frau lan­den 1994 auf ei­ner Zug­fahrt nach Rom im sel­ben Ab­teil. Da ist der Süd­ti­ro­ler Fe­lix, der in der ita­lie­ni­schen Haupt­stadt ei­nen al­ten Freund sei­ner viel zu früh ver­stor­be­nen Mut­ter be­su­chen will, und sein bes­ter Freund Max, der ihn be­glei­tet. Da ist die jun­ge Frau Ju­lia­ne, die al­lein, aber mit ih­rem Cel­lo auf dem Rü­cken von Rom nach As­si­si pil­gern will. Und da ist der um ei­ni­ge Jah­re äl­te­re An­walt Paul, der sich nach der Schei­dung von sei­ner ers­ten Frau ei­ne klei­ne Aus­zeit nimmt. Die vier ste­hen an ei­nem Wen­de­punkt in ih­rem Le­ben, doch das be­grei­fen sie erst viel spä­ter. Der Ro­man setzt 21 Jah­re da­nach ein, und wir be­geg­nen den vier Prot­ago­nis­ten, die über die Be­geg­nung von da­mals, de­ren Aus­wir­kun­gen bis in die Ge­gen­wart rei­chen, je­weils ei­nem an­de­ren Ge­gen­über er­zäh­len. Die Af­fä­re mei­ner Frau. Es fällt zu­nächst ein we­nig schwer, in die­ses Buch hin­ein­zu­fin­den. Da­bei be­ginnt es gut, mit ei­nem star­ken ers­ten Satz: „Lass uns noch ein biss­chen blei­ben“, sagt Paul im Ge­spräch mit sei­nem bes­ten Freund und da­mit uns Le­sern. Er wol­le heu­te Nacht nicht al­lein sein und ihm, dem Freund, die gan­ze Ge­schich­te er­zäh­len. Von der Af­fä­re sei­ner Frau, wie er da­hin­ter­ge­kom­men ist und war­um ihn selbst seit ei­ni­ger Zeit ei­ne schwe­re Schuld plagt. Doch es braucht sei­ne Zeit, bis man durch das Wirr­warr an Na­men und Zei­ten in den Sog der Ge­schich­te fin­det.

Es wa­ren zwar Ju­lia­ne und Fe­lix, die sich wäh­rend die­ser Zug­fahrt nä­her­ka­men, wo­bei es nur bei ein paar Küs­sen blieb. Aber es ist Paul, dem Ju­lia­ne ei­ni­ge Ta­ge spä­ter in der Stadt Spole­to, auf der Pil­ger­stre­cke nach As­si­si, wie­der be­geg­net. Nicht ganz zu­fäl­lig, wie wir spä­ter er­fah­ren. Paul hat­te sich ih­ren Pil­ger­weg ge­merkt und dar­auf spe­ku­liert, sie wie­der­zu­se­hen. Die bei­den nä­hern sich an, Paul über­re­det Ju­lia­ne, von Inns­bruck nach Wi­en zu über­sie­deln und sich von ih­rer Fa­mi­lie Ju­dith W. Ta­sch­ler „blei­ben“Dro­emer 256 Sei­ten 20,60 Eu­ro

Sa­rin­ger

Ju­dith W. Ta­sch­ler lebt heu­te mit ih­rem Mann und ih­ren drei Kin­dern in Inns­bruck.

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