»Wir brau­chen drin­gend Hel­den«

In An­toi­ne Fu­quas Re­make von »Die glor­rei­chen Sie­ben« führt Den­zel Wa­shing­ton ei­ne bun­te Trup­pe to­des­mu­ti­ger Out­laws in den Kampf um Ge­rech­tig­keit. Wie ak­tu­ell das The­ma ist, er­läu­tert er im In­ter­view.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON KURT ZECH­NER UND GINI BREN­NER

Sie­ben auf ei­nen Streich. In Aki­ra Ku­ro­sa­was „Die sie­ben Sa­mu­rai“ret­te­te To­shiro¯ Mi­fu­ne 1954 mit ei­nem Hau­fen Möch­te­gern-Sa­mu­rai ein mit­tel­al­ter­li­ches ja­pa­ni­sches Dorf vor ei­nem Ban­di­ten. In John Stur­ges’ „Die glor­rei­chen Sie­ben“(1960) wa­ren Yul Bryn­ner, Ste­ve McQueen, Charles Bron­son, Horst Buch­holz u. a. an der Rei­he, ein me­xi­ka­ni­sches Nest vom Ty­ran­nen zu be­frei­en.

In An­toi­ne Fu­quas Neu­ver­fil­mung sind nun u. a. Den­zel Wa­shing­ton, Chris Pratt und Et­han Haw­ke im Wil­den Wes­ten ak­tiv: Dies­mal ist es ein er­pres­se­ri­scher, blut­rüns­ti­ger Ge­schäfts­mann, der mit un­zu­rei­chen­den Mit­teln, aber größ­tem Ein­satz zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wer­den soll. Und wie­der er­weist sich Den­zel Wa­shing­ton, auch mit mitt­ler­wei­le 61 Jah­ren, als „der Coo­le in al­len Le­bens­la­gen“: ein Held, wie ihn die Welt brau­chen könn­te – nur lei­der, wie er selbst sagt, funk­tio­niert das im Le­ben nicht so ein­fach wie im Ki­no. Die Er­war­tun­gen an Re­gis­seur An­toi­ne Fu­qua wa­ren groß: Wie kann es ge­lin­gen, ein Re­make ei­nes der­ar­ti­gen Klas­si­kers zu ma­chen? Den­zel Wa­shing­ton: Das hat sich John Stur­ges si­cher auch ge­dacht, als er da­mals Aki­ra Ku­ro­sa­was „Die sie­ben Sa­mu­rai“neu ver­filmt hat. Fu­qua hat ja auch ge­sagt, dass er sich eher von Ku­ro­sa­was Ver­si­on als von Stur­ges’ „Die glor­rei­chen Sie­ben“hat in­spi­rie­ren las­sen. Wel­cher von bei­den Fil­men war für Sie per­sön­lich prä­gen­der? De­fi­ni­tiv „Die sie­ben Sa­mu­rai“. Den ken­ne ich sehr, sehr gut. „Die glor­rei­chen Sie­ben“hin­ge­gen ha­be ich erst vor Kur­zem zum ers­ten Mal in vol­ler Län­ge ge­se­hen. Im Ge­gen­satz zu An­toi­ne Fu­qua bin ich nicht mit Wes­tern auf­ge­wach­sen, das war in mei­ner Fa­mi­lie ein­fach nicht üb­lich. Es wä­re ja so­wie­so nie­mand im Bild ge­we­sen, mit dem wir uns ir­gend­wie hät­ten iden­ti­fi­zie­ren kön­nen, al­so gab es kei­nen Grund für mich, mir die­sen Film an­zu­schau­en. Ich glau­be je­den­falls, un­se­re Ver­si­on zeigt viel au­gen­schein­li­cher, wie es im so­ge­nann­ten Wil­den Wes­ten da­mals wirk­lich zu­ge­gan­gen ist. Und was macht ihn für uns heu­te re­le­vant? War­um hat ihn Fu­qua ge­nau jetzt ge­macht? Ich den­ke, vie­le der Zu­stän­de, die in die­sem Film dar­ge­stellt wer­den, funk­tio­nie­ren heu­te noch nach ge­nau den­sel­ben Prin­zi­pi­en. Ganz deut­lich sah

Den­zel Wa­shing­ton

wur­de 1954 in New York ge­bo­ren. Er ist als Schau­spie­ler, Re­gis­seur und Pro­du­zent tä­tig. Wa­shing­ton ist zwei­fa­cher Os­car­preis­trä­ger. 1990 er­hielt er für sei­ne Rol­le in dem Film „Glo­ry“sei­nen ers­ten Os­car, der zwei­te folg­te 2002 mit „Trai­ning Day“. Wa­shing­ton ist in zahl­rei­chen US-Fil­men zu se­hen, u. a. „Mal­colm X“, „Die Ak­te“, „Viel Lärm um Nichts“, „Phil­adel­phia“, „Ame­ri­can Gangs­ter“oder „Flight“. ich das heu­te wie­der in ei­nem Be­richt über den Kon­go: Die Men­schen dort wer­den von mul­ti­na­tio­na­len Groß­kon­zer­nen bru­tal aus­ge­beu­tet, das Trink­was­ser ist ver­seucht, sie wür­den dort drin­gend ein paar Hel­den brau­chen. Un­glück­li­cher­wei­se funk­tio­niert das im ech­ten Le­ben nicht so ein­fach wie im Film. Und, ge­nau­er be­trach­tet, ha­ben sich die Zu­stän­de seit da­mals im Wil­den Wes­ten durch­aus ver­än­dert – sie sind schlim­mer ge­wor­den. An­toi­ne Fu­quas Sie­be­ner-Ban­de ist, im Ge­gen­satz zu den bei­den frü­he­ren Ver­sio­nen, eth­nisch sehr di­vers auf­ge­stellt: Es gibt ei­nen Me­xi­ka­ner, ei­nen Schwar­zen, ei­nen Asia­ten, ei­nen Co­man­che – und das wird nicht the­ma­ti­siert, es ist ganz nor­mal. Und ge­nau so soll­te es sein, des­halb will ich das hier auch nicht dis­ku­tie­ren. Aber ist es nicht ver­rückt? Da­mals wa­ren ja nicht nur Wei­ße, son­dern zahl­rei­che Volks­grup­pen be­tei­ligt am Auf­bau der USA – und jetzt hat es sich der viel­leicht zu­künf­ti­ge US-Prä­si­dent auf die Fah­nen geschrieben, ei­ne Mau­er zwi­schen den USA und Me­xi­ko zu zie­hen. Ja, es ist schreck­lich: Ge­nau dann, wenn wir so vie­le Mög­lich­kei­ten ha­ben, nach vorn zu ge­hen, be­we­gen wir uns rück­wärts. Des­halb müs­sen wir aber auch ak­tiv ver­su­chen, nicht rück­wärts, son­dern vor­wärts zu schau­en: Die jün­ge­ren Ge­ne­ra­tio­nen küm­mern sich ei­nen Dreck um Ras­sen­schran­ken, für sie ist Mul­ti-Eth­ni­zi­tät längst Rea­li­tät und nichts, wor­über man groß dis­ku­tie­ren muss. Das ha­be ich un­ter an­de­rem von mei­nem Film­part­ner Chris Pratt ge­lernt, mit dem ich mich viel un­ter­hal­ten ha­be, und der mir vie­le Sicht­wei­sen von jun­gen Leu­ten na­he­ge­bracht hat. Wir Al­ten müs­sen end­lich auf­ho­len, auf das Le­vel, auf dem die Jun­gen längst sind. Und des­halb geht es in un­se­rer Ge­schich­te auch nicht um Schwar­ze, Me­xi­ka­ner und Wei­ße, son­dern es geht um Men­schen, die be­reit sind, ihr Le­ben da­für zu ge­ben, um an­de­ren zu hel­fen. Lei­der wer­den sol­che Men­schen im­mer noch ge­braucht. Über­all auf der Welt gibt es Un­ter­drü­ckung. Und auch des­halb gibt es das Ki­no: um uns Freu­de, aber auch Hoff­nung zu ge­ben.

AFP

heu­te noch nach ge­nau wer­den, funk­tio­nie­ren die­sem Film dar­ge­stellt „Vie­le Zu­stän­de, die in über „Die glor­rei­chen Sie­ben“. sagt Den­zel Wa­shing­ton den­sel­ben Prin­zi­pi­en“,

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