BELARUS

Die Presse am Sonntag - - Globus -

Weiß­russ­land,

In das oft als die „letz­te Dik­ta­tur Eu­ro­pas“be­zeich­net wird, le­ben rund 9,5 Mio. Men­schen. Seit 1994 wird das Land von Aleksan­der Lu­ka­schen­ko au­to­ri­tär re­giert. Hat der Prä­si­dent bis­her die So­wjet­zeit glo­ri­fi­ziert, ist zu­min­dest in jüngs­ter Zeit ei­ne leich­te Hin­wen­dung zur EU spür­bar. gar kei­ne Rus­sen sind, son­dern eben Weiß­rus­sen, und ei­nen ganz an­de­ren Cha­rak­ter ha­ben.“Wie er die­sen be­schrei­ben wür­de? „Ich wür­de sa­gen, wir sind schüch­ter­ner.“ Op­po­si­ti­on im Par­la­ment. Wie zum Be­weis sei­ner The­se wur­den bei den Wah­len Mit­te Sep­tem­ber zum ers­ten Mal zwei Op­po­si­tio­nel­le ins Par­la­ment ge­wählt, von de­nen sich ei­ne, Je­le­na Ani­sim, mit ih­rer Fern­seh­sen­dung be­son­ders für die Zie­le der „Ge­sell­schaft zur För­de­rung der weiß­rus­si­schen Spra­che“ein­setzt. Auch der „ewi­ge“Prä­si­dent, der bis­her eher in dem lan­des­ty­pi­schen Mix aus Rus­sisch und Weiß­rus­sisch sei­ne An­spra­chen zu hal­ten pfleg­te, flicht plötz­lich ein paar rein weiß­rus­si­sche Sät­ze in sei­ne Re­den ein. In die­ses Bild passt, dass mit ei­nem Mal auch rie­si­ge Pla­ka­te mit der Auf­schrift „Für die gu­te Zu­kunft ei­nes un­ab­hän­gi­gen Weiß­russ­land“auf­tau­chen. Ei­ni­ger­ma­ßen über­ra­schend für ei­nen Po­li­ti­ker, der bis vor Kur­zem die Wie­der­er­rich­tung der al­ten So­wjet­uni­on als sein vor­ran­gi­ges Le­bens­ziel be­trach­tet hat.

Die fühl­ba­re Be­dro­hung schweißt nicht nur Lu­ka­schen­ko und Op­po­si­ti­on in ei­ner Art Zweck­bünd­nis zu­sam­men. Sie treibt ihn zu­min­dest vor­läu­fig und ein we­nig auch in die Ar­me der EU. Mit dem Mins­ker Ab­kom­men zur Bei­le­gung der Ukrai­ne-Kri­se hat er sich ver­dient ge­macht, an­schlie­ßend hat er die po­li­ti­schen Ge­fan­ge­nen der jüngs­ten Prä­si­den­ten­wahl frei­ge­las­sen, wor­auf die EU die des­we­gen ver­häng­ten Sank­tio­nen ein biss­chen ge­lo­ckert hat. Und die we­gen der lau­fen­den Wäh­rungs­re­form neu­ge­stal­te­ten Ru­bel se­hen den Eu­ro­schei­nen und -mün­zen zum Ver­wech­seln ähn­lich.

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