Am Herd

BRANDHEISS UND HÖCHST PER­SÖN­LICH

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON BET­TI­NA ST­EI­NER

Zu­erst stol­pert man dau­ernd über Ku­schel­tie­re, dann ver­stop­fen ge­töp­fer­te Va­sen die Re­ga­le. Und spä­ter lie­gen über­all Kla­mot­ten her­um. Die Kin­der, die­se ähem: Samm­ler.

Ku­schel­tie­re pflan­zen sich fort. Das fällt ei­nem nicht gleich auf, zu­mal die Nach­kom­men der Ku­schel­tie­re ih­ren El­tern oft über­haupt nicht ähn­lich se­hen, ja es kann sein, dass ei­ne Rat­te und ein ein­oh­ri­ger Esel ei­nen Pa­pa­gei in die Welt set­zen. Aber ir­gend­wann be­merkt man: Da stimmt et­was nicht! Ich mei­ne: Han­nah hat zur Ge­burt ei­nen Ted­dy und ei­nen Ha­sen be­kom­men – und war im Al­ter von sechs Mo­na­ten Be­sit­ze­rin ei­ner gan­zen Tru­he vol­ler Plüsch­tie­re! Ich schwö­re: Ich ha­be kein ein­zi­ges da­von ge­kauft.

Als sie zwei war, ver­schenk­te ich ei­ne Wa­gen­la­dung voll, in der An­nah­me, das wür­de ihr nicht auf­fal­len. Irr­tum. Als sie drei war, ver­steck­te ich Tie­re un­term Bett und hoff­te, sie wür­de we­nigs­tens ei­ni­ge da­von ver­ges­sen. Irr­tum. Dann kam Mar­le­ne auf die Welt, und ich gab auf. Seit­her be­herr­schen sie das Kin­der­zim­mer: Wa­sche­loh­ne­ohr und Pan­di et­wa, ein ge­fähr­li­ches Duo. Ich be­äu­ge ih­re Ak­ti­vi­tä­ten miss­trau­isch. Es wird nicht mehr lan­ge dau­ern, und sie krie­gen ein Pi­ka­chu. Der Man­tel als Tep­pich. Lei­der blieb es nicht bei den Ku­schel­tie­ren, im Kin­der­gar­ten ka­men di­ver­se Ba­s­te­lei­en da­zu: psy­che­de­li­sche El­che aus Papp­ma­che.´ Bil­der­rah­men. Klei­ne ge­web­te Tep­pi­che. Blau la­sier­te Va­sen aus Ton. Gra­vier­te Va­sen aus Glas. Un­dich­te Va­sen aus Knet­mas­se. Da­zu Sta­peln von Zeich­nun­gen und La­ter­nen! So vie­le La­ter­nen! Wel­cher Haus­halt hat Fens­ter­bret­ter für ein Dut­zend La­ter­nen?

Der vor­läu­fi­ge Gip­fel die­ser Ent­wick­lung war üb­ri­gens ein im Werk­un­ter­richt ge­näh­ter – bit­te um ei­nen Tusch – Ted­dy­bär.

Aber eben: nur der vor­läu­fi­ge Gip­fel, seit ein paar Mo­na­ten ent­de­cke ich mit Schre­cken, dass auch Kla­mot­ten sich ver­meh­ren. Wo­her zum Bei­spiel kommt die­se pin­ke Ja­cke, die so ku­sche­lig ist, dass man sie an­geb­lich auch bei 30 Grad im Schat­ten tra­gen kann, äh muss? Oder die­ser rie­si­ge schlamm­far­be­ne Man­tel, der seit Wo­chen wie ein Tep­pich un­term Schreib­tisch liegt? Das T-Shirt, von dem mein Mann be­haup­tet, es ge­hö­re nicht ihm, ob­wohl er der ein­zi­ge ist, dem es pas­sen könn­te? Au­ßer na­tür­lich, man ver­wen­det es wie Mar­le­ne als Kleid und lässt die Schul­ter her­vor­blit­zen.

Au­ßer­dem fin­den sich auf, im und um das Hoch­bett her­um: ein mir un­be­kann­ter Pull­over XL, So­cken mit Po­ke­mon´ drauf, ei­ne Plu­der­ho­se, und wenn ich fra­ge, wem das gan­ze Zeug ge­hö­re, be­kom­me ich zur Ant­wort: „Dem Do­mo, der hat sie mir ge­borgt, als mir kalt war.“„Der Sam, die hat sie hier ver­ges­sen.“Und die Plu­der­ho­se sei kei­ne Plu­der­ho­se, son­dern ein Nacht­ge­wand, und die Ena ha­be sie fürs nächs­te Mal gleich da­ge­las­sen.

Ich wüss­te üb­ri­gens gern, wo mei­ne schwar­ze Ja­cke hin­ge­kom­men ist.

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