Zehn Jah­re fort­ge­setz­te »Fell­ne­rei­en«

Wer h´tte 2006 ge©Żcht, ©Żss sich ©ie TŻ­ges­zei­tung »Ös­ter­reich« so lŻn­ge hŻl­ten wür©e? Nun jŻ, ihr Grün©er viel­leicht. Un© ©ie BŻn­ken, ©ie ihm Kre©it gŻãen. Un© ©er zu­rück­ge­tre­te­ne KŻnz­ler. Un© Żl­le, ©ie für viel Gel© grŻ­tis HŻn©ys wol­len.

Die Presse am Sonntag - - Medien - VON NORBERT MAY­ER

Im Sep­tem­ber 2006 hat der Wer­be­fach­mann, Me­di­en­ma­cher und Bou­le­vard­ex­per­te Wolf­gang Fell­ner erst­mals die von ihm ge­grün­de­te Ta­ges­zei­tung Ös­ter­reich er­schei­nen las­sen. Ei­ne Art Vor­bild war USA To­day, da­mals das auf­la­gen­stärks­te Blatt Ame­ri­kas, wel­ches in­zwi­schen auch gra­tis in ver­schlank­ter Ver­si­on an­ge­bo­ten wird. Ei­li­ge und vor­ei­li­ge Re­ak­tio­nen auf Ös­ter­reich in der Bran­che wa­ren höh­nisch. War­um ein Kon­sor­ti­um se­riö­ser ös­ter­rei­chi­scher Ban­ken für die­ses ris­kan­te Pro­jekt Kre­di­te in ho­her zwei­stel­li­ger Eu­ro-Mil­lio­nen­hö­he ver­gab, war tat­säch­lich de­ren Ge­heim­nis. Da­mals, vor der Fi­nanz­kri­se 2008, gin­gen In­ves­to­ren be­son­ders leicht­fer­tig mit dem Geld an­de­rer Leu­te um, nicht nur an der Wall Street und in Kärn­ten. Aber trotz pes­si­mis­ti­scher Zwi­schen­ru­fe gibt es Kärn­ten und Ös­ter­reich und Ös­ter­reich noch im­mer. Wo steht die­ses Blatt heu­te?

Zu­min­dest für sei­nen Ei­gen­tü­mer bringt es of­fen­bar Ge­winn. Die ver­kauf­te Auf­la­ge (laut ÖAK 2014) ist mit we­ni­ger als 50.000 zwar be­schei­den, klei­ner so­gar noch als zum Bei­spiel die des Stan­dard, beim Ver­schleu­dern aber er­weist sich Fell­ner noch küh­ner als sein Vor­bild in den USA. Cir­ca das Zehn­fa­che des ver­kauf­ten Bunt­pa­piers wird täg­lich für nix un­ter die Leu­te ge­bracht. Auch das hat al­ler­dings sei­nen Preis. Da­mit sind wir beim Ge­schäfts­mo­dell, von Kri­ti­kern als „Fell­ne­ris­mus“be­zeich­net (© Ar­min Thurn­her). Es ist im Bou­le­vard stark, in mil­de­rer Form in­zwi­schen auch in den meis­ten an­de­ren Blät­tern ver­brei­tet. Selbst Ex­per­ten fällt es schwer, bei Ös­ter­reich zwi­schen Wer­bun­gen, Ko­ope­ra­tio­nen, Abo-Kei­le­rei­en und re­dak­tio­nel­len Be­rich­ten über di­ver­se Pro­duk­te zu un­ter­schei­den. Es zäh­len nicht „Fak­ten, Fak­ten, Fak­ten“, im Zwei­fel wird im­mer an die Groß­kun­den ge­dacht. Die Le­ser und die Se­rio­si­tät sind oh­ne­hin se­kun­där. Wie sonst könn­te es sein, dass zum Bei­spiel ein In­ter­view mit dem Star-Jour­na­lis­ten Hu­go Por­tisch er­scheint, zu dem die­ser glaub­haft ver­si­chert, dass er kei­nes ge­ge­ben ha­be? Da kann es auch pas­sie­ren, dass bei Ös­ter­reich ein Pop­star auf­ge­tre­ten ist, ob­wohl die Sen­dung mit ihm ab­ge­sagt wur­de.

Vor­ran­gi­ges In­ter­es­se sol­cher Zei­tungs­ma­cher hat auch die Pfle­ge aus­ge­such­ter Po­li­ti­ker. Be­son­ders im letz­ten Jahr­zehnt ha­ben ei­ni­ge von ih­nen den Bou­le­vard durch die öf­fent­li­che Hand groß­zü­gig un­ter­stützt. Ins­ge­samt flos­sen so über die Jah­re vie­le hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro zu Kro­nen Zei­tung, Heu­te und Ös­ter­reich. Man kann be­reits ah­nen, wie sich die­ses Wer­be­auf­kom­men ent­wi­ckelt, wenn Fell­ner dem­nächst tat­säch­lich TV in all sei­nen neu­en Misch­for­men ma­chen wird. Se­ri­en­wei­se Kanz­ler­kom­men­ta­re. Wir wol­len aber nicht klein­lich sein zum De­ka-Ju­bi­lä­um. Was sind die Tu­gen­den des Ju­bi­lars? Zum Bei­spiel sein Mut zur Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung. Der Her­aus­ge­ber von Ös­ter­reich zeigt noch Bünd­nis­treue zu Ge­schäfts­part­nern, wenn die Sa­che längst ver­lo­ren scheint. In der fi­na­len Wo­che vor dem Ab­gang von Bun­des­kanz­ler Wer­ner Fay­mann schrieb Fell­ner se­ri­en­wei­se Kom­men­ta­re, wie un­er­setz­lich sein lang­jäh­ri­ger DuF­reund für die SPÖ sei. Die­ses Ver­trau­en muss sich der neue Kanz­ler erst er­ar­bei­ten.

Je­de Kol­por­ta­ge braucht ei­nen ver­söhn­li­chen Schluss. Was macht Fell­ner sym­pa­thisch? Ei­ne fast pri­va­te Ho­me­sto­ry, die viel­leicht stim­men kann: Es muss das letz­te Kanz­ler­fest Al­f­red Gu­sen­bau­ers vor der Macht­über­nah­me der Fay­mann-Par­tie ge­we­sen sein. Was sich für pro­mi­nent hielt, kam in den Park. Plötz­lich ein Ge­rücht: Die Le­bens­ge­fähr­tin des Kanz­lers ha­be den Chef von Ös­ter­reich des Hau­ses ver­wie­sen. Ein Auf­stei­ger öf­fent­lich bla­miert! Der Me­dia­tor kann es nicht be­stä­ti­gen. Was er sah: ei­nen ge­bück­ten, um Hal­tung rin­gen­den Mann, der noch ein we­nig lust­wan­del­te, um rasch ab­zu­tau­chen. Da wirk­te er wie Richard III. vor Bos­worth. Fast konn­te er ei­nem leid­tun.

APA

Zei­tungs­grün©er Wolf­gŻng Fell­ner (* 1954) im ©ŻmŻls neu­en News­room von „Ös­ter­reich“.

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