FAK­TEN

Die Presse am Sonntag - - Leben -

ra­peut ver­bringt Eglau rund 20 St­un­den die Wo­che mit sei­nen Auf­ga­ben als Dia­kon. Freie Ta­ge hat er sel­ten. Be­reut hat er sein Da­sein als Geist­li­cher aber nie. Sechs Jah­re bis zum Dia­kon. „An Je­sus Chris­tus ha­be ich nie ge­zwei­felt, aber manch­mal ver­zweif­le ich et­was an der Ob­rig­keit in un­se­rer Hier­ar­chie“, sagt Eglau. „Wenn es et­wa um Per­so­nal­ent­schei­dun­gen geht, dann blei­ben manch­mal Men­schen auf der Stre­cke, die viel­leicht et­was un­be­que­mer als an­de­re sind.“Si­mo­ne Eglau, die mitt­ler­wei­le ge­müt­lich im So­fa lehnt, stimmt ihm kopf­ni­ckend zu.

Das Ehe­paar en­ga­giert sich auch seit fünf Jah­ren in der Dia­kon­aus­bil­dung, sie hal­ten Se­mi­na­re ab und lei­ten Selbst­er­fah­rungs­wo­chen. Ins­ge­samt dau­ert der Weg bis zum stän­di­gen Dia­kon sechs Jah­re. Vor­aus­set­zung ist ein theo­lo­gi­sches Stu­di­um oder ein Ab­schluss der diö­ze­sa­nen theo­lo­gi­schen Kur­se und ei­ne wei­ter­füh­ren­de Aus­bil­dung an ei­nem In­sti­tut für den Stän­di­gen Dia­ko­nat. „Die Män­ner in der Aus­bil­dung sind meist sehr ge­bil­det und en­ga­giert“, sagt Si­mo­ne Eglau. „Vie­le da­von sind auch sehr kri­tisch – und das gefällt eben nicht al­len.“Wenn man Din­ge zu hin­ter­fra­gen be­gin­ne, „dann ist man manch­mal mit Men­schen ganz oben in der Hier­ar­chie kon­fron­tiert, die das nicht tun oder nicht wol­len“, sagt ihr Mann. „Die im­mer recht ha­ben müs­sen – und aus.“

Die Eglaus wün­schen sich mehr Of­fen­heit in der Kir­che. Auch was das Amt des stän­di­gen Dia­kons be­trifft. Oh­ne die Zu­stim­mung der Ehe­frau kann ein ver­hei­ra­te­ter Mann zwar kei­ne Wei­he emp­fan­gen, der Zu­gang zum Amt selbst ist aber Frau­en nach wie vor ver­wehrt. „Ob­wohl ihn sich vie­le wün­schen wür­den“, sagt Si­mo­ne Eglau. Dass Frau­en sich nicht zum stän­di­gen Dia­kon wei­hen las­sen dür­fen, kön­ne Uwe Eglau theo­lo­gisch nicht nach­voll­zie­hen, sagt er. „Ich wür­de es als Be­rei­che­rung an­se­hen.“

Si­mo­ne Eglau füh­le sich selbst nicht da­zu be­ru­fen. „Aber das geist­li­che Amt mei­nes Man­nes hat un­ser Ehe­le­ben be­rei­chert.“Als sie das sagt, lä­chelt Uwe Eglau und streicht ihr sanft über die Schul­ter. „Dass ich heu­te Dia- kon bin“, sagt er, „ha­be ich mei­ner Frau zu ver­dan­ken.“Schon als sich die Eglaus 1999 ken­nen­lern­ten, hat­te Uwe die Un­ter­la­gen zur Dia­kon­aus­bil­dung auf sei­nem Schreib­tisch lie­gen. „Ir­gend­wann ha­be ich zu ihm ge­sagt: Wir re­den schon so lan­ge dar­über, Je­sus ruft dich stän­dig – jetzt mach’ es doch end­lich“, sagt Si­mo­ne. 2006 mel­de­te er sich für die Aus­bil­dung an.

Für ihn sei es ein Glück ge­we­sen, sagt er, dass er zu die­sem Zeit­punkt be­reits ver­hei­ra­tet war. Für le­di­ge Män­ner gilt auch als Dia­kon der Zö­li­bat. „Ich sa­ge zu mei­ner Frau im­mer: Gott be­hü­te, dass sie vor mir in die Ewig­keit be­ru­fen wird, sonst müss­te ich auch zö­li­batär le­ben.“Ein zwei­tes Mal hei­ra­ten dürf­te er nicht, das Kir­chen­recht schließt das grund­sätz­lich aus.

„Wenn ich die Mög­lich­keit hät­te, wür­de ich so­fort Pries­ter wer­den“, sagt er. Vie­le sei­ner Mit­brü­der wür­den es viel­leicht nicht zu­ge­ben, aber er glau­be, dass es den meis­ten so wie ihm ge­he. „In der Or­tho­do­xie gibt es seit 2000 Jah­ren ver­hei­ra­te­te Pries­ter, und das ist für nie­man­den ein Pro­blem“, sagt er. „Ich wür­de auch in der ka­tho­li­schen Kir­che kei­nes se­hen.“

Für die Eglaus ist die Ab­schaf­fung des Zö­li­bats über­fäl­lig. „Ich glau­be, dass die Dia­ko­ne hier wirk­lich zu­kunfts­wei­send für die ka­tho­li­sche Kir­che sind“, sagt Si­mo­ne Eglau. „Sie le­ben ein ganz nor­ma­les Durch­schnitts­le­ben, ha­ben selbst ei­ne Fa­mi­lie. Sie wis­sen, wo­von ge­re­det wird, wenn je­mand mit Ehe­pro­ble­men zu ih­nen kommt. Sie se­hen da­rin auch ei­nen Weg, wie­der mehr Men­schen den Glau­ben nä­her zu brin­gen. Nicht nur die An­zahl der Pries­ter geht ste­tig zu­rück, in Ös­ter­reich gibt es auch im­mer we­ni­ger Ka­tho­li­ken. Al­lein 2015 tra­ten mehr als 56.365 Per­so­nen aus der ka­tho­li­schen Kir­che aus, das wa­ren um 2,5 Pro­zent mehr als im Jahr da­vor.“

„Um Men­schen zu ge­win­nen, braucht es ein per­sön­li­ches Bei­spiel“, sagt Uwe Eglau. Er er­le­be im­mer wie­der, dass Po­li­zis­ten zu ihm sa­gen: „Weil du so bist, wie du bist, Uwe, tre­te ich wie­der in die Kir­che ein.“Auf die Fra­ge, ob er in die­sem Le­ben noch Pries­ter wer­de, ant­wor­tet er: „Ich sa­ge es wie der hei­li­ge Pau­lus: Ich ha­be die Hoff­nung noch nicht auf­ge­ge­ben.“

Be­reits in der

Früh­zeit der Kir­che gab es Dia­ko­ne, die sich um die Ar­men und Be­nach­tei­lig­ten küm­mer­ten. Ab dem ach­ten Jahr­hun­dert ver­lor das Amt an Be­deu­tung und wur­de schließ­lich zu ei­ner Durch­gangs­stu­fe zur Pries­ter­wei­he. Grund­sätz­lich gibt es drei Stu­fen des Wei­he­sa­kra­men­tes: Dia­kon, Pries­ter und Bi­schof. Je­der Pries­ter und Bi­schof ist al­so im­mer auch Dia­kon. Erst das Zwei­te Va­ti­ka­ni­sche Kon­zil (1962 bis 1965) führ­te den Dia­ko­nat als ei­gen­stän­di­ge hier­ar­chi­sche Wei­he­stu­fe wie­der ein und er­öff­ne­te da­mit auch ver­hei­ra­te­ten Män­nern ei­nen Weg zur Wei­he. 1970 wur­den in Ös­ter­reich die ers­ten stän­di­gen Dia­ko­ne ge­weiht, heu­te gibt es hier­zu­lan­de mehr als 700. Wäh­rend Pries­ter und Bi­schof zum Lei­tungs­dienst in der Ge­mein­de be­ru­fen sind, ist es die Auf­ga­be des Dia­kons, sie da­bei zu un­ter­stüt­zen und für die ka­ri­ta­ti­ven Di­ens­te Ver­ant­wor­tung zu tra­gen. Der Dia­kon hat ei­ne be­son­de­re Rol­le in der Hei­li­gen Mes­se, die Lei­tung der Eucha­ris­tie­fei­er ist aber dem Pries­ter oder Bi­schof vor­be­hal­ten.

»Das geist­li­che Amt mei­nes Man­nes hat un­ser Ehe­le­ben be­rei­chert«, so Si­mo­ne Eglau. »Wenn ich die Mög­lich­keit hät­te, wür­de ich so­fort Pries­ter wer­den«, sagt Eglau.

Cle­mens Fa­b­ry

Uwe und Si­mo­ne Eglau in ih­rem Wohn­zim­mer. Die bei­den sind seit 2002 ver­hei­ra­tet, Uwe Eglau ist seit 2009 stän­di­ger Dia­kon in der Erz­diö­ze­se Wi­en.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.