Mei­ne Haa­re, mei­ne Iden­ti­tät!

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - HOL­GER FLEISCHMANN

So­lan­ge: „Don’t Touch My Hair“. Es ist ein sanf­tes, aber be­stimm­tes Nein, mit dem So­lan­ge die­se ex­zel­len­te Funk-Bal­la­de er­öff­net: „Don’t touch my hair!“, singt sie mit wei­cher Stim­me zum ein­set­zen­den Herz­schlag-Beat und den zar­ten Syn­the­si­zerTup­fern. Ih­re Haa­re, die sie als Aus­druck ih­rer See­le und Iden­ti­tät fei­ert, sei­en ta­bu, in je­der Hin­sicht. „You know this hair is my shit“, singt sie, wenn sich der re­du­zier­te Puls nach gut ei­ner Mi­nu­te zum fes­seln­den Groo­ve ver­dich­tet. Das An­fas­sen der Haa­re schwar­zer Frau­en ver­ur­teilt sie als ras­sis­ti­schen Akt. Und wehrt sich glei­cher­ma­ßen ge­gen den Druck, sich an wei­ße Schön­heits­idea­le an­zu­pas­sen. Im an­schwel­len­den Fi­na­le schmiegt sich ih­re Stim­me an je­ne des Bri­ten Sam­pha. „What you say to me?“, fra­gen sie im­mer wie­der. Bis die Blä­ser ju­bi­lie­ren und der Pro­test in ih­ren Stim­men dem Stolz auf die ei­ge­ne Iden­ti­tät, die ei­ge­ne Kul­tur zu wei­chen scheint. Ein kraft­vol­les Ma­ni­fest.

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