Die Wucht der Ber­ge

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören -

Der Vor­arl­ber­ger Au­tor Ger­hard Jä­ger hat ei­nen wort­ge­wal­ti­gen Ro­man vor­ge­legt, der von kol­lek­ti­ver Schuld und dem har­ten Le­ben in den Ber­gen han­delt. Und der Lie­be, na­tür­lich.

Schon bei sei­ner An­kunft bläst ihm ei­ne hef­ti­ge Bö ins Ge­sicht, und der Ge­gen­wind, vor al­lem auch sym­bo­li­scher Art, wird ihn hier noch län­ger be­glei­ten. Max Schrei­ber, ein jun­ger His­to­ri­ker aus Wi­en, reist ins Ti­rol der 1950er, sein Ziel ein klei­nes Berg­dorf „hin­ge­duckt an die schüt­zen­den Hän­ge“, fern­ab der Zi­vi­li­sa­ti­on. Dort hat sich, hun­dert Jah­re ist es her, ei­ne Art He­xen­ver­bren­nung er­eig­net, der Schrei­ber auf den Grund ge­hen will.

Ein Frem­der aus der gro­ßen Stadt im klei­nen Dorf: Es ist kei­ne ganz neue The­ma­tik, die der Vor­arl­ber­ger Ger­hard Jä­ger auf­greift – er tut dies aber wort­ge­wal­tig, fast poe­tisch, und er­liegt nur sel­ten den Dor­fS­tadt-Kli­schees. Die ar­chai­sche Berg­welt, die Wucht, mit der die Na­tur die Men­schen trifft – bald schot­ten La­wi­nen das Dorf noch mehr vom Rest der Welt ab –, all das be­schreibt der Au­tor in­ten­siv und ein­drucks­voll. Da­zu­ge­hö­ren, nein, das wird der Wie­ner hier nie: „Schrei­ber be­griff, dass er nicht ei­ner von ih­nen war, es trenn­ten ihn sei­ne fei­nen Hän­de, sei­ne fei­nen Klei­der, sein sau­be­rer Haar­schnitt [. . .], sein Wie­ner Dia­lekt, es trenn­ten ihn sei­ne Ge­dan­ken, sei­ne Mei­nun­gen, sei­ne Ar­beit, es trenn­ten ihn Wel­ten von die­sen Men­schen.“Schnell, man ahnt es, kippt die Stim­mung – die Be­woh­ner ha­ben we­nig Freu­de mit dem Frem­den, der sich für ih­re dunk­le Ver­gan­gen­heit in­ter­es­siert und auch noch ein Au­ge auf ei­ne Be­woh­ne­rin wirft. Ei­ne gro­ße, düs­te­re Er­zäh­lung, viel­leicht ei­nen klei­nen Tick zu lang. mpm Ger­hard Jä­ger: „Der Schnee, das Feu­er, die Schuld und der Tod“, Bles­sing, 400 Sei­ten, 23,70 Eu­ro.

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