Was bei See­krank­heit hilft

Wem ãeim Se­gel­törn schlecht wir©: KŻu­tŻã­let­ten mit VitŻ­min C hel­fen. Oã ©Żs VitŻ­min Żuch ãei Üãel­keit nŻch ei­ner Ope­ra­ti­on wirkt, wir© jetzt ge­tes­tet.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA RICH­TER

Jah­re­lang ha­be ich un­ter der See­krank­heit ge­lit­ten, bei et­was hö­he­rem Wel­len­gang war mir dau­ernd schlecht“, be­rich­tet Ju­dit Leh­nin­ger, ei­ne be­geis­ter­te Seg­le­rin – trotz wie­der­keh­ren­der Übel­keit auf dem Was­ser. An­ti­hist­ami­ni­ka, die da­ge­gen hel­fen sol­len, woll­te Leh­nin­ger, von Haupt­be­ruf Anäs­the­sis­tin am Or­tho­pä­di­schen Spi­tal Wi­en Spei­sing, aber nie neh­men, „weil man da­von mü­de wird“. So fand sich die se­geln­de Me­di­zi­ne­rin mit ih­rem Schick­sal so gut es ging ab – bis sie den Arzt und Pro­fes­sor Rein­hart Ja­risch ken­nen­lern­te. Ja­risch, ei­ner der füh­ren­den All­er­go­lo­gen Ös­ter­reichs und stell­ver­tre­ten­der Lei­ter des Flo­rids­dor­fer All­er­gie­zen­trums, emp­fiehlt Vit­amin C ge­gen die See­krank­heit und zwar in Form von Kau­ta­blet­ten. Test mit deut­scher Ma­ri­ne. Sein „Ge­heim­re­zept“ba­siert auf wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen: Ja­risch hat mit der deut­schen Ma­ri­ne ei­ne Stu­die da­zu ge­macht, die 2014 im „Jour­nal of Ves­ti­bu­lar Re­se­arch“ver­öf­fent­licht wur­de. „70 Pro­ban­den muss­ten 20 Mi­nu­ten auf ei­ner Ret­tungs­in­sel in ei­nem rie­sen­gro­ßen Schwimm­be­cken, in dem ein Me­ter ho­he Wel­len er­zeugt wur­den, aus­hal­ten. Das ist ziem­lich bru­tal.“Die Hälf­te der Stu­di­en­teil­neh­mer er­hielt Vit­amin-C-Kau­ta­blet­ten, die an­de­ren 50 Pro­zent be­ka­men Pla­ce­bos, am nächs­ten Tag war es um­ge­kehrt. Die Stu­die zeig­te deut­lich ei­ne Über­le­gen­heit von Vit­amin C, das die Übel­keit re­la­tiv rasch lin­der­te. Al­ler­dings: Am zwei­ten Tag ging es al­len Pro­ban­den bes­ser, egal was sie nah­men. Ja­risch: „Das spricht für ei­nen Ge­wöh­nungs­ef­fekt, der tritt in der Re­gel am zwei­ten oder drit­ten Tag ein.“ Be­son­ders bei Frau­en und Kin­dern. Ju­dit Leh­nin­ger hat sich trotz mehr­fa­cher Se­gel­törns nicht an stür­mi­sche Wel­len ge­wöhnt. „Aber seit ich Vit­amin-C-Kau­ta­blet­ten lut­sche, ken­ne ich kei­ne Übel­keit mehr. Auch mei­nem Mann und mei­nem zehn­jäh­ri­gen Sohn hel­fen sie.“Bei Kin­dern und Frau­en wirkt Vit­amin C üb­ri­gens be­son­ders gut.

Wie Vit­amin C der Übel­keit auf dem Was­ser ent­ge­gen­wirkt? Da­zu vor­erst ein klei­ner Schwenk zur Ent­ste­hung der See­krank­heit: Un­ser Ge­hirn kann die Ein­drü­cke der Au­gen nicht mit der Be­we­gung des Kör­pers ver­ein­ba­ren. Die Au­gen se­hen ei­nen sta­ti­schen Raum (Ka­bi­ne, Spei­se­saal), der Kör­per je­doch fühlt die Be­we­gung auf dem Was­ser, das Gleich­ge­wichts­or­gan ist ir­ri­tiert. Die­se wi­der­sprüch­li­chen In­for­ma­tio­nen füh­ren zu Stress, His- tamin wird in grö­ße­ren Men­gen aus­ge­schüt­tet – mit ei­ne Ur­sa­che für die See­krank­heit, zu de­ren ers­ten Sym­pto­men Gäh­nen und Mü­dig­keit ge­hö­ren. Dann fol­gen un­ter an­de­rem Schweiß­aus­brü­che, Puls­an­stieg, Schwin­del, Übel­keit und Er­bre­chen. „Vit­amin C kann dies un­ter­bin­den, denn es baut Hist­amin ab“, weiß Ja­risch. Am bes­ten eig­nen sich da­für Kau­ta­blet­ten. „Denn Vit­amin C wirkt am schnells­ten, wenn es über die Mund­schleim­haut zu­ge­führt wird.“Vit­amin-C-Brau­se­pul­ver hel­fe auch, aber nicht so rasch und ef­fek­tiv.

Ein ähn­li­cher Mecha­nis­mus wie bei der See­krank­heit dürf­te da­hin­ter­ste­cken, wenn – was häu­fig vor­kommt – Kin­dern auf Rück­sit­zen im Au­to schlecht wird. Ja­risch: „Auch hier hel­fen Vit­amin-C-Kau­ta­blet­ten.“Und sie wir­ken auch dann noch, wenn ei­nem be­reits übel ist – zum Un­ter­schied von An­ti­hist­ami­ni­ka, die man St­un­den zu­vor ein­neh­men muss.

Wirkt das Vit­amin auch bei der Schwan­ger­schafts­übel­keit? Da­zu gibt es nur ei­ne sehr klei­ne Stu­die mit 19 Frau­en, die an der Fach­hoch­schu­le Wie­ner Neu­stadt durch­ge­führt wur­de. Das Er­geb­nis ist zwar be­ste­chend: Trotz Un­ter­do­sie­rung wirk­te Vit­amin C bei 13 von 19 Schwan­ge­ren, aber für die hand­fes­te Emp­feh­lung, wer­den­de Müt­ter soll­ten zu Vit­amin C grei­fen, war die Stu­die zu klein.

Grö­ßer ist ei­ne Stu­die am Or­tho­pä­di­schen Spi­tal Spei­sing an­ge­legt, durch die her­aus­ge­fun­den wer­den soll, ob Vit­amin C auch Übel­keit nach ei­ner Ope­ra­ti­on be­kämp­fen kann. „Ei­nes wis­sen wir heu­te schon“, sagt Anäs­the­sis­tin Leh­nin­ger: „Pa­ti­en­ten, die nach ei­ner Ope­ra­ti­on an Übel­keit und Er­bre­chen lei­den, wer­den größ­ten­teils auch see­krank.“Be­kannt ist fer­ner, dass ge­wis­se Me­di­ka­men­te, die bei der Ein­lei­tung ei­ner Ope­ra­ti­on ge­ge­ben wer­den, Hist­ami­ne frei­set­zen, „des­we­gen ist vie­len da­nach auch schlecht“.

Die Stu­die, an der 340 Pa­ti­en­ten teil­neh­men, ist eben an­ge­lau­fen, ein Drit­tel der Pro­ban­den er­hält Vit­amin C, ein wei­te­res Drit­tel Pla­ce­bo, der Rest An­ti­hist­ami­ni­ka. Aus­ge­schlos­sen wur­den rau­chen­de Män­ner, die noch nie an ei­ner See­krank­heit ge­lit­ten ha­ben. „Bei de­nen ist Übel­keit nach ei­nem chir­ur­gi­schen Ein­griff mehr oder we­ni­ger aus­zu­schlie­ßen.“Das Er­geb­nis der Stu­die wird in et­wa ei­nem Jahr vor­lie­gen. Be­kannt ist jetzt schon, dass Vit­amin C die Wund­hei­lung för­dert.

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