DIE HER­REN DER RIN­GE

Die Presse am Sonntag - - Werkstatt -

1881

grün­de­te Jo­hann No­wot­ny ei­ne klei­ne Werk­statt für Kin­de­rohr­ge­hän­ge.

Um 1910

nah­men sei­ne Söh­ne Gold­schmie­de­ar­bei­ten al­ler Art an. Mit der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on kam der Fo­kus auf die Trau­rin­ge.

Heu­te

wird das Un­ter­neh­men in 4. und 5. Ge­ne­ra­ti­on von Va­ter Fried­rich Ru­esch und Toch­ter Cor­ne­lia Gru­berRu­esch ge­führt.

Rund 50 Mit­ar­bei­ter,

dar­un­ter Edel­stein­fas­ser, Po­li­teu­re und Gold­schmie­de, ar­bei­ten in der Ma­nu­fak­tur im 23. Be­zirk.

Ju­we­lie­re

in Ös­ter­reich und 15 eu­ro­päi­schen Län­dern be­lie­fert das Un­ter­neh­men heu­te. 50 Pro­zent des Um­sat­zes wer­den mitt­ler­wei­le im Ex­port ge­macht. Scherz. Aber in ei­nem Wohn­ge­biet im­mer wie­der Stra­ßen­sper­ren für Lie­fe­run­gen zu er­rich­ten – man kön­ne sich vor­stel­len, wie be­liebt der Be­trieb bei den An­rai­nern war.

Doch zu­rück zur heu­ti­gen Pro­duk­ti­on im Geb­wer­be­ge­biet, wo der nächs­te Nach­bar weit ent­fernt ist: „32.000 Eu­ro se­hen Sie auf die­sem Schau­ferl“, sagt Ber­nard Zieg­ler, wäh­rend ein Mit­ar­bei­ter die Le­gie­rung in den Schmelz­ofen füllt. Von Gold spre­che in die­sem Zu­sam­men­hang nur der Laie. Der Ex­per­te nennt es Le­gie­rung. Und er weiß, wel­che Mi­schung aus Rot-, Weiß- oder Gelb­gold sie in wel­chem Ver­hält­nis zu Sil­ber, Kup­fer oder Pal­la­di­um ent­hält. Oder dass die 585 Tei­le Fein­gold in der Mas­se für die han­dels­üb­li­chen 14 Ka­rat Gold ste­hen. Für das Lai­en­au­ge sieht das, was den Ofen ver­lässt, schlicht wie lan­ge me­tal- le­ne Taglia­tel­le aus. Aus die­sen wer­den die Ringroh­lin­ge ge­fer­tigt. „Ei­nen Roh­ling wür­den sie acht­los auf der Stra­ße lie­gen las­sen“, sagt Zieg­ler. Er hat nicht un­recht. Matt und un­schein­bar liegt die er­kal­te­te, in run­de Form ge­press­te Le­gie­rung in sei­ner Hand. Wie gol­de­ne Zu­cker­wat­te. Um­so ma­gi­scher wirkt die an­schlie­ßen­de Ver­wand­lung, so­bald der Ring mit den Frä­se- und Schleif­ge­rä­ten be­han­delt wird. Wie gol­de­ne Zu­cker­wat­te sprü­hen die weg­ge­ras­pel­ten Spä­ne un­ter dem Druck in al­le Rich­tun­gen da­von. Der er­strahl­te Ring wird im An­schluss mit Edel­stei­nen be­stückt, po­liert und mit Gra­vu­ren ver­se­hen. Dann muss er noch die End­kon­trol­le pas­sie­ren. Erst wenn der al­ler­letz­te Ring des Ta­ges dort durch­ge­winkt wur­de, sind al­le Mit­ar­bei­ter ent­las­sen. Da­vor braucht

Akos Burg

Im ers­ten Schritt wird die Gold­le­gie­rung ge­schmol­zen. Viel spä­ter im Pro­zess set­zen die Edel­stein­fas­ser die kost­ba­ren St­ei­ne ein.

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