Auf den Ge­nuss­spu­ren des Weins

Die Presse am Sonntag - - Essen Und Trinken -

Die ver­gan­ge­nen Spät­som­mer­ta­ge sorg­ten für vie­le zu­frie­de­ne Win­zer­ge­sich­ter: Denn die war­men Son­nen­ta­ge brach­ten in den Wein­gär­ten noch­mals ei­nen Rei­fe­schub für die Trau­ben, die be­reits küh­len Näch­te sorg­ten für ei­ne tol­le Aro­men­aus­bil­dung. Und vie­ler­orts ist die Wein­ern­te voll im Gang. Wo­bei die Vor­bo­ten des neu­en Jahr­gangs be­reits von vie­len Wein­freun­den ge­stürmt wer­den. Von Nie­der­ös­ter­reich über Wi­en bis ins Bur­gen­land ist die Sturm­zeit an­ge­bro­chen. Ein Sturm: nicht mehr Trau­ben­most, noch nicht Wein – son­dern der jun­ge, noch in Gä­rung be­find­li­che tr­ü­be Wein, der noch wild ist, den­noch mit sei­ner fruch­ti­gen und oft pri­ckeln­den Fri­sche so ver­füh­re­risch schmeckt. Üb­ri­gens: „Sturm“darf nur hei­ßen, was aus­schließ­lich aus Trau­ben pro­du­ziert wur­de, die in Ös­ter­reich ge­ern­tet und ver­ar­bei­tet wur­den. In den stei­ri­schen Wein­bau­ge­bie­ten pas­sen fürs per­fek­te stür­mi­sche Glück oft noch ein paar ge­bra­te­ne Ma­ro­ni da­zu. In Nie­der­ös­ter­reich und Wi­en kre­denzt man gern ei­ne Heu­ri­gen­jau­se und im Bur­gen­land führt nichts am Gan­serl vor­bei – auch schon vor Mar­ti­ni.

Zahl­rei­che Wein-Events

Das al­les gibt es jetzt reich­lich. In den kom­men­den Wo­chen lo­cken in al­len Wein­bau­ge­bie­ten vie­le Ge­nuss­ver­an­stal­tun­gen. Das Kul­tur­gut Wein ist da­bei schon längst zum Tou­ris­mus­ma­gnet ge­wor­den und sorgt für ho­he Wert­schöp­fung. Die nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Wein­und Tou­ris­mus­wirt­schaft lädt be­reits zu ih­rem 21. Wein­herbst, der groß als fünf­te Jah­res­zeit ge­fei­ert wird. Im größ­ten Wein­bun­des­land Ös­ter­reichs fin­den in den acht Wein­bau­ge­bie­ten bis zum Jah­res­en­de rund 600 Wein-Events statt – vie­le of­fe­ne Kel­ler­tü­ren, Kel­ler­gas­sen­fes­te, Wein­wan­de­run­gen und mit­ten­drin na­tür­lich vie­le Wein­ver­kos­tun­gen. Be­son­ders das Wein­vier­tel, in dem prak­tisch je­der zwei­te Wein­stock des Bun­des­lan­des steht, hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu ei­ner wah­ren Wein­ge­nuss­hoch­burg ge­mau­sert. Im wei­ten Wein­land zwi­schen Retz und Bi­sam­berg, wo man zwar nicht mehr al­lein auf wei­ter Flur ist, kann man auf den Spu­ren des Velt­li­ners noch im­mer auf Über­ra­schen­des sto­ßen und viel für sich ent­de­cken. Die hüb­schen Kel­ler­gas­sen, die man in Nie­der­ös­ter­rich fin­det, mit den Kel­lern und Press­häu­sern, die man in den wei­chen Löss ge­gra­ben hat, stam­men zum Groß­teil aus dem 19. Jahr­hun­dert, die äl­tes­ten Kel­ler­gas­sen ent­stan­den be­reits En­de des 18. Jahr­hun­derts – und ei­ne der al­le­räl­tes­ten be­fin­det sich nicht im Wein­vier­tel, son­dern in Roh­ren­dorf bei Krems.

Gol­de­ner Herbst

Im Wein-Bur­gen­land wie­der­um ist im gol­de­nen Herbst vie­les auf den Lan­des­hei­li­gen Mar­tin aus­ge­legt. Der Schutz­pa­tron der Bur­gen­län­der wird am 11. No­vem­ber ge­fei­ert, und an die­sem Tag wird auch of­fi­zi­ell der jun­ge Wein ge­tauft. Ein­her geht da­mit das Brauch­tum des Mar­ti­ni­lo­bens. Frü­her gin­gen rund um den 11. No­vem­ber die Winzer von Kel­ler zu Kel­ler, um die jun­gen Wei­ne erst­mals zu ver­kos­ten. Und das hat sich bis heu­te ge­hal­ten – nur dass heu­te die Winzer nicht mehr wan­dern, son­dern am Mar­ti­ni-Wo­che­n­en­de ih­re Kel­ler für die zahl­rei­chen Wein­fans öff­nen. Vor al­lem in den Wein­bau­ge­bie­ten rund um den Neu­sied­ler­see ist das Mar­ti­ni­lo­ben ein fröh­lich ge­pfleg­ter Brauch. Das Mar­ti­ni­gansl darf da­bei na­tür­lich nicht feh­len – und steht schon Wo­chen vor Mar­ti­ni auf den Spei­se­kar­ten der Gast­häu­ser. Und was trinkt man da­zu? Klas­sisch vor Mar­ti­ni den Sturm, ab Mar­ti­ni den Jung­wein. Doch so eng darf man das nicht se­hen.

Kräf­ti­ge Wei­ne

Denn der Herbst ist nicht nur Jung­wein­zeit, son­dern auch die Zeit, in der vie­ler­orts die Winzer ih­re kräf­ti­gen wei­ßen Re­ser­ve-Wei­ne und auch ih­re ge­reif­ten ge­halt­vol­len Rot­wei­ne aus den Kel­lern ho­len. Und die­se Wei­ne schme­cken na­tür­lich sen­sa­tio­nell zu ei­nem Gansl. Aber nicht nur im Bur­gen­land, son­dern auch in al­len an­de­ren Wein­bau­ge­bie­ten. Ok­to­ber und No­vem­ber sind auch in der Stei­er­mark die gol­de­ne Zeit. Was mit Trau­ben­most und Kas­ta­ni­en be­ginnt, geht in die­sen Wo­chen in der Süd­stei­er­mark, im Vul­kan­land und im Schil­cher­land in vie­le Wein­fes­te über. Die küh­len, oft ne­bel­ver­han­ge­nen Ta­ge sor­gen in der pit­to­res­ken Land­schaft für ei­ne un­glaub­lich ver­zau­bern­de Stim­mung. Wer das schon ein­mal ge­macht hat – bei ei­nem Sau­vi­gnon Blanc, Weiß­bur­gun­der oder Schil­cher die Bli­cke über die Hü­gel hat schwei­fen las­sen und da­zu Kas­ta­ni­en, Kür­bis- und Kä­fer­boh­nen­Sch­man­kerln ge­nos­sen hat - den lässt so et­was nicht mehr los.

FO­TO: ÖWM/KO­MI­TEE KAMPTAL

Im Herbst la­den in vie­len Wein­bau­ge­bie­ten Ös­ter­reichs Wein­fes­te ein, den neu­en Wein ken­nen­zu­ler­nen.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.