Sma­ragd­rausch im Pinz­gau

Ei­ne Wan­de­rung, vor­bei an Schau­plät­zen al­ter Sa­gen, an Mur­mel­tie­ren und frei­lau­fen­den Schwei­nen bis zu ei­ner Mu­re vol­ler Edel­stei­ne: Der SmŻrŻg©weg im Ha­bach­tal im Na­tio­nal­park Ho­he Tau­ern.

Die Presse am Sonntag - - Wien - VON CHRIS­TI­NE IMLINGER

St­ein­reich wer­de man sein, wenn man von die­ser Wan­de­rung zu­rück­kehrt. Gut, das ist ein Ver­spre­chen, für das man die­se klei­ne Wan­de­rung im Pinz­gau­er Ha­bach­tal gern auf sich nimmt. Im­mer­hin ist das Ha­bach­tal der ein­zi­ge Ort mit ei­nem re­le­van­ten Sma­ragd­vor­kom­men in Mit­tel­eu­ro­pa, über­haupt gilt es als die mi­ne­ral­reichs­te Re­gi­on der Ost­al­pen. Und spa­ziert man mit orts­kun­di­ger Be­glei­tung den Sma­ragd­wan­der­weg ent­lang, dann hört man schnell die schö­nen Ge­schich­ten und Le­gen­den, die sich um die grü­nen Edel­stei­ne ran­ken. Zum Bei­spiel vom Stern vom Ha­bach­tal, ei­nem Sma­ragd von 180 Ka­rat, der in den 1950erJah­ren dort ge­fun­den wor­den ist und der ei­nen re­gel­rech­ten Sma­ragd­rausch aus­ge­löst hat. Bis zur Grün­dung des Na­tio­nal­parks soll es dort wie im Wil- den Wes­ten zu­ge­gan­gen sein, als Sma­ragd­su­cher aus al­ler Welt mit Kram­pen, Schau­feln und so­gar Feu­er­wehr­schläu­chen das Erd­reich um­ge­ar­bei­tet ha­ben. Heu­te sind da­von nur noch die Ge­schich­ten üb­rig. Heu­te darf man nur mehr in ei­ner Mu­re am En­de des We­ges selbst Sma­rag­de aus dem leh­mi­gen Bo­den wa­schen, rund zwei St­un­den spa­ziert man bis dort­hin ei­nen Wan­der­weg ent­lang. Die­ser star­tet gleich nach dem Ha­bach­talPark­platz in Bram­berg und führt am stäu­ben­den Ha­bach ent­lang. Die Wan­de­rung führt an di­ver­sen The­men- und Lehr­pfad-Sta­tio­nen vor­bei, an ei­nem Was­ser­spiel­platz, an ei­nem Klet­ter­baum oder Sta­tio­nen zu den Sa­gen der Ge­gend. Zum Bei­spiel von den Ve­ne­di­ger­mandln, den klei­nen Berg­ko­bol­den, die man über­all dort fin­den soll, wo im Berg ein Schatz ver­bor­gen liegt. Mur­mel­tier, Schwein un© Esel. Wei­ter schlän­gelt sich der Weg nach der Ha­bach­brü­cke durch ein Ge­biet mit spru­deln­den Quel­len. Über ei­nen Steg auf ei­nen gro­ßen St­ein­block kann man dem wil­den Berg­bach zu­schau­en, da­nach geht es wei­ter zur nächs­ten Sta­ti­on, an der, auf Knopf­druck, die Sa­ge von der Fa­zen­wand er­zählt wird. Bald, an­ge­kom­men im Alm­ge­biet, sind schon die Hüt­ten in Sicht – aber zu­vor las­sen sich noch uner­schro­cke­ne Mur­mel­tie­re be­ob­ach­ten, frei­laufen­de Schwei­ne kom­men ei­nem im Ga­lopp ent­ge­gen, und auf ei­ner Wei­de ste­hen Esel mit ih­rem Nach­wuchs.

Wie schön! Aber ei­gent­lich wä­ren wir we­gen der St­ei­ne hier. Kurz nach dem Gast­haus Al­pen­ro­se (dort kann man das nö­ti­ge Werk­zeug aus­bor­gen), am En­de des Sma­ragd­wegs, be­fin­det sich al­so die Mu­re, in der die Su­che er­laubt ist. Im Sma­ragd­berg­werk darf nur mehr Fa­mi­lie St­ei­ner Sma­rag­de aus dem Stol­len ab­bau­en – sie hat die Rech­te dar­an seit fast 20 Jah­ren ge­pach­tet. Im na­hen Bram­berg ha­ben die St­ei­ners – no­men est omen – ei­ne be­ein­dru­cken­de Samm­lung an al­pi­nen Mi­ne­ra­li­en und Edel­stei­nen aus­ge­stellt. Alois St­ei­ner, 76, ist schließ­lich so et­was wie ein Ur­ge­stein un­ter den Pinz­gau­er „Sto­ak­lau­bern“.

Seit gut 70 Jah­ren su­che er nach Sma­rag­den, seit er als Fünf­jäh­ri­ger bei ei­ner Berg­tour mit sei­nem Va­ter den ers­ten Berg­kris­tall ge­fun­den ha­be, er­zählt er auf dem Weg zur Mu­re in Gum­mi­stie­feln, Kram­pen und Re­chen über der Schul­ter. Dort zeigt er dann, wie man rich­tig sucht. Er lei­tet den Fluss um, klemmt das Loch­blech ins Was­ser, schlägt Bro­cken leh­mi­ger Er­de – die­se sei am aus­sichts­reichs­ten – aus der Mu­re, um die St­ei­ne her­aus­zu­wa­schen. Reich Żn St­ei­nen, im­mer­hin. Wie­der und wie­der muss man dann St­ei­ne und Er­de am Blech aus­ein­an­der­rei­ben, auf der Su­che nach leuch­ten­dem Grün. „Da! Schau ge­nau!“Alois St­ei­ner sieht Sma­rag­de, die al­le an­de­ren über­se­hen. Klei­ne Bröck­chen, durch­schei­nend grün, „ein­deu­tig!“, sagt er nach dem Blick durch die Lu­pe. Jetzt fin­det man sie im Mi­nu­ten­takt, die klei­nen grü­nen St­ei­ne. Glaubt man. Al­les, was glänzt, wird auf­ge­ho­ben. Die dunk­len Grü­nen sind „nichts“, sagt ei­nem der St­ein­ken­ner nach­her. Der Rest? Ein paar Quar­ze und klei­ne Bröck­chen Py­rit, das Nar­ren­gold. Und, im­mer­hin, zwei, drei, klei­ne Sma­rag­de. St­ein­reich? Na­ja, da ent­täuscht ei­nen der Blick auf die Prei­se der klei­nen St­ein­chen, die im Gast­haus Al­pen­ro­se de­nen ver­kauft wer­den, die selbst nichts fin­den. Aber reich an St­ei­nen, ja, im­mer­hin.

Chris­ti­ne Imlinger

Sma­ragd­schür­fen mit Blick auf die Glet­scher: Wer Ge­duld und gu­te Au­gen mit­bringt, wird klei­ne Sma­rag­de oder zu­min­dest Py­rit, das Nar­ren­gold, fin­den.

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