Li­ve im Na­men der Re­pu­blik

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - AWE

Rich­ter ha­ben wah­re Macht. Ein­mal be­stellt, ge­nie­ßen sie nicht nur Kün­di­gungs­schutz, son­dern be­fin­den täg­lich auf Ba­sis von Ge­set­zen über Wohl und We­he von Exis­ten­zen. Da­bei bleibt ih­nen ei­ne ge­hö­ri­ge Por­ti­on In­ter­pre­ta­ti­ons­spiel­raum.

Die Idee von Jus­tiz­mi­nis­ter Wolf­gang Brand­stet­ter, Ur­teils­ver­kün­dun­gen und de­ren Be­grün­dung künf­tig li­ve – in wel­cher Form auch im­mer – zu über­tra­gen, hat ei­ne fai­re De­bat­te ver­dient. Ihr Po­ten­zi­al geht näm­lich weit über das Ri­si­ko hin­aus, le­dig­lich als Förderprogramm für sen­sa­ti­ons­hung­ri­ges Bou­le­vard-TV zu die­nen. In ihr schlum­mert ein ech­ter Trans­pa­renz-Tur­bo.

Ge­setz­ge­bung und Exe­ku­ti­ve ge­hen seit Jah­ren bei ech­ten und ver­meint­li­chen Fehl­leis­tun­gen durch öf­fent­li­che Stahl­bä­der. Das ist gut so, denn bei­de tra­gen Ver­ant­wor­tung ge­gen­über dem Sou­ve­rän. Wer je­doch öf­fent­lich Ur­tei­le von Ge­rich­ten an­zwei­felt, setzt sich dem Vor­wurf der Ma­jes­täts­be­lei­di­gung aus. War­um ei­gent­lich?

Rich­ter fäl­len ih­re ei­ge­nen Ent­schei­dun­gen stets im Na­men Drit­ter („Im Na­men der Re­pu­blik“). Es ist ih­nen zu­mut­bar, dass das Land da­bei zu­sieht.

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