Aben­teu­er Dis­zi­pli­nen­wech­sel

Wenn Pro­fis die Sport­art wech­seln: Der ehe­ma­li­ge NFL-Quar­ter­back Tim Te­bow sucht neu­es Glück im Base­ball, Schwim­mer Flo­rent Ma­n­au­dou die Selbst­be­sin­nung im Hand­ball.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON SENTA WINTNER

Vor ei­ni­gen Mo­na­ten hat Chris­ti­an Fuchs ver­ra­ten, von ei­nem NFL-En­ga­ge­ment als Ki­cker nach der Fuß­ball­kar­rie­re zu träu­men. Da­mit wür­de der ExTeam­ka­pi­tän den Spu­ren von To­ni Fritsch fol­gen, der nach sei­nen Ra­pi­dJah­ren auf An­hieb mit den Dal­las Cow­boys den Super Bowl (1971) ge­wann. Ob Ski­renn­fah­rer Luc Al­phand, der bei der Ral­lye Da­kar sieg­te, Ex-Fuß­bal­ler Ga­b­ri­el Ba­tis­tu­ta, der auch den ar­gen­ti­ni­schen Meis­ter­ti­tel im Po­lo auf der Vi­si­ten­kar­te ste­hen hat, oder we­ni­ger er­folg­rei­che Bei­spie­le wie der halb­jäh­ri­ge Base­ball-Auf­tritt von NBA-Star Micha­el Jor­dan oder der tür­ki­sche Fuß­bal­ler Il­han Man­siz als Eis­kunst­läu­fer – im­mer wie­der wa­gen Sport­ler das Aben­teu­er Dis­zi­pli­nen­wech­sel.

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen wur­de die­se Lis­te um zwei pro­mi­nen­te Na­men län­ger: Tim Te­bow, einst ge­fei­er­ter NFL-Quar­ter­back, un­ter­zeich­ne­te ei­nen Ver­trag beim Base­ball-Klub New York Mets, die­se Wo­che ver­kün­de­te der fran­zö­si­sche Schwim­mer Flo­rent Ma­n­au­dou, sich im Hand­ball ver­su­chen zu wol­len. Wäh­rend Te­bow, 2007 als bes­ter Col­le­ge-Foot­bal­ler mit der Heis­man-Tro­phy aus­ge­zeich­net, nach ei­nem Jahr oh­ne Klub sei­nen Um­stieg über Mo­na­te me­di­en­wirk­sam in­sze­nier­te, kam die Ent­schei­dung bei Ma­n­au­dou völ­lig über­ra­schend und in der Blü­te­zeit sei­ner Kar­rie­re. Neu­start nach Rio-Sil­ber. Erst im Au­gust hat­te Ma­n­au­dou bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio die Ti­tel­ver­tei­di­gung über 50 Me­ter Frei­stil um nur ei­ne Hun­derts­tel­se­kun­de ver­passt, am Di­ens­tag er­klär­te er dann auf sei­ner Face­book-Sei­te, ei­ne Aus­zeit vom Schwim­men zu neh­men. „Ich möch­te mir je­ne Freu­de er­hal­ten, die mich die ver­gan­ge­nen Jah­re an­ge­trie­ben hat“, schrieb der 25-Jäh- ri­ge und be­stä­tig­te sei­ne Hand­ball­am­bi­tio­nen. „Mein Ziel ist es, auch hier mein Bes­tes zu ge­ben und ei­ne an­de­re Form von Spaß zu fin­den.“

Be­reits in sei­ner Ju­gend hat­te Ma­n­au­dou Hand­ball ge­spielt, folg­te aber dem Bei­spiel sei­ner äl­te­ren Schwes­ter Lau­re und ent­schied sich für das Be­cken. Mit vier­mal WM-Gold und drei Olym­pia-Me­dail­len stieg der fast zwei Me­ter gro­ße und knapp 100 kg schwe­re Ath­let in Frank­reich zum Na­tio­nal­hel­den auf, mach­te sich ne­ben­bei auch als Mo­del ei­nen Na­men. Viel­leicht lie­ßen in Rio ei­ne ge­wis­se Ent­täu­schung über Sil­ber und das leuch­ten­de Bei­spiel von Sie­ger Ant­ho­ny Er­vin, der zwi­schen­durch fast zehn Jah­ren pau­siert hat­te und nun als 35-Jäh­ri­ger sei­nen Tri­umph von Syd­ney 2000 wie­der­hol­te, die Ent­schei­dung rei­fen. In sei­ner Er­klä­rung ver­wies Ma­n­au­dou auf den gro­ßen Me­di­en­druck der ver­gan­ge­nen Jah­re und ei­ne Sät­ti­gung vom täg­li­chen Bah­nen­zie­hen. „Ich möch­te mir die Chan­ce zur Selbst­be­sin­nung ge­ben.“

Im Ge­gen­satz zu Te­bow, der En­de Au­gust vor 46 Scouts vor­spiel­te und schließ­lich von den Mets ei­nen Ver­trag über 100.000 Dol­lar für die un­te­ren Spiel­klas­sen er­hielt, trat Ma­n­au­dou an den fran­zö­si­schen Erst­li­gis­ten Aix-en­Pro­vence her­an. Dort hat im Som­mer auch Na­tio­nal­tor­hü­ter Tho­mas Bau­er an­ge­heu­ert, der prompt beim Vor­spie­len des Schwimm­stars mit­wirk­te. „Ich ha­be ihn nicht ge­kannt, nur ei­nen jun­gen Kerl, gut ge­baut mit brei­ten Schul­tern ge­se­hen“, be­rich­tet der 30-Jäh­ri­ge im Ge­spräch mit der „Pres­se am Sonn­tag“. „Dann ha­be ich mit­be­kom­men, dass er Schwim­mer ist und an ei­ne PRAk­ti­on ge­dacht. Er hat aber doch ein paar ziem­li­che Ra­ke­ten ab­ge­feu­ert.“

Die gan­ze Ge­schich­te da­hin­ter, die nicht nur in Frank­reich für Schlag­zei­len sorgt, hat Bau­er aus den Me­di­en er­fah­ren. Nicht al­le sind der Ak­ti­on wohl­ge­sinnt, so sprach Nan­tes-Trai­ner Thier­ry An­ti von ei­nem Mar­ke­ting­gag und ei­ner Re­spekt­lo­sig­keit ge­gen­über Hand­ball und emp­fahl Ma­n­au­dou, lie­ber Boule zu spie­len. Der Klub be­tont, dass es ein erns­tes An­sin­nen, wenn

Tim Te­bow

ge­bo­ren 1987, wur­de 2007 als bes­ter Col­le­ge-Foot­bal­ler aus­ge­zeich­net und gab 2010 sein NFLDe­büt für die Den­ver Bron­cos.

Ball statt Ei

Nach ei­nem Jahr oh­ne Klub gab Te­bow im Som­mer den Wech­sel zum Base­ball be­kannt und un­ter­schrieb An­fang Sep­tem­ber bei den New York Mets.

Flo­rent Ma­n­au­dou

ge­bo­ren 1990, schwamm zu vier­mal WM-Gold und drei Olym­pia-Me­dail­len. In Rio ver­pass­te er die Ti­tel­ver­tei­di­gung über 50 m Frei­stil knapp.

Aus­zeit vom Be­cken

Die­se Wo­che er­klär­te der Fran­zo­se, ei­ne Aus­zeit zu neh­men, und spiel­te beim Hand­ball­klub Aix-en­Pro­vence, dem Klub von ÖHB-Na­tio­nal­tor­hü­ter Tho­mas Bau­er, vor. auch mit of­fe­nem Aus­gang sei, und Bau­er sieht da­rin nichts Ver­werf­li­ches. „Na­tür­lich nimmt der Klub die Auf­merk­sam­keit gern. War­um soll­te man ihm nicht die Chan­ce ge­ben?“, meint der 117-fa­che ÖHB-Spie­ler, der Re­spekt für den mu­ti­gen Schritt zeigt. „Ich fin­de das irr­sin­nig geil, wenn ein Sport­ler für sich selbst sagt: ,Ich hab das Ma­xi­mum her­aus­ge­holt und pro­bier jetzt et­was an­de­res.‘“ Kraft­kam­mer statt Spiel. Noch hat Ma­n­au­dou, der sei­ne Schwimm­li­zenz vor­erst nicht ab­ge­ben wird, oh­ne­hin kei­nen Ver­trag er­hal­ten. Be­vor sich der 25-Jäh­ri­ge bei den Ju­nio­ren in der vier­ten Li­ga ver­su­chen darf, muss er in der Kraft­kam­mer schuf­ten. „Er ist groß und stark, kann sprin­gen und wer­fen, aber auf kei­nen Fall in kör­per­li­che Du­el­le ge­hen. Ein Ein­zel­sport im Was­ser und ein Voll­kon­takt­sport sind zwei ganz ver­schie­de­ne Sa­chen“, er­klärt Bau­er, der den­noch gu­te Vor­aus­set­zun­gen sieht. „Wenn man Olym­pia-Me­dail­len holt, dann bringt man ein ho­hes Maß an Dis­zi­plin und Mo­ti­va­ti­on mit und ist ge­wohnt, hart zu trai­nie­ren.“

Na­tio­nal­kee­per Tho­mas Bau­er er­leb­te Ma­n­au­dous Vor­spie­len: » Ein paar ziem­li­che Ra­ke­ten. « » Oh­ne Angst ist man frei «, be­tont Tim Te­bow. » Wenn ich schei­tern soll­te, sa­ge ich O. k. «

Be­reits ei­nen Schritt wei­ter ist Te­bow, der als ach­ter ehe­ma­li­ger NFLSpie­ler im Base­ball Fuß fas­sen könn­te. Von vie­len be­lä­chelt, darf er sich in der In­struc­tio­nal Le­ague, ei­ner Art In­ten­siv­trai­nings­la­ger emp­feh­len, und schaff­te gleich im ers­ten Test­spiel ei­nen Home­run. „Oh­ne Angst ist man frei, das zu ma­chen, was ei­nem im Le­ben et­was be­deu­tet“, be­ton­te der 29-Jäh­ri­ge. „Selbst wenn ich schei­tern soll­te, wenn das das Schlimms­te ist, was mir pas­siert, dann sa­ge ich O. k.“John Cop­po­lel­la, Ge­ne­ral Ma­na­ger der MLB, be­grüß­te Te­bows An­sin­nen je­den­falls. „Es ist ei­ne gu­te Sto­ry, und sie bringt Base­ball in die Me­di­en.“Ob es auch ei­ne Er­folgs­ge­schich­te wird, wird sich wei­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.