LE­GEN­DE AUF SCHIE­NEN

Die Presse am Sonntag - - Wien -

Ty­pe „Z“.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­den in den USA zahl­rei­che Stra­ßen­bahn­li­ni­en auf­ge­las­sen – so auch in New York. 1949 kauf­ten die Wie­ner Ver­kehrs­be­trie­be mit Mit­teln aus dem Mar­shall­plan 45 Stück die­ser Fahr­zeu­ge, die in Wi­en Ame­ri­ka­ner ge­nannt wur­den. Sie wa­ren bis 1969 im Di­enst.

Ver­kehrs­mu­se­um.

Lud­wig-Ko­eß­ler-Platz, 1030 Wi­en, www.wie­ner­li­ni­en.at/ mu­se­um wa­gen mehr als 60 Jah­re lang das Stadt­bild. Am 22. De­zem­ber 1978 fuhr der letz­te Trieb­wa­gen die­ses Typs auf der Li­nie D – die letz­te Fahrt ei­nes Wa­gens mit of­fe­nen Tü­ren und da­mit auch das En­de des Tritt­brett­fah­rens.

Das En­de schweb­te in den 1950er­und 1960er-Jah­ren auch im­mer ein biss­chen über der Stra­ßen­bahn an sich. Der Trend zur Mo­to­ri­sie­rung ließ auch in Ös­ter­reich das Image des Bus­ses

»Am En­de des Zu­ges fuhr die mo­der­ne Zeit. Ein Dop­pel­de­cker­au­to­bus.«

stei­gen, wäh­rend das der Stra­ßen­bahn ver­blass­te. Im Ver­kehrs­mu­se­um zeigt ein al­ter Fern­seh­be­richt den Ab­schied von der Stra­ßen­bahn­li­nie 13. Tau­sen­de Wie­ner wink­ten am 1. Ju­li 1961 dem „viel ge­schmäh­ten Ge­fährt“hin­ter­her. „Am En­de des Zu­ges fuhr die mo­der­ne Zeit. Ein Dop­pel­de­cker­au­to­bus“, sagt der Kom­men­ta­tor. Es war die Ge­burts­stun­de des 13A – ge­nau, je­ne Bus­li­nie, bei der zu­letzt dis­ku­tiert wur­de, ob man nicht doch wie­der ei­ne Stra­ßen­bahn dar­aus ma­chen soll­te. Kon­kur­renz durch die U-Bahn. Nach dem Bus kam neue Kon­kur­renz für die Stra­ßen­bahn – En­de der 1970er-Jah­re be­gann in Wi­en das Zeit­al­ter der U-Bahn. Doch auch das ging für die Stra­ßen­bahn nicht so dra­ma­tisch aus – zu­min­dest in Wi­en. „Hier war sie nie tot“, meint Jo­hann Hödl. Und zu­letzt sei sie ja so­gar wie­der in Mo­de ge­kom­men. „Die Re­nais­sance kam si­cher mit Ein­füh­rung der Nie­der­flur­stra­ßen­bahn.“Auf ein­mal war es oh­ne Pro­ble­me mög­lich, auch mit Kin­der­wa­gen oder ei­nem kör­per­li­chen Ge­bre­chen die Stra­ßen­bahn zu nut­zen.

Das war um die Jahr­tau­send­wen­de, al­so rund um die Ein­füh­rung der ULFGar­ni­tu­ren. Von ih­nen sind mitt­ler­wei­le rund 320 in der Stadt un­ter­wegs. Aber ja, es gibt im­mer noch an die 200 Wa­gen, die nicht bar­rie­re­frei sind – die al­ten E1 und E2, die schma­len, ho­hen. Sie wer­den suk­zes­si­ve au­ßer Di­enst ge­stellt, um 2026 her­um sol­len sie kom­plett ver­schwun­den sein. Und mit ih­nen ein wei­te­res Stück Ge­schich­te der Stadt. Nun, im Ver­kehrs­mu­se­um wird man schon noch ein paar Stück da­von auf­he­ben.

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