Pro­gram­mie­ren kin­der­leicht ge­macht

Die App der TU Graz Po­cket Code soll Schü­lern zei­gen, dass Spie­le zu pro­gram­mie­ren gar nicht schwer ist. Im­mer­hin hat auch Bill Ga­tes ein­mal klein an­ge­fan­gen.

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON BAR­BA­RA GRECH

Ra­send schnell hu­schen die Fin­ger über das Dis­play. Nach­rich­ten wer­den ge­schrie­ben, die El­tern an­ge­ru­fen und Apps her­un­ter­ge­la­den. „Wie heißt das Spiel?“, hallt es durch den Gang in der U-Bahn. Die Zwölf­jäh­ri­gen dis­ku­tie­ren laut­stark über Po­ke­mon´ Go und ob es sich aus­zahlt, das Spiel über­haupt noch zu in­stal­lie­ren. Es herrscht Ei­nig­keit bei der Grup­pe aus Mäd­chen und Bu­ben.

Für Mar­ti­na Friedl, Ma­na­ge­rin bei Samsung Ös­ter­reich, ist die stän­di­ge Ge­gen­wart von Smart­pho­nes ei­ner der Grün­de, war­um ihr die Initia­ti­ve Co­ding for Kids so am Her­zen liegt. „Pro­gram­mie­ren ist die Kul­tur­tech­nik des 21. Jahr­hun­derts“, er­klärt sie und ist über­zeugt, dass es wich­tig sei, Kin­dern die Grund­la­gen so früh wie mög­lich na­he­zu­brin­gen. „Han­dys sind der ver­län­ger­te Arm un­se­rer Kin­der, aber die Mecha­nis­men da­hin­ter sind vie­len gänz­lich un­be­kannt“, führt Friedl wei­ter aus. Pro­gram­mie­rer der Zu­kunft. Ge­mein­sam mit Pro­fes­sor Wolf­gang Sla­ny von der TU Graz ist Samsung zwi­schen Ju­ni und Ok­to­ber durch Ös­ter­reich ge­tourt und hat Halt an 43 Schu­len ge­macht. 1100 Kin­dern wur­de ge­mein­sam mit IT-Trai­nern das Pro­gram­mie­ren nä­her­ge­bracht – spie­le­risch, an­fän­ger­taug­lich und kos­ten­los.

Mehr als 2000 Apps wur­den von Kin­dern im Al­ter von acht bis 14 Jah­ren mit der App Po­cket Code be­reits er­dacht und ent­wi­ckelt. Die App ist kos­ten­los und kann auf iOS-, An­dro­id­und auch Win­dows-Pho­ne-Ge­rä­ten in­stal­liert wer­den. Die An­wen­dung ba­siert auf ei­nem Bau­kas­ten­prin­zip und wur­de von Sla­ny und sei­nem Team ent­wi­ckelt. „Soft­ware ist ein in­te­gra­ler Be­stand­teil un­se­rer Ge­sell­schaft und wird in Zu­kunft noch viel stär­ker al­le Le­bens­be­rei­che durch­drin­gen. Wir ha­ben Po­cket Code ent­wi­ckelt, um spie­le­risch und in­tui­tiv die in­ter­nen Mecha­nis­men von Smart­pho­ne-Apps er­ler- nen zu kön­nen – und das oh­ne jeg­li­ches Vor­wis­sen“, er­klärt der Vor­stand des In­sti­tuts für Soft­ware­tech­no­lo­gie. „Wir ha­ben be­wusst auf ein Han­dy­pro­gramm ge­setzt, da Smart­pho­nes be­reits ei­ne wei­te Ver­brei­tung ge­nie­ßen. Auch mit mei­nen Stu­den­ten, die zum Teil kein Pro­gram­mier­vor­wis­sen ha­ben, be­gin­ne ich das ers­te Se­mes­ter mit Po­cket-Code“, führt Sla­ny wei­ter aus. Früh übt sich. Nicht nur Samsung sieht sich als Un­ter­neh­men für die Bil­dung di­gi­ta­ler Kom­pe­tenz ver­ant­wort­lich. App­le-Chef Tim Cook for­dert seit Jah­ren, dass Pro­gram­mie­ren zu ei­nem Un­ter­richts­fach wird. App­le hat erst im Ju­ni die­ses Jah­res ei­ne App prä­sen­tiert, die spie­le­ri­sches Co­de­ler­nen er­mög­li­chen soll. Dass be­son­ders Spie­le ei­nen ein­fa­chen und un­ter­halt­sa­men Zu­gang zum Pro­gram­mie­ren er­mög­li­chen, be- legt Sla­ny mit Bill Ga­tes und Mark Zu­cker­berg als Bei­spie­le. Die Tech-Mil­li­ar­dä­re ha­ben bei­de mit dem Pro­gram­mie­ren ei­nes Spiels be­gon­nen. Wer „ein bis­serl“pro­gram­mie­ren kann, pro­fi­tiert spä­ter an der Uni­ver­si­tät oder im Be­rufs­le­ben, ist Sla­ny über­zeugt. Stief­kind In­for­ma­tik. In den Schu­len ist In­for­ma­tik noch nicht an­ge­kom­men. Die Ös­ter­rei­chi­sche Com­pu­ter­ge­sell­schaft (OCG) for­dert mit ih­rer Initia­ti­ve Bil­dung 4.0 ei­nen durch­ge­hen­den In­for­ma­tik­un­ter­richt, der mit den Haupt­fä­chern gleich­ge­setzt ist. Da­zu ge­hö­re auch, die Päd­ago­gen ent­spre­chend zu schu­len. „Bil­dung ist ein ab­so­lu­ter Schlüs­sel­fak­tor für die Zu­kunft, ne­ben Le­sen, Schrei­ben und Rech­nen brau­chen wir auch di­gi­ta­le Kom­pe­ten­zen“, ist OCG-Vor­sit­zen­der Mar­kus Kle­men über­zeugt.

APA/Roß­both

Ro­bo­ter spie­le­risch mit Smart­pho­nes an­steu­ern.

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