Der Kampf ums Hand­ge­lenk

Bei den We­ara­bles ist die Gold­grä­ber­stim­mung der Re­si­gna­ti­on ge­wi­chen. Nur noch App­le und Samsung sind üb­rig. Der Rest der Bran­che be­gibt sich in die Be­ob­ach­ter­po­si­ti­on.

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON BAR­BA­RA GRECH

Wie spät ist es ei­gent­lich?“, fragt ein äl­te­rer Herr in der U-Bahn sein deut­lich jün­ge­res Ge­gen­über. Und die­ser zückt sein Smart­pho­ne. Uhr trägt er kei­ne, wie durch ei­nen Blick auf sei­ne lee­ren Hand­ge­len­ke schnell zu er­ken­nen ist. Die Ju­gend von heu­te ver­zich­tet meist auf ti­cken­den Arm­schmuck. Das Smart­pho­ne wur­de zum Er­satz für vie­le Ge­rä­te und ist im­mer da­bei.

Und das, ob­wohl Her­stel­ler seit Jah­ren ver­su­chen, den Kun­den We­ara­bles, al­so trag­ba­re Tech­no­lo­gie, schmack­haft zu ma­chen. Da der Er­folg bis­lang aus­ge­blie­ben ist, ist es nicht über­ra­schend, dass gro­ße Smart­watch-An­kün­di­gun­gen auch auf der dies­jäh­ri­gen In­ter­na­tio­na­len Funk­aus­stel­lung (IFA) in Berlin aus­ge­blie­ben sind. Le­dig­lich Samsung hat zwei Mo­del­le prä­sen­tiert. LG hielt sich be­deckt, auch Hua­wei und So­ny hat­ten kei­ne Smart­wat­ches im Ge­päck. Hoff­nung weicht Re­si­gna­ti­on. Bei den We­ara­bles hofft die Bran­che, wie auch schon die Jah­re zu­vor, auf grö­ße­re Nach­fra­ge, oh­ne da­bei in gro­ße Ent­wick­lun­gen in­ves­tie­ren zu wol­len. Die trag­ba­ren Klein­ge­rä­te wie Smart­wat­ches und Fit­ness­arm­bän­der konn­ten sich bei den Nut­zern nicht durch­set­zen.

Der größ­te Kri­tik­punkt ist nach wie vor die Ak­ku­lauf­zeit. Die meis­ten Ge­rä­te müs­sen – trotz ge­gen­tei­li­ger Ver­spre­chen – täg­lich an die Steck­do­se. Und so lang kein Her­stel­ler die­se Schwach­stel­le be­he­ben kann, nüt­zen auch Herz­fre­quenz­mes­ser, Ul­tra­schall­sen­so­ren und Te­le­fon­funk­ti­on nicht, um Kun­den zu ei­nem Kauf zu be­we­gen.

Statt an den be­kann­ten Pro­ble­men zu ar­bei­ten, scheint – zu­min­dest in der An­dro­id-Welt – Re­si­gna­ti­on Ein­kehr zu hal­ten. 2016 soll das Port­fo­lio oh­ne Smart­wat­ches aus­kom­men. Ehe­ma­li­ge Vor­rei­ter ver­zich­ten dar­auf, neue Mo­del­le auf den Markt zu brin­gen. Dar­un­ter auch Mo­to­ro­la. Das Un­ter­neh­men, das seit 2014 zu Le­no­vo ge­hört, wird vor­erst kei­ne Neu­hei­ten in die­sem Be- reich prä­sen­tie­ren. Ein Un­ter­neh­mens­spre­cher er­klär­te, dass das Un­ter­neh­men ab­war­ten wol­le. Und auch Hua­wei und LG wol­len war­ten. Wor­auf, wis­sen die Her­stel­ler selbst nicht ge­nau.

Googles neu­es­te Ver­si­on des Be­triebs­sys­tems An­dro­id We­ar soll noch 2016 vor­ge­stellt wer­den. Her­stel­ler, die Uh­ren da­mit auf den Markt brin­gen wer­den, muss der Such­ma­schi­nen­kon­zern aber erst fin­den. Auf Samsung braucht Goog­le nicht zu set­zen. Die Ko­rea­ner ha­ben mit Ti­zen von Be­ginn an auf ein ei­ge­nes Be­triebs­sys­tem ge­setzt und Goog­le den Rü­cken ge­kehrt. App­le räumt das Feld von hin­ten auf. Das ka­li­for­ni­sche Un­ter­neh­men ist re­la­tiv spät in das holp­ri­ge We­ara­blesT­rei­ben ein­ge­stie­gen. Doch für App­le scheint sich das War­ten ge­lohnt zu ha­ben. Num­mer eins auf dem Smart- pho­ne-Markt und im Uh­ren­seg­ment di­rekt hin­ter Ro­lex – zu­min­dest laut App­le. Ein­zi­ge ernst zu neh­men­de Kon­kur­renz scheint noch Samsung. Im Ge­gen­satz zur Ge­ar S3 er­füllt die App­le Watch Se­ries 2 eher äs­the­ti­sche so­wie funk­tio­na­le An­sprü­che der Nut­zer.

Die App­le-Uhr bie­tet ei­nen Unis­exLook. Die Ge­ar S3 hin­ge­gen wirkt auf ei­nem zier­li­chen Frau­en­hand­ge­lenk, als hät­te Da­vid aus dem Al­ten Tes­ta­men Go­li­aths Uhr an­ge­legt. Frau­en hät­ten ge­rin­ge­res In­ter­es­se an Smart­wat­ches – im Ge­gen­satz zu Män­nern, lau­te­te Samsungs Er­klä­rung für das De­sign. App­les Stra­te­gie, bei­de Ge­schlech­ter an­zu­spre­chen und in­di­vi­du­el­le An­sprü­che über das Zu­be­hör zu be­die­nen, er­wies sich beim iPho­ne schon als Er­folgs­ga­rant. An­schei­nend muss App­le, wie schon in der Ver­gan­gen­heit, dem Markt den nö­ti­gen Schubs ge­ben.

Reu­ters

An­dro­id-Her­stel­ler ver­pas­sen ih­re Chan­ce.

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