Beich­te? »Das ist sehr ge­sund«

In­ter­view. Hol­ly­wood-Mi­me Ju­de Law spielt den Papst. Mit der »Pres­se am Sonn­tag« sprach der 43-Jäh­ri­ge über For­men der See­len­hy­gie­ne, sei­ne Art, Spi­ri­tua­li­tät zu le­ben, und den Schluss, dass das Thea­ter wohl aus dem Va­ti­kan stam­men muss.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON RÜ­DI­GER STURM

Es ist die un­ge­wöhn­lichs­te Rol­le in der Kar­rie­re von Ju­de Law: In der Mi­ni­se­rie „The Young Po­pe“(ab 21. Ok­to­ber auf Sky At­lan­tic HD) spielt er ei­nen Ame­ri­ka­ner im obers­ten Amt der ka­tho­li­schen Kir­che. Auch wenn der 43-Jäh­ri­ge im In­ter­view – wie in der Ci­ne­ma Lounge von Ve­ne­dig – im­mer noch wie ein char­man­ter Son­ny­boy wirkt, so passt die­se Fi­gur doch bes­ser zu sei­nen In­ter­es­sen und Über­zeu­gun­gen, als man auf den ers­ten Blick glau­ben möch­te. Wür­de es Sie in ir­gend­ei­ner Wei­se rei­zen, Papst zu sein? Ju­de Law: Nein, über­haupt nicht. Wo­bei ich wie­der ge­merkt ha­be, wie thea­tra­lisch die Kir­che ist. Dort er­zählt man Ge­schich­ten mit Ko­s­tü­men und Licht­ef­fek­ten. Ge­wis­ser­ma­ßen ist das Thea­ter hier ge­bo­ren wor­den. Des­halb ha­be ich ei­ne gro­ße in­ne­re Ver­wandt­schaft zur Welt des Va­ti­kans ge­spürt. Sie hat­ten al­so kei­ne Schwie­rig­kei­ten, sich in die­se Rol­le ein­zu­fin­den? Doch, sehr gro­ße so­gar. Ich wuss­te erst gar nicht, wo ich in der Vor­be­rei­tung an­fan­gen soll­te. Ich dach­te, ich hät­te die Ver­ant­wor­tung, die Bi­bel zu stu­die­ren und die Ge­schich­te der Päps­te zu le­sen, aber das brach­te mich nicht wei­ter. Ich wand­te mich dann an Re­gis­seur Pao­lo Sor­ren­ti­no, und er mein­te: „Kon­zen­trie­re dich nur auf die Fi­gur die­ses ei­nen Paps­tes, den du spielst. Wer ist er?“Wir ha­ben dann ge­mein­sam ei­ne um­fang­rei­che Hin­ter­grund­ge­schich­te für ihn aus­ge­ar­bei­tet. Sind Sie in ir­gend­ei­ner Wei­se gläu­big? Ich ha­be ein sehr aus­ge­präg­tes Glau­bens­sys­tem, und das fin­de ich ex­trem wich­tig. Aber es ist eher amorph. Das heißt, ich glau­be an al­le mög­li­chen Din­ge, bin, wenn man so will, eher Po­lyt­he­ist denn Mo­no­the­ist. Ich su­che stän­dig nach Ant­wor­ten, und die fin­de ich nicht un­be­dingt nur ein ei­ner Re­li­gi­on. Am ehes­ten noch in der Na­tur, das heißt, ich de­fi­nie­re mich über den Platz, den wir in der na­tür­li­chen Ord­nung des Pla­ne­ten ein­neh­men. Da­bei ha­be ich durch­aus Re­spekt für die In­sti­tu­tio­nen der gro­ßen Re­li­gio­nen. Vie­le Leu­te brau­chen das. Was sind denn die­se Din­ge, an die Sie glau­ben? An Neu­gier, gu­ten Wil­len, An­stand, Kunst und Fan­ta­sie.

Ju­de Law

stammt aus Groß­bri­tan­ni­en und wur­de in Lon­don als Sohn ei­nes Leh­rer­ehe­paars ge­bo­ren. Schon früh spiel­te er Thea­ter, ver­ließ da­für so­gar die Schu­le. Der Durch­bruch ge­lang ihm 2000 mit ei­ner Os­car-No­mi­nie­rung als bes­ter Ne­ben­dar­stel­ler („Der ta­len­tier­te Mr. Ri­pley“). Es folg­ten zahl­rei­che Groß­pro­duk­tio­nen. Nor­ma­ler­wei­se sa­ge ich ih­nen: „Was glaubt ihr denn?“ Was sa­gen sie? Das hängt vom je­wei­li­gen Al­ter ab. Als Kin­der in der Schu­le ler­nen sie die Ge­schich­te von Je­sus, und dann glau­ben sie dar­an. Ich ver­su­che sie ein­fach zu er­mun­tern, dass sie of­fen und un­vor­ein­ge­nom­men blei­ben. Das ist mei­ne Ver­ant­wor­tung. In der Se­rie wer­den auch kri­ti­sche An­sich­ten zur ka­tho­li­schen Kir­che ge­äu­ßert. An ei­ner Stel­le heißt es, sie hät­te die Men­schen ver­ges­sen. Was sa­gen Sie da­zu? Das ist ein kom­pli­zier­tes The­ma. Das Pro­blem ist, dass sich ei­ne Glau­bens­rich­tung auf ganz be­stimm­te Re­geln grün­det, wäh­rend sich die Welt um sie her­um stän­dig ver­än­dert und wei­ter­ent­wi­ckelt. Das schafft nach ein paar Hun­dert Jah­ren Kon­flik­te und Ver­wir­rung. Gleich­zei­tig gibt es aber auch mo­ra­li­sche Grund­sät­ze, die nie ih­re Gül­tig­keit ver­lie­ren wie „Lie­be dei­nen Nächs­ten“. Die­se sind in­ter­es­san­ter­wei­se in al­len Re­li­gio­nen iden­tisch. Es sind nur die an­de­ren Re­geln, die nicht mehr stim­mig sind, bei de­nen man sich denkt: Kön­nen wir’s nicht da­mit gut sein las­sen? Ha­ben Sie sich beim Dreh in­ten­si­ver mit sol­chen Fra­gen be­schäf­tigt? Je­den Tag. Für mich war das ei­ne sehr tief grei­fen­de, ich wür­de fast sa­gen spi­ri­tu­el­le Er­fah­rung. Wo­bei ich für mich ei­nes her­aus­ge­fun­den ha­be: Glau­ben ist ei­ne hoch per­sön­li­che, in­di­vi­du­el­le An­ge­le­gen­heit, egal, wo­rum es sich da­bei han­delt. Wir wer­den al­lein ge­bo­ren, ster­ben al­lein, und in der Zeit da­zwi­schen ver­su­chen wir her­aus­zu­fin­den, ob un­ser Da­sein ei­nen Sinn er­gibt. Es gibt in der Kir­che das In­stru­ment der Beich­te, um sein Ge­wis­sen zu er­for­schen. Was hal­ten Sie da­von? Das ist sehr ge­sund. Aus die­sem Grund ver­die­nen ja The­ra­peu­ten so viel Geld. „The Young Po­pe“ist ab 21. Ok­to­ber auf Sky zu se­hen. Ei­ne Kri­tik zur Se­rie le­sen Sie auf Sei­te 44.

APA/AFP/Fil­ip­po Mon­te­for­te

für Par­fums und ge­wählt. Er macht Wer­bung zum Se­xiest Man Ali­ve Ju­de Law wur­de 2004 Papst. Frau­en. Nun spielt er den hat fünf Kin­der mit drei Sie ha­ben Kin­der ver­schie­de­nen Al­ters. Was ant­wor­ten Sie ih­nen, wenn sie fra­gen: „Gibt es Gott?“

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