Die lin­ke Ach­se ge­gen das »Spar­dik­ta

Kanz­ler Kerns Kri­tik an der Aus­te­ri­täts­po­li­tik er­in­nert an die Hal­tung vie­ler Re­gie­run­gen in Sü

Die Presse am Sonntag - - Inland -

Wenn sich Chris­ti­an Kern über die EUSpar­po­li­tik be­schwert, wir­ken sei­ne Wor­te wie ein Echo der Kla­gen lin­ker Kol­le­gen aus dem Sü­den: Frank­reichs so­zia­lis­ti­scher Staats­chef, Fran­cois¸ Hol­lan­de, will durch mehr Aus­ga­ben die Wirt­schaft an­kur­beln, und Ita­li­ens en­er­ge­ti­scher links­de­mo­kra­ti­scher Pre­mier, Mat­teo Ren­zi, hat die At­ta­cken ge­gen das „teu­to­ni­sche EU-Spar­dik­tat“zu sei­nem Man­tra er­ho­ben. Wer die EU-Spar­po­li­tik haupt­ver­ant­wort­lich für die Mi­se­re da­heim macht, schwimmt im kri­sen­ge­schüt­tel­ten Sü­den seit Be­ginn der Fi­nanz­kri­se im Mei­nungs-Main­stream.

Nun ha­ben Ren­zi und Hol­lan­de für sich so ei­ne Art eu­ro­päi­sche Füh­rungs­rol­le er­fun­den: In At­hen prä­sen­tier­ten sich die bei­den un­längst als Ga­li­ons­fi­gu­ren ei­ner sparkri­ti­schen Club-Me­dFront. Sehr zum Miss­fal­len Ber­lins schick­ten al­le süd­eu­ro­päi­schen Staa­ten Ver­tre­ter zum Tref­fen. Be­son­ders glück­lich wirk­te in die­sem Kreis der po­li­tisch an­ge­schla­ge­ne Gast­ge­ber, Al­exis Tsi­pras, Grie­chen­lands Links­au­ßen-Pre­mier. Das eins­ti­ge En­fant ter­ri­b­le muss als Re­gie­rungs­chef sei­nes na­he­zu bank­rot­ten Lan­des ge­nau je­ne ver­hass­ten EU-Spar­vor­la­gen um­set­zen, de­nen er jah­re­lang den Krieg er­klärt hat. Als laut­star­kes Sprach­rohr der neu­en Ach­se ver­sucht Tsi­pras nun, sein lin­kes Image wie­der auf­zu­po­lie­ren. Als Platt­form nütz­te er auch den EU-Gip­fel in Bra­tis­la­va: Die EU brau­che ei­nen „Kurs­wech­sel“, sag­te er. Der Pre­mier will ein „so­zia­les Eu­ro­pa mit Wohl­stand für al­le“. Ren­zi und Hol­lan­de hat­ten ei­ge­ne „Wachs­tums­pro­gram­me“da­bei. Coo­ler Ren­zi. Haupt­adres­sat der An­tiAus­te­ri­tät-Of­fen­si­ve ist wohl das hei­mi­sche Pu­bli­kum. Denn trotz Re­for­men lei­det Sü­d­eu­ro­pa wei­ter­hin an ho­her Ar­beits­lo­sig­keit und nied­ri­ger Pro­duk­ti­vi­tät. In At­hen, Rom und Pa­ris pro­tes­tie­ren Ge­werk­schaf­ten und Lin­ke ge­gen die Wirt­schafts­re­for­men der Re­gie­rung. Dar­über hin­aus ver­bin­det aber die Club-Med-Lin­ke we­nig. Hol­lan­de wird we­gen sei­nes Zick­zack­kur­ses zwi­schen eta­tis­ti­schem und wirt­schafts­na­hem Par­tei­flü­gel von al­len Sei­ten ge­prü­gelt. Tspi­ras hin­ge­gen ver­tritt – zu­min­dest theo­re­tisch – die Welt­sicht je­ner markt­kri­ti­schen Lin­ken, die Ren­zi „ver­schrot­ten“will.

Ren­zi sticht oh­ne­hin aus der Rei­he sei­ner süd­li­chen

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