Die Rol­le der Prä­si­den­ten

Es ist mehr als ein Ne­ben­job – an die 600 Ak­ten ha­ben die drei Prä­si­den­ten des Na­tio­nal­rats in Ver­tre­tung des Bun­des­prä­si­den­ten schon un­ter­schrie­ben. Ei­nig wa­ren sich sich da­bei nicht im­mer – es kam auch schon zu Kampf­ab­stim­mun­gen.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON MAR­TIN FRITZL

Der Platz in der Hof­burg bleibt bis auf Wei­te­res ver­waist. Län­ger als ge­plant, ver­mut­lich bis Jän­ner, muss das Land oh­ne Bun­des­prä­si­den­ten aus­kom­men. Und bis da­hin müs­sen die Prä­si­den­ten des Na­tio­nal­rats – Do­ris Bu­res (SPÖ), Karl­heinz Kopf (ÖVP) und Nor­bert Ho­fer (FPÖ) – die Auf­ga­ben des Staats­ober­haupts im Ne­ben­job mit er­le­di­gen, so wie das in der Ver­fas­sung vor­ge­se­hen ist.

Ei­nen Teil der Auf­ga­ben je­den­falls. Gleich zu Be­ginn hat sich das Na­tio­nal­rats­prä­si­di­um dar­auf ver­stän­digt, auf Re­prä­sen­ta­ti­ons­auf­trit­te zu ver­zich­ten und nur die ge­setz­lich zwin­gen­den Auf­ga­ben zu über­neh­men. Kei­ne Staats­be­su­che al­so, kei­ne Er­öff­nungs­re­den, kei­ne An­spra­chen an die Na­ti­on. Aber auch so bleibt ge­nug zu tun für die drei Po­li­ti­ker. Denn der Bun­des­prä­si­dent hat ei­ne öf­fent­lich weit­ge­hend un­be­ach­te­te, aber nicht un­we­sent­li­che Rol­le im bü­ro­kra­ti­schen Ablauf. Ge­set­ze und Staats­ver­trä­ge müs­sen un­ter­schrie­ben wer­den, die Er­nen­nung von Spit­zen­be­am­ten wan­dert über den Schreib­tisch des Prä­si­den­ten, und er hat über Begna­di­gun­gen zu ent­schei­den. Und es gibt auch Ku­rio­ses: Der Bun­des­prä­si­dent muss den Ur­laub des Ver­fas­sungs­ge­richts­hof-Prä­si­den­ten ge­neh­mi­gen.

Die Mit­ar­bei­ter in der Prä­si­dent­schafts­kanz­ler be­trei­ben un­ter­des­sen Bu­si­ness as usu­al: Ak­ten wer­den vor­be­rei­tet und auf elek­tro­ni­schem Weg ins Par­la­ment wei­ter­ge­lei­tet. Dort wer­den sie von al­len drei Prä­si­den­ten ge­le­sen. Da­nach er­folgt ei­ne elek­tro­ni­sche Ab­stim­mung, bei der die Mehr­heit ent­schei­det – sprich: Zu­min­dest zwei müs­sen zu­stim­men. Die for­ma­le Un­ter­schrift leis­tet dann Do­ris Bu­res in ih­rer Funk­ti­on als Ers­te Prä­si­den­tin.

Das Ver­hält­nis un­ter den drei Prä­si­den­ten wird als ami­kal be­schrie­ben, was aber nicht be­deu­tet, dass sie im­mer ei­ner Mei­nung sein müs­sen. Es gab auch schon Fäl­le, die nicht ein­stim­mig ent­schie­den wur­den. Ver­öf­fent­licht wird das Vo­tum aber nicht. Und auch die Prag-Rei­se von Nor­bert Ho­fer, bei der nicht klar war, in wel­cher Funk­ti­on die­ser den tsche­chi­schen Prä­si­den­ten, Mi­losˇ Ze­man traf, sorg­te für ei­ni­ge Ver­stim­mung. Bu­res wies öf­fent­lich dar­auf hin, dass Ho­fer nicht als Par­la­ments­prä­si­dent un­ter­wegs war, und bat den frei­heit­li­chen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten brief­lich um mehr Sen­si­bi­li­tät. Selbst­kon­trol­le. An die 600 Un­ter­schrif­ten hat Bu­res bis­her ge­leis­tet. Da­mit han­delt es sich um al­les an­de­re, als ei­ne Auf­ga­be, die ein­fach so ne­ben­bei er­le­digt wer­den könn­te, heißt es aus dem Bü­ro von Do­ris Bu­res. Denn na­tür­lich ge­he es nicht dar­um, ein­fach zu un­ter­zeich­nen, es müss­ten schon auch die Ak­ten da­zu stu­diert wer­den.

25 Ge­set­ze wur­den bis­her un­ter­schrie­ben, wo­bei die­se Auf­ga­be ei­ni­ger­ma­ßen ku­ri­os ist: Die Par­la­ments­prä­si­den­tin be­ur­kun­det da­mit, dass das Par­la­ment (und da­mit auch de­ren Prä­si­den­ten) ge­set­zes­kon­form vor­ge- gan­gen ist. Was die ei­gent­lich da­mit vor­ge­se­he­ne Kon­trol­le ad ab­sur­dum führt. Wei­ters wur­de ein Staats­ver­trag un­ter­zeich­net, näm­lich das Kli­ma­schutz­ab­kom­men von Pa­ris. 40 Straf­tä­ter durf­ten sich über Gna­den­ak­te freu­en, wo­bei es da nicht nur um vor­zei­ti­ge Ent­las­sun­gen geht, son­dern auch um die Strei­chung aus dem Vor­stra­fen­re­gis­ter. Und fünf Bot­schaf­ter wer­den An­fang Ok­to­ber ih­re Er­nen­nungs­ur­kun­de er­hal­ten.

Re­prä­sen­ta­ti­ons­auf­ga­ben woll­ten die Na­tio­nal­rats­prä­si­den­ten zwar kei­ne über­neh­men – in der Pra­xis fal­len der­ar­ti­ge Auf­trit­te aber trotz­dem an: Da es kei­nen Bun­des­prä­si­den­ten gibt, wird eben die Na­tio­nal­rats­prä­si­den­tin ver­mehrt ge­be­ten, die­se Auf­ga­ben zu über­neh­men. So hat Do­ris Bu­res in die­sem Som­mer die Er­öff­nungs­re­de bei den Salz­bur­ger und den Bre­gen­zer Fest­spie­len ge­hal­ten und das pa­ra­olym­pi­sche Team ver­ab­schie­det.

Der Bun­des­prä­si­dent ge­neh­migt den Ur­laub des VfGH-Prä­si­den­ten.

APA

Nor­bert Ho­fer, Do­ris Bu­res und Karl­heinz Kopf ver­tre­ten ge­mein­sam den Bun­des­prä­si­den­ten.

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