Ode an die ei­ge­ne brau­ne Haut

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - HEI­DE RAMPETZREITER

He­la­do Ne­gro: »It’s My Brown Skin«. „I love mys­elf“, sang Kend­rick La­mar im Re­frain sei­nes mit zwei Gram­mys prä­mier­ten Songs „i“. Das ist als Kampf­an­sa­ge zu ver­ste­hen – nicht nur, weil er im Text Po­li­zei­ge­walt an­pran­gert, son­dern auch, weil für Min­der­hei­ten Selbst­lie­be auch ein po­li­ti­scher Akt sein kann: Wert­schät­zung für sich selbst statt des Ge­fühls der Wert­lo­sig­keit, bloß weil die ei­ge­ne Haut­far­be dunk­ler ist. Eben die­se brau­ne Haut be­singt der Ein­wan­de­r­er­sohn He­la­do Ne­gro, des­sen El­tern aus Ecua­dor stam­men, in „It’s My Brown Skin“. Mit sanf­ter, hal­len­der Stim­me zum Klang wei­cher Bas­sDrums und Syn­thie-Spren­keln spricht er sei­ne ei­ge­ne Haut wie ei­nen al­ten Freund an: „Cau­se I love you, and I can’t miss any­thing but you. You’re stuck on me and all this ti­me I’m in­si­de you.“Die Haut ist ihm auch Schutz­schicht, „it will keep you sa­fe“. Als wä­re sie ku­gel­si­cher wie je­ne des schwar­zen Co­mi­chel­den Lu­ke Ca­ge. Ei­ne schö­ne, trü­ge­ri­sche Il­lu­si­on.

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