Kunst­wer­te

WEGWEISER FÜR AUKTIONEN, MES­SEN UND GALERIEN

Die Presse am Sonntag - - Kunstmarkt - VO N EVA KOMAREK

Kunst vom Ku­ra­tor. Der lang­jäh­ri­ge Ku­ra­tor eu­ro­päi­scher Kunst des Me­tro­po­li­tan Mu­se­um trennt sich von ei­nem Teil sei­ner Samm­lung. Die Schätz­prei­se sind er­staun­lich nied­rig.

Ei­nen Ein­blick zu be­kom­men, was sich ein an­ge­se­he­ner Ku­ra­tor zu Hau­se auf­hängt, ist in et­wa so, wie die Re­stau­rants zu ken­nen, in die ein be­rühm­ter Kü­chen­chef es­sen geht. Die Aus­wahl mag nicht von Mo­de­er­schei­nun­gen oder, im Fall Kunst, von In­ves­ti­ti­ons­chan­cen ge­trie­ben sein, aber nor­ma­ler­wei­se ha­ben sie ei­nen gu­ten Grund für ih­re Wahl. Die Chan­ce, ei­nem Ku­ra­tor über die Samm­ler­schul­ter zu bli­cken, be­kommt man am 26. Ok­to­ber bei Chris­tie’s in New York. Dann ver­stei­gert das Auk­ti­ons­haus im Rah­men der Alt­meis­ter­auk­ti­on 46 Ob­jek­te aus der Samm­lung von Ever­ett Fa­hy, frü­he­rer Ku­ra­tor des Me­tro­po­li­tan Mu­se­um of Art und ehe­ma­li­ger Di­rek­tor der Frick Collec­tion in New York. Nach dem Me­tro­po­li­tan Mu­se­um ar­bei­te­te Fa­hy als Con­sul­tant für die Alt­meis­ter­spar­te von Chris­tie’s. Dort war er für sein un­glaub­li­ches Ge­dächt­nis ge­kop­pelt mit ei­nem schier un­er­schöpf­li­chen Ar­chiv, das er an­ge­legt hat­te, be­kannt. Chris­tie’s-Ex­per­tin Em­ma Kron­man er­in­nert sich, wenn er sich ein Werk an­sah, wuss­te er et­wa, dass er das Bild im Jahr 1985 schon ge­se­hen hat­te. Im Ar­chiv fand er es dann zu­sam­men mit ei­ner Fül­le an an­de­ren In­for­ma­tio­nen, die man nie­mals in ei­ner Bi­b­lio­thek fin­den wür­de. 14. bis 20. Jahr­hun­dert. Die Band­brei­te der Kunst, die zur Auk­ti­on kommt, reicht vom 14. bis ins 20. Jahr­hun­dert, wo­bei es sich bei ei­ni­gen Stü­cken um Ge­schen­ke von be­kann­ten Freun­den han­delt. So schenk­te ihm bei­spiels­wei­se die ame­ri­ka­ni­sche Phil­an­thro­pin Broo­ke As­tor an­läss­lich sei­ner Pen­sio­nie­rung ei­nen aus Ja­de ge­schnit­te­nen chi­ne­si­schen Tel­ler aus dem spä­ten 19. Jahr­hun­dert, der mit ei­nem Schätz­wert von 1000 bis 1500 Dol­lar zur Ver­stei­ge­rung ge­langt. Das To­plos der Samm­lung ist ein Frag­ment ei­nes Ta­fel­bil­des von Sankt Pe­ter aus dem frü­hen 14. Jahr­hun­dert, das dem Um­kreis von Duc­cio di Buon­in­segna zu­ge­schrie­ben wird. Es war ein Ge­schenk sei­nes Men­tors Sir John PopeHen­nes­sy, der gleich­zei­tig sein Vor­gän­ger als Vor­sit­zen­der der Spar­te eu­ro­päi­sche Ma­le­rei im Me­tro­po­li­tan Mu­se­um of Art war. Die Ta­xe für das Ge­mäl­de liegt bei 150.000 bis 250.000 Dol­lar.

Der obe­re Ge­samt­schätz­wert liegt bei 554.400 Dol­lar. Das ist er­staun­lich nied­rig. Doch Fa­hy kennt das Auk­ti­ons­ge­schäft und weiß, dass ge­ra­de ein nied­ri­ger Schätz­preis zum Bie­ten an­sta­chelt und sich letzt­lich po­si­tiv auf den Zu­schlag aus­wir­ken kann. Des­halb hat er für den Groß­teil der Ar­bei­ten auf ei­nen Min­dest­ver­kaufs­wert ver­zich­tet. Ab­ge­se­hen da­von sind Al­te Meis­ter im Ver­gleich zu zeit­ge­nös­si­scher Kunst oder Im­pres­sio­nis­mus und Mo­der­ne über­haupt preis­lich noch sehr mo­de­rat.

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