Hin­ter den Ku­lis­sen

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören -

TV-Mo­de­ra­to­rin Ve­ra Russ­wurm ver­sucht sich an ei­nem Kri­mi – und zeich­net ein recht über­dreh­tes Bild vom TV-Bu­si­ness. „Das vor­lie­gen­de Buch bie­tet ei­nen Ein­blick ins hek­ti­sche Trei­ben des Fern­se­hens, ist aber kei­ne 1:1-Ab­bil­dung der Wirk­lich­keit . . . Viel­mehr ist die­se Ge­schich­te um ei­ne ver­schwun­de­ne Mil­li­on ei­ne Über­spit­zung der Rea­li­tät . . .“, schreibt Ve­ra Russ­wurm im Vor­spann zu ih­rem ers­ten Ro­man, der ein Kri­mi sein soll. Man kann al­so nicht sa­gen, man wä­re nicht ge­warnt: Bei Mas­ter TV wird in­tri­giert und ver­na­dert, wer­den Schwä­chen der Kol­le­gen gna­den­los aus­ge­nutzt und an­de­re mit den ima­gi­nä­ren El­len­bo­gen zur Sei­te ge­sto­ßen, wenn sie dem ei­ge­nen Auf­stieg im Weg sind. Pas­sen­der wä­re wohl der Ti­tel „Schlan­gen­gru­be“.

„Amei­sen­hau­fen“ist aber nicht nur das Bild, das Russ­wurm für die Ar­beits­stät­te be­müht („Ein ty­pi­scher Frei­tag­mor­gen: Aus al­len Gän­gen und Tun­neln kr­ab­belt es her­vor. Mit­ar­bei­ter strö­men her­aus, als hät­te je­mand ver­sucht, den Bau aus­zu­räu­chern . . .“) – so heißt auch die neue Ga­meShow. Als das Preis­geld – ei­ne Mil­li­on Eu­ro – aus dem Bü­ro des Chefs ver­schwin­det, ist das An­lass für die Mit­ar­bei­ter, an­de­re in der obers­ten Eta­ge an­zu­schwär­zen – oder zu er­pres­sen. Dar­aus ent­steht ein völ­lig über­dreh­tes Bild vom Fern­seh­ma­chen. Russ­wurm nützt ihr Wis­sen über das TVBu­si­ness und das Ge­sche­hen hin­ter den Ku­lis­sen – das ist ei­ne durch­aus gu­te Idee. Nur kommt die Sto­ry nicht rich­tig auf die Fü­ße: un­nö­ti­ge De­tails (ja, es gibt Leu­te, die sich beim Fern­se­hen die Nä­gel rich­ten), kein ech­tes Kri­mi­ge­sche­hen und ei­ne ein­fa­che Er­zähl­wei­se, die nicht zum Gr­ü­beln an­regt – scha­de. i. w. Ve­ra Russ­wurm: „Der Amei­sen­hau­fen“, Ver­lag Amal­thea, 256 Sei­ten, 22,60 Eu­ro.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.