ZAH­LEN

Die Presse am Sonntag - - Sport -

ihm wirk­lich.“An­ce­lot­ti ha­be im Um­gang mit der Mann­schaft viel von Liedholm ge­lernt, da­von ist der Wie­ner über­zeugt. Er gä­be sei­nen Ak­teu­ren die nö­ti­gen Frei­hei­ten, das sei auch ab­so­lut not­wen­dig. Denn: „Wenn ein Spie­ler jähr­lich zwi­schen fünf und zehn Mil­lio­nen Eu­ro net­to ver­dient, dann brauchst du ihm ge­gen­über nicht den har­ten Jim­my zu spie­len, sonst scheißt er dir was.“ Aus­nah­me­zu­stand. Mit An­ce­lot­ti wird Pro­has­ka für im­mer die Se­rie-A-Sai­son 1982/1983 ver­bin­den, sie hat­te ei­ne be­rau­schen­de Ei­gen­dy­na­mik ent­wi­ckelt. Ro­ma ent­eil­te der Kon­kur­renz und wur­de früh­zei­tig Meis­ter, zum ers­ten Mal seit 41 Jah­ren. Wäh­rend Ti­tel­ge­win­ne mit Aus­tria schon „et­was Rou­ti­ne“wa­ren, stand im Mai 1983 ganz Rom Kopf. „Es war un­glaub­lich, es ist nur noch ge­fei­ert wor­den. Die Stadt war Gelb-Rot, je­de Fi­gur, egal ob Ca­e­sar oder Au­gus­tus, be­kam ei­ne Fah­ne oder ei­nen Schal um­ge­hängt.“Die Meis­ter­mann­schaft wur­de mehr­mals pro Wo­che zum Fest­es­sen ge­be­ten, „ein­mal wa­ren wir bei ei­ner Ba­ro­nin im Gar­ten ein­ge­la­den, so et­was siehst du sonst nur in Fil­men“. An be­sag­ten Aben­den wur­de „nur ge­fres­sen und ge­sof­fen“, Pro­has­ka hat­te in der Fol­ge „zwei bis drei Ki­lo“zu­ge­legt. Sein Fa­zit: „Es war hart, aber schön.“

Zu be­neh­men galt es sich beim Be­such im Va­ti­kan, Pro­has­ka hat­te beim Ver­eins­prä­si­den­ten ei­ne Au­di­enz bei Papst Jo­han­nes Paul II. an­ge­lei­ert. „Aber der Ein­zi­ge, der sich ge­freut hat, war ich. Die meis­ten mei­ner Mit­spie­ler wa­ren schon drei Mal dort, nach dem Mot­to: Es ist doch eh im­mer das­sel­be.“

Als Fuß­bal­ler in Ita­li­en, spe­zi­ell in Rom, ge­noss man höchs­tes An­se­hen. „Du hast ge­spürt, dass es in der Ge­sell­schaft ei­gent­lich nie­man­den über dir gibt. Kei­ne Po­li­ti­ker, kei­ne Sän­ger, kei­ne Schau­spie­ler, sie al­le wa­ren bes­ten­falls auf ei­ner Stu­fe mit dir.“Trotz­dem konn­te sich Pro­has­ka in der Haupt­stadt frei be­we­gen, egal ob im Pe­ters­dom oder vor dem Ko­los­se­um. „Hin und wie­der hat mal je­mand um ein Fo­to ge­fragt, aber es wur­de nie un­an­ge­nehm.“Mitt­ler­wei­le ist die Welt ei­ne an­de­re, ei­ne tur­bu­len­te­re. Fuß­ball­stars wer­den von Pa­pa­raz­zi und Fans glei­cher­ma­ßen auf Schritt und Tritt ver­folgt. „Ei­gent­lich musst du in ei­nen Pri­vat­jet stei­gen und ganz weit weg flie­gen, um dei­ne Ru­he zu ha­ben.“ Ein Bra­si­lia­ner als Spiel­ver­der­ber. Ei­ne sol­che Sze­ne­rie war im Früh­jahr 1983 noch un­vor­stell­bar ge­we­sen. Nach dem Ge­winn der Meis­ter­schaft träum­te Pro­has­ka da­von, für im­mer in der ewi­gen Stadt zu blei­ben. Er plan­te den Kauf ei­ner Woh­nung, be­sich­tig­te Mö­bel und hat­te mit sei­ner Frau ei­ne deut­sche Schu­le für die bei­den Töch­ter aus­fin­dig ge­macht. „Schne­ckerl“dach­te so­gar schon an die mög­li­che Kar­rie­re nach

Mit Ex-Team­kol­le­gen An­ce­lot­ti ver­bin­det Pro­has­ka viel: »Car­lo war mein Was­ser­trä­ger.«

Mau­ri­zio Bor­sa­ri

Her­bert Pro­has­ka, ein Prim­gei­ger der al­ten Schu­le.

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