So vie­le Tier­ar­ten wie im Ur­wald

Der NŻ­ti­onŻl­pŻrk DonŻu-Au­en fei­ert kom­men­de Wo­che sein 20-jäh­ri­ges Be­ste­hen. Das Schloss Orth mit sei­nem Be­su­cher­zen­trum ist ein gu­ter Start­punkt für ei­nen Aus­flug in die mäch­ti­gen Au­wäl­der, die von Wi­en bis nach Bra­tis­la­va rei­chen.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON MIR­JAM MARITS

Drin­nen wur­de al­les ab­ge­dun­kelt, um­so grü­ner strahlt ei­nem das Was­ser des Teichs durch die gro­ße Glas­schei­be ent­ge­gen. Nein, hier steht man nicht vor ei­nem Aqua­ri­um, son­dern be­ob­ach­tet die Fi­sche in ih­rem na­tür­li­chen Le­bens­raum, und zwar auf Au­gen­hö­he in der Un­ter­was­ser­sta­ti­on, die gleich­sam in den Teich ge­baut wur­de.

Die­ser liegt auf der so­ge­nann­ten Schloss­in­sel, die zum nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Schloss Orth ge­hört, in dem das Be­su­cher­zen­trum des Na­tio­nal­parks Do­nau-Au­en un­ter­ge­bracht ist. Die Schloss­in­sel bie­tet ei­nen Über­blick über die Tier- und Pflan­zen­welt des Na­tio­nal­parks, der sich von der Wie­ner Lo­bau ost­wärts 93 km2 ent­lang der Do­nau er­streckt. Un­ter Was­ser fin­det man Fi­sch­ar­ten wie Hecht, Fluss­barsch, Rot­au­ge und Rot­fe­der, aber auch Mu­scheln und Was­ser­schne­cken.

Für Kin­der (aber nicht nur für sie) ist die Schloss­in­sel ei­ne span­nen­de Sa­che, hier kann man nicht nur auf dem Na­tur­spiel­platz ak­tiv wer­den, man greift Hirsch­ge­wei­he an, ent­deckt Tier­spu­ren, er­kennt, wie viel Le­ben es in ei­nem so­ge­nann­ten To­t­holz gibt. Und be­ob­ach­tet Tie­re, wenn auch da­für der­zeit nicht die güns­tigs­te Jah­res­zeit ist: Die Zie­sel schla­fen schon, die Eu­ro­päi­sche Sumpf­schild­krö­te ist auch nicht zu se­hen. Au­ßer den Fi­schen und den Scha­fen er­blickt man der­zeit al­so nicht vie­le Tie­re, da­für ent­schä­digt aber die wun­der­hübsch-herbst­li­che Land­schaft. Auch die Schloss­in­sel und na­tür­lich der Na­tio­nal­park selbst.

Als Aus­gangs­punkt für Spa­zier­gän­ge im Na­tio­nal­park emp­fiehlt sich ein Be­such im Schloss Orth, des­sen Ge­schich­te bis ins 12. Jahr­hun­dert zu­rück­geht, und das im 16. Jahr­hun­dert zum Re­nais­sance­schloss um­ge­stal­tet wur­de. Im ers­ten Stock (Zu­tritt hat man nur bei Füh­run­gen, die es aber je­de St­un­de gibt) be­kommt man auf er­staun­lich ab­wechs­lungs­rei­che Art ver­mit­telt, was den Na­tio­nal­park aus­macht. Der ers­te Raum ist da­bei der un­ge­wöhn­lichs­te: Er ist ei­nem Ba­rock­thea­ter nach­emp­fun­den, die Be­su­cher kön­nen hier – wäh­rend ein fast mär­chen­haf­tes Hör­spiel von der Ent­ste­hung der Au­land­schaft er­zählt – auf der Büh­ne ak­tiv selbst mit­hel­fen und das (opu­lent ge­mal­te) Büh­nen­bild be­we­gen. Das macht auch als Er­wach­se­ner Spaß, ne­ben­bei lernt man, wel­chen Pflan­zen- und Tier­ar­ten der Au­wald als Le­bens­raum dient. Ei­ner der Ge­win­ner des Na­tio­nal­parks ist der See­ad­ler, er­zählt Ran­ge­rin Chris­tia­ne Mair. Seit der Au­wald ge­schützt ist, ha­ben sich hier wie­der fünf Ad­ler­paa­re an­ge­sie­delt – das klingt an­ge­sichts von 9300 Hekt­ar Flä­che nach nicht viel, tat­säch­lich, sagt Mair, ha­ben Ad­ler ein rie­si­ges Re­vier, wes­halb die Do­nau-Au­en voll be­setzt sei­en. In der kal­ten Jah­res­zeit kom­men et­wa 35 See­ad­ler als Win­ter­gäs­te da­zu. Au­be­set­zung. Spek­ta­ku­lär ist auch die rie­si­ge be­geh­ba­re Land­kar­te (be­ste­hend aus Luft­bil­dern) auf dem Bo­den: Aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve blickt man auf die Do­nau­au­en, die in Wi­en in der Lo­bau be­gin­nen und vor Bra­tis­la­va en­den. Ran­ge­rin Mair er­klärt der­weil, wel­che fa­ta­len Aus­wir­kun­gen auf den Au­wald selbst, aber auch die um­lie­gen­de Land­wirt­schaft, das Kraft­werk in Hain­burg ge­habt hät­te. Die­ses – ge­nau­er ge­sagt der Pro­test da­ge­gen – war letzt­lich auch der An­fang vom Na­tio­nal­park. Dank der Au­be­set­zung 1984 wuchs das Be­wusst­sein um das Na­tur­ju­wel Au­wald, der in der Fol­ge zum Na­tio­nal­park wur­de.

Kom­men­de Wo­che, am 27. Ok­to­ber, fei­ert die­ser sein 20-jäh­ri­ges Be­ste­hen. Pünkt­lich zum Ju­bi­lä­ums­tag wur­de be­kannt, dass der Na­tio­nal­park wei­ter wächst. In Wi­en kom­men 17 Hekt­ar bei Fi­scha­mend da­zu, die fort­an un­ter Schutz ste­hen, in der Pe­tro­nel­ler Au in Nie­der­ös­ter­reich sind es gleich 260 Hekt­ar, die bis­her im Pri­vat­be­sitz stan­den und künf­tig vom Na­tio­nal­park – der letz­ten gro­ßen Fluss­au­en­land­schaft Mit­tel­eu­ro­pas –ver­wal­tet wer­den.

Die Ar­ten­viel­falt ist heu­te, 20 Jah­re nach Un­ter-Schutz-Stel­lung des Au­wal­des, mit ei­nem Ur­wald ver­gleich­bar: 100 brü­ten­de Vo­gel­ar­ten vom Eis­vo­gel bis zum Fluss­re­gen­pfei­fer fin­den hier Un­ten: das Be­su­cher­zen­trum des Na­tio­nal­parks Do­nau-Au­en, Schloss Orth. op­ti­ma­le Le­bens­be­din­gun­gen, da­zu kom­men u. a. 30 Säu­ge­tier-, zehn Rep­ti­li­en- und 60 Fi­sch­ar­ten.

Das Schloss Orth geht zwar vom 1. No­vem­ber bis März in die Win­ter­pau­se, Wan­de­run­gen – et­wa zu den ge­fie­der­ten Win­ter­gäs­ten – gibt es aber auch da­nach. Am Na­tio­nal­fei­er­tag star­tet beim Schloss (13 Uhr) nicht nur der Fit­marsch (ja, den gibt es noch). Es gibt auch – von Hain­burg (Park­platz Do­nau­län­de) aus – ei­ne kos­ten­lo­se Na­tio­nal­park-Tour (14 Uhr). Ei­ne An­mel­dung zu al­len Tou­ren ist er­for­der­lich (sie­he In­fo­box). Na­tür­lich kann man die Do­nau-Au­en auch auf ei­ge­ne Faust er­kun­den: Es gibt – sie­he Web­site – zahl­rei­che Wan­der­rou­ten durch die Au­en. Vom Schloss Orth aus et­wa den gro­ßen Rund­wan­der­weg, für den man zwei St­un­den ein­pla­nen soll­te.

Spek­ta­ku­lär: Fi­sche be­ob­ach­ten in der Un­ter­was­ser­sta­ti­on.

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