Pil­ze in Chats­worth Park

»Bey­ond Li­mits« nennt das Auk­ti­ons­haus Sothe­by’s die ku­ra­tier­te Skulp­tu­ren­schau im Schloss­park von Chats­worth, mit der Pri­vat­ver­käu­fe an­ge­kur­belt wer­den.

Die Presse am Sonntag - - Kunstmarkt - VON EVA KOMAREK

Der An­blick ist be­ein­dru­ckend: Da ist das ed­le Ba­rock­schloss, die Par­k­land­schaft mit hoch­sprit­zen­der Fon­tä­ne und pit­to­res­ken Baum­grup­pen, und da­vor steht ein luf­tig leich­tes Ge­bil­de, das an Pil­ze er­in­nert. Ent­wor­fen wur­de „Li­las“von der Doy­enne der Ar­chi­tek­tur, Za­ha Ha­did. Es ist der Hö­he­punkt der dies­jäh­ri­gen Skulp­tu­ren­aus­stel­lung „Bey­ond Li­mits“, die Sothe­by’s je­des Jahr im Spät­som­mer in der Par­k­land­schaft von Chats­worth ver­an­stal­tet.

Das Al­te und das Neue wird kaum so har­mo­nisch ver­bun­den wie in Chats­worth, dem Sitz des zwölf­ten Her­zogs von De­vonshire. Das Schloss im mit­tel­eng­li­schen Peak District zählt zu den schöns­ten Groß­bri­tan­ni­ens und dient oft als Ku­lis­se für His­to­ri­en­fil­me mit nost­al­gi­schem Blick in die bri­ti­sche Welt des Adels. Zum elf­ten Mal bie­tet es aber auch die Büh­ne für ei­ne Ver­kaufs­aus­stel­lung von mo­der­nen und zeit­ge­nös­si­schen Skulp­tu­ren (von 10. Sep­tem­ber bis 30. Ok­to­ber). Im weit­läu­fi­gen Park mit ma­ni­kür­tem Ra­sen und prä­zi­se ge­schnit­te­nen Buchs­bäu­men, Tei­chen und ei­nem Fel­sen­gar­ten kor­re­spon­die­ren die Skulp­tu­ren mit der Na­tur. Ku­ra­tiert wur­de die Ausstellung vom Sothe­by’s-Ex­per­ten Si­mon Stock. Oh­ne Kauf­preis. „Li­las“wur­de von Ha­did 2007 an­läss­lich des drei­ßig­jäh­ri­gen Ju­bi­lä­ums der Ser­pen­ti­ne Gal­le­ry in Lon­don ent­wor­fen und dien­te als Lo­ca­ti­on für die of­fi­zi­el­le Som­mer­par­ty. Ha­did sprang da­mals kurz­fris­tig für Olaf­ur Eli­as­son und Kje­til Thor­sen ein, de­ren Pro­jekt sich zeit­lich ver­zö­ger­te. „Li­las“wur­de an ei­nen pri­va­ten Samm­ler ver­kauft, der sich nun im Rah­men die­ser Ver­kaufs­aus­stel­lung da­von trennt. Da sämt­li­che Aus­stel­lungs­ob­jek­te auf Ba­sis von Pri­vat­ver­käu­fen an­ge­bo­ten wer­den, ver­öf­fent­licht Sothe­by’s den Kauf­preis nicht. Es ist aber da­von aus­zu­ge­hen, dass der Preis über 500.000 Pfund lie­gen dürf­te. Laut „The Guar­di­an“wur­de je­den­falls der Ser­pen­ti­ne Gal­le­ry Pa­vi­li­on von Sou Fu­ji­mo­to 2013 um die­se Sum­me ver­kauft, und Hau­ser & Wirth er­stan­den 2014 den Pa­vi­li­on von Smil­jan Ra­dic´ für 450.000 Pfund.

Zu den wei­te­ren Hö­he­punk­ten der Ausstellung zählt si­cher­lich Bru­ce Mun­ros In­stal­la­ti­on „Ti­me And Again“. Mun­ro hat 108 Was­ser­li­li­en aus gra­vier­tem Edel­stahl in den Schloss­teich ge­setzt, die auf der Was­ser­ober­flä­che trei­ben. Es gibt drei Sets von Was­ser­li­li­en, die die Ver­gan­gen­heit, Ge­gen­wart und Zu­kunft re­prä­sen­tie­ren. Die Ar­beit wur­de spe­zi­ell für den Ca­nal Pond in Chats­worth kre­iert. Die ers­ten ech­ten Was­ser­li­li­en wur­den 1837 von ei­ner Rei­se nach Bri­tisch-Gua­ya­na mit­ge­bracht und im Chats­worth-Teich an­ge­pflanzt. Eben­falls mit Edel­stahl ar­bei­tet Cris­ti­na Igle­si­as, ei­ne der der­zeit meist­be­ach­te­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­le­rin­nen Spa­ni­ens. „Ha­bita­ci­on´ Ve­ge­tal XV“spielt mit Spie­ge­lun­gen, die beim Be­trach­ter ei­ne de­for­mier­te Land­schaft und da­mit Ver­zer­rung der Rea­li­tät er­zeu­gen.

Auch Ös­ter­reich ist in Chats­worth ver­tre­ten, mit „Der Gurk“von Er­win Wurm. Die Gur­ke ist, wie der Na­me schon sagt, ein über­di­men­sio­na­les Es­sig­gur­kerl in Bron­ze und eben­falls 2016 ent­stan­den. Apro­pos Es­sen: Jo­a­na Vas­con­ce­los, die 2013 Por­tu­gal bei der Ve­ne­dig-Bi­en­na­le ver­trat und im Jahr zu­vor mit ei­ner Ausstellung im Schloss von Ver­sailles für Fu­ro­re sorg­te, stell­te ih­ren „Fruit Ca­ke“aus der „Tre­ats“-Se­rie in den Park. Ih­re mo­nu­men­ta­len und iro­ni­schen Wer­ke be­han­deln oft Fra­gen kul­tu­rel­ler und rol­len­spe­zi­fi­scher Iden­ti­tät.

Dun­kel, schwer und bi­zarr wie­der­um greift die St­ein­skulp­tur „Tai­chi Arch“des Tai­wa­ne­sen Ju Ming im Grün des Parks Raum. Der Künst­ler lern­te in den 1970ern Tai-Chi, um sei­ne phy­si­sche wie men­ta­le Stär­ke zu ent­wi­ckeln. Die­se al­te chi­ne­si­sche Kampf­kunst in­spi­rier­te ihn zu ei­ner Skulp­tu­r­en­se­rie, die 2000 ent­stan­den ist und jetzt zum Ver­kauf steht. 317 Pri­vat­mu­se­en welt­weit. Au­ßen­skulp­tu­ren sind ge­fragt, und Sothe­by’s kann mit der all­jähr­li­chen Ver­kaufs­aus­stel­lung in Eu­ro­pa nicht nur sei­ne Po­tenz als Di­rekt­händ­ler in der Kon­kur­renz mit den Ga­le­ri­en de­mons­trie­ren, son­dern auch für die Au­ßen­skulp­tur über­haupt wer­ben. Denn drei­di­men­sio­na­le Kunst kommt im Dia­log mit ih­rer Um­ge­bung erst rich­tig zur Ent­fal­tung. Wa­ren frü­her mo­nu­men­ta­le Skulp­tu­ren mehr oder we­ni­ger den Mu­se­en vor­be­hal­ten, tre­ten heu­te auch im­mer mehr Pri­vat­samm­ler auf den Plan. Ei­ner­seits sind Skulp­tu­ren­gär­ten en vo­gue – be­son­ders in den USA. An­de­rer­seits leis­ten sich im­mer mehr Pri­vat­samm­ler ein Mu­se­um. Die Kunst­markt-Re­se­arch-Platt­form Lar­ry’s List hat 2015 die ers­te Stu­die über Pri­vat-

„Bey­ond Li­mits“

ist die jähr­li­che ku­ra­tier­te Skulp­tu­ren­aus­stel­lung, die Sothe­by’s im Schloss­park von Chats­worth ver­an­stal­tet. Ku­ra­tor der Schau ist Sothe­by’s-Ex­per­te Si­mon Stock. „Bey­ond Li­mits“wur­de ges­tern er­öff­net und läuft noch bis 30. Ok­to­ber. Von 23. bis 25. Sep­tem­ber fin­det par­al­lel das Kul­tur­fes­ti­val Art out Loud statt, das von Schloss Chats­worth or­ga­ni­siert wird. mu­se­en er­stellt. Dem­nach gibt es heu­te welt­weit 317 pri­vat fi­nan­zier­te In­sti­tu­tio­nen für zeit­ge­nös­si­sche Kunst. Da­von wur­den 70 Pro­zent erst nach der Jahr­tau­send­wen­de und rund ein Fünf­tel da­von erst in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ge­grün­det. Das zeigt, dass die Be­deu­tung die­ser Pri­vat­in­sti­tu­tio­nen für den Kunst­markt stark zu­ge­nom­men hat. Denn vie­le die­ser Mu­se­en ste­hen am An­fang und bau­en die Samm­lun­gen erst auf. Die­se Ent­wick­lung spie­gelt sich auch auf dem Auk­ti­ons­markt wi-

Za­ha Ha­did ent­warf den »Li­las Pa­vi­li­on« ur­sprüng­lich 2007 für die Ser­pen­ti­ne Gal­le­ry. Die teu­ers­ten Skulp­tu­ren ha­ben in­zwi­schen die Mar­ke von 100 Mio. Dol­lar ge­knackt.

der, auf dem die Prei­se für gro­ße Skulp­tu­ren stark ge­stie­gen sind, wie Al­ber­to Gi­a­co­met­tis Bron­ze „L’Hom­me au doigt“mit ei­nem Re­kord­preis von 141,2 Mil­lio­nen Dol­lar zeigt, er­zielt im Vor­jahr bei Chris­tie’s. 2014 wur­den für Gi­a­co­met­tis „Cha­ri­ot“bei Sothe­by’s 101 Mil­lio­nen Dol­lar be­wil­ligt, für Ame­deo Mo­diglia­nis „Te­te“70,7 Mil­lio­nen Dol­lar. Ne­ben Gi­a­co­met­ti und Mo­diglia­ni ge­hö­ren Wer­ke von Jeff Koons, Hen­ri Ma­tis­se und Con­stan­tin Bran­cuˆ­si¸ zu den teu­ers­ten der Welt.

Sothe­by’s

Za­ha Ha­dids „Li­las“fügt sich per­fekt in die Um­ge­bung von Chats­worth Park.

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