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Die Presse am Sonntag - - Lesenhören -

gna­li­siert der Bas­so con­ti­nuo die­ser ba­ro­cken Oper über tra­di­ti­ons­be­wuss­ten Jour­na­lis­mus, die Schnur­ren und An­ek­do­ten wie apar­te Ari­en dar­bie­tet.

Ja, die­ser Ro­man ist ein präch­ti­ger Re­dak­ti­ons­stu­ben-Ge­sang, man pfei­fe auf die Hand­lung. Höchs­tens se­kun­där! Auch muss man nicht un­be­dingt wis­sen, wer mit dem la­tei­ni­sche Sinn­sprü­che dich­ten­den Pa­tri­ar­chen ge­meint ist, dem die US-Be­sat­zung die Li­zenz zum Geld­dru­cken gab, in­dem sie ihm prak­tisch ein Mo­no­pol schenk­te. Es ge­nügt zu le­sen, dass er ein rich­ti­ger Herr mit ei­ner hys­te­ri­schen Ehe­frau war, der, wie­wohl macht­be­wusst, ganz am En­de erst be­merk­te, dass ei­ne neue Art von Ma­chern ihm die Zei­tung ent­wand, ihn groß­zü­gig ab­fand. Ein ech­ter Her­ren­rei­ter dürf­te auch in Frankfurt als Her­aus­ge­ber zu­gan­ge ge­we­sen sein, er be­fin­det sich hier eben­falls im Aus­stieg. Ger­hard Sta­del­mei­er „Um­bruch“Zsol­nay Ver­lag 222 Sei­ten 22,70 Eu­ro

Und die Chef­re­dak­teu­re? Dem eh­ren­wer­ten Herrn Sta­del­mai­er soll kei­ne Mord­lust un­ter­stellt wer­den, doch so­bald der jun­ge Mann im Ro­man ein Pres­se­ge­bäu­de be­tritt, ha­ben die Bos­se Pro­ble­me: Sui­zid mit­tels Mer­ce­des, Tod durch Stra­ßen­bahn oder – wir wol­len nicht al­les ver­ra­ten und, wie post­sta­del­mai­er­sche Ge­ne­ra­tio­nen sa­gen wür­den, kei­ne Spoi­ler sein. Das Schick­sal der obe­ren Eta­ge ist nicht we­sent­lich. In­ter­es­sant wird es, wenn der Au­tor hin­ab­steigt in die sinn­lich fass­ba­re Welt des Ge­druck­ten, wenn er den Le­ser ins Thea­ter mit­nimmt, zum Bei­spiel im Schlepp­tau ei­nes ab­dan­ken­den Kö­nigs der Zunft. Da er­kennt man die wah­re Lie­be zur Kunst, wie er sie einst als Kri­ti­ker in den schöns­ten Hym­nen auf die größ­ten Ins­ze­nie­run­gen der bes­ten Re­gis­seu­re an­stimm­te, na­tur­ge­mäß aus dem Par­kett, Rei­he 6, Mit­te.

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