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Die Presse am Sonntag - - Leben -

Ab­fall.

Rund 760.000 Ton­nen Le­bens­mit­tel wer­den laut WWF in Ös­ter­reich ent­lang der Wert­schöp­fungs­ket­te jähr­lich weg­ge­wor­fen. Die Hälf­te da­von wä­re po­ten­zi­ell ver­meid­bar.

Ess­bar.

Da­von fin­den sich al­lein im Mist hei­mi­scher Haus­hal­te 157.000 Ton­nen Le­bens­mit­tel­res­te – ein gro­ßer Teil ist noch ori­gi­nal­ver­packt oder nur teil­wei­se ver­braucht. Res­sour­ce. Nicht je­des ver­schwen­de­te Stück be­las­tet die Um­welt gleich stark. In ei­nem Ki­lo Rind­fleisch ste­cken zum Bei­spiel auch zwi­schen sechs und 16 Ki­lo Fut­ter­mit­tel und da­mit laut der ame­ri­ka­ni­schen Or­ga­ni­sa­ti­on Wa­ter Food­print Net­work bis zu 15.000 Li­ter Was­ser. Kunst­stoff. 163.501 Ton­nen an Leicht­ver­pa­ckun­gen hat das ARA-Sys­tem (Alt­stoff Re­cy­cling Aus­tria) 2015 im Müll der Ös­ter­rei­cher er­fasst. Das ent­spricht ei­nem Schnitt von 17,2 Ki­lo­gramm pro Kopf. hat, ist es nicht mehr so schwer.“Die ös­ter­rei­chi­sche Up­cy­cling-De­si­gne­rin und In­no­va­ti­ons­ma­na­ge­rin Clo­ed Baum­gart­ner zieht seit 1998 mit ih­rem La­bel Milch Frau­en al­te Her­ren­an­zü­ge an und be­schäf­tigt sich un­ter der Vor­aus­set­zung von Nach­hal­tig­keit und Res­sour­cen­scho­nung mit vie­len an­de­ren Pro­jek­ten (Mo­de­pa­last, Top Swap, Lieb­lings­brand). Sie fasst die Ze­roWas­te-Ziel­grup­pe ganz prag­ma­tisch zu­sam­men: „Frau­en den­ken ein­fach wei­ter, so viel ist si­cher.“

Was der Sze­ne ih­rer Mei­nung nach feh­le sind we­ni­ger Ak­teu­re als viel­mehr Platz. „Räu­me sind kost­bar“, be­tont Baum­gart­ner, „sie sind die Ba­sis, sich zu ent­wi­ckeln und aus­zu­tau­schen, dann kann Neu­es ent­ste­hen. Kon­sum­freie Räu­me, die nie­der­schwel­lig zur Ver­fü­gung ste­hen, feh­len aber weit­ge­hend in Wi­en.“Ze­ro Was­te Aus­tria stellt den Ak­teu­ren da­her auch di­gi­ta­len Raum zur Ver­fü­gung. 30-Se­kun­den-Obst­sa­ckerl. Was dar­über hin­aus fehlt, ist ei­ne po­li­ti­sche Ener­gie­wen­de. An­de­re Län­der rei­ten vor­aus. Und da­bei muss man nicht ein­mal nach Ka­li­for­ni­en stie­ren. Frank­reich will ab 2020 den Ver­kauf von Ein- weg-Plas­tik-Uten­si­li­en wie Be­steck, Ge­schirr und Be­cher ver­bie­ten, Plas­tik­sa­ckerl wur­den be­reits ver­bannt. Dar­auf stellt man sich in Ös­ter­reich auch lang­sam um. Ei­ne EU-Richt­li­nie, die den Ver­brauch von Plas­tik­ta­schen min­dern und da­mit den Le­bens­raum der Mee­re schüt­zen will, ist 2015 vom Eu­ro­pa­par­la­ment an­ge­nom­men wor­den. Für EU-Län­der be­deu­tet das ei­ne ver­pflich­ten­de Re­duk­ti­on der Sa­ckerln bis En­de 2019 so­wie das En­de der kos­ten­lo­sen Ab­ga­be bis En­de 2018. Ver­schwin­den muss dann auch das 30-Se­kun­den-Ge­brauchs-Obst­sa­ckerl für die Bi­oäp­fel. An die­ser Stel­le kann man vi­el­leicht an die alt-aku­te Lei­er er­in­nern, dass ein Gros der ein­ge­setz­ten PET-Kunst­stof­fe in et­wa 450 Jah­re be­nö­ti­gen, bis sie in kleins­te Par­ti­kel zer­rie­ben sind, die dann teil­wei­se über Fi­sche und an­de­re Tie­re in un­se­re Nah­rungs­ket­te zu­rück­keh­ren – nur eben nicht als Ver­pa­ckung.

Ja, der Su­per­markt ist ein we­sent­li­ches The­ma der Ze­ro-Was­te-Be­we­gung. Und zu­min­dest der Städ­ter muss hier krea­tiv wer­den. Wenn man nicht wie Pat­ter­mann ei­nen gut sor­tier­ten Greiß­ler ums Eck hat, wird man sich meis­tens im klas­si­schen Le­bens­mit­tel­ein­zel­han­del ums Eck ver­sor­gen. Und dort „grei­fen wir im­mer leich­ter zu den Zi­tro­nen im Netz, als zu den ein­zel­nen“. Ne­ben der Faul­heit sei et­was an­de­res aus­schlag­ge­bend. „Wir wur­den von der Ge­sell­schaft so er­zo­gen, bes­ser mehr zu neh­men als zu we­nig.“

Was uns beim Ein­kau­fen wirk­lich fehlt, ist mehr Lust auf Ver­zicht.

Al­les oder nichts? Den An­spruch auf ein ab­so­lu­tes Ze­ro-Was­te-Le­ben, wie es Bea John­son führt, hat Pat­ter­mann trotz­dem nicht. „Das Al­les-oder-nichtsP­rin­zip liegt mir nicht. Ich set­ze lang­sam und nach­hal­tig in mei­nem Le­ben Ze­ro Was­te um.“Die Be­we­gung ist für sie die Fort­set­zung der 1980er-Bio-La­den-Schlap­fen-Re­vo­lu­ti­on. „Ze­ro Was­te passt zu un­se­rer Zeit: Man hat ei­nen Lifestyle und muss nicht auf viel ver­zich­ten. Du kannst trotz­dem ei­nen Cof­fee to go trin­ken, nimmst aber dei­nen ei­ge­nen wie­der­be­füll­ba­ren Be­cher mit. Du kannst net­tes Ge­wand tra­gen, schaust aber, ob du es Se­cond Hand be­kommst. Man muss sich auch nicht je­den Wunsch so­fort er­fül­len.“Da­bei zeigt sie auf ih­re Le­der­ta­sche, die ha­be sie sich sehr, sehr lang ge­wünscht, be­vor das pas­sen­de Gro­ßevent kam.

Bei der Er­näh­rung hat He­le­ne Pat­ter­mann schon al­le Lü­cken ge­stopft. „Dank mei­ner zwei Hüh­ner im Gar­ten kann ich be­haup­ten, dass ich zu Hau­se gar kei­ne Le­bens­mit­tel ver­schwen­de. Al­les, was wirk­lich nicht mehr ge­ges­sen wird, be­kom­men die Tie­re.“Für sich und ih­re bei­den Töch­ter kau­fe sie seit vie­len Jah­ren auch kei­ne neue Mo­de, son­dern aus­schließ­lich Se­cond Hand. Zwei Wo­chen zog sie Ze­ro Was­te auch schon oh­ne Aus­nah­men als Ex­pe­ri­ment durch. „Es hat die ent­spre­chen­den Vor­tei­le ge­bracht, al­so dass man sich zum Bei­spiel die

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