Platzt die gi­gan­ti­sche Staats­an­lei­hen­bla­se?

Vie­le An­lei­he­ren­di­ten ha­ben über­ra­schend ins Plus ge­dreht, das sorgt für Ner­vo­si­tät an den Märk­ten.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - JU

Wäh­rend An­le­ger noch stau­nen, dass in der ver­gan­ge­nen Wo­che auch erst­mals gro­ße Un­ter­neh­men ne­ga­tiv ren­tie­ren­de An­lei­hen auf dem Markt plat­zie­ren konn­ten, be­gin­nen die Ren­di­ten auf dem Staats­an­lei­hen­sek­tor über­ra­schend in die an­de­re Rich­tung zu lau­fen. Seit ziem­lich ge­nau ei­ner Wo­che ist es hier mit der Pra­xis, dass man fürs Schul­den­ma­chen auch noch Geld be­kommt, vor­bei. Der Kurs des deut­schen Bund-Fu­ture sack­te am vor­wö­chi­gen Don­ners­tag so stark ab, dass die deut­sche An­lei­hen­ren­di­te erst­mals seit vie­len Mo­na­ten im po­si­ti­ven Be­reich stand. Und dort hält sie sich nun schon sie­ben Han­dels­ta­ge.

Das Gan­ze ist aber kein deut­sches Phä­no­men. Die Ren­di­ten zei­gen welt­weit stark auf­wärts. Auch bri­ti­sche, ja­pa­ni­sche und ame­ri­ka­ni­sche Staats­an­lei­hen ha­ben stark an­ge­zo­gen. Selbst die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen Schwei­zer Re­fe­renz­an­lei­he liegt nicht mehr so tief im Mi­nus wie noch vor ei­ner Wo­che.

In den letz­ten bei­den Ta­gen der ab­ge­lau­fe­nen Wo­che hat sich die La­ge zwar ein we­nig ent­spannt. Aber der Markt re­agiert doch sehr ner­vös. Die Fra­ge ist, ob es sich um ein kurz­fris­ti­ges Ele­ment der Ve­r­un­si­che­rung han­delt oder ob der Markt hier die Zins­wen­de aus­zu­bil­den be­ginnt.

Tat­säch­lich wird die hef­ti­ge Re­ak­ti­on auf den An­lei­he­märk­ten mit den von den No­ten­ban­ken aus­ge­sen­de­ten Si­gna­len in Ver­bin­dung ge­bracht. So ha­ben sich in den USA zu­letzt Aus­sa­gen ge­häuft, die den schon mehr­mals auf­ge­scho­be­nen nächs­ten Zins­schritt der Fe­deral Re­ser­ve (ei­ne Leit­zins­an­he­bung um wahr­schein­lich 0,25 Pro­zent) schon für die nächs­te Fed-Sit­zung am kom­men­den Mitt­woch er­war­ten. Be­feu­ert wur­den die­se Über­le­gun­gen noch da­durch, dass die EZB die er­war­te­te Ver­län­ge­rung ih­res Staats­an­lei­hen­auf­kauf­pro­gramms bei der letz­ten Sit­zung nicht be­schlos­sen hat.

Es gibt frei­lich auch nicht we­ni­ge Markt­be­ob­ach­ter, die mei­nen, dass die Fed ih­ren Leit­zins auch in der kom­men­den Sit­zung nicht hoch­be­kom­men wird und dass die EZB die Ver­län­ge­rung ih­res QE-Pro­gramms nur auf­ge­scho­ben hat. Was die Zins­wen­de gleich wie­der be­en­den wür­de.

Dass am An­lei­he­markt trotz­dem so gro­ße Ner­vo­si­tät herrscht, hat da­mit zu tun, dass die An­lei­he­kur­se der­zeit auf his­to­ri­schen Höchst­stän­den sind. Vie­le re­den von der größ­ten Spe­ku­la­ti­ons­bla­se al­ler Zei­ten. Platzt die­se we­gen ei­ner plötz­li­chen, schar­fen Zins­wen­de, dann dro­hen den Fi­nanz­märk­ten sehr erns­te Tur­bu­len­zen. Nicht nur bei An­lei­hen.

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