Er ver­dient mei­ne Songs nicht!

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - HOL­GER FLEISCH­MANN

Priests: „JJ“. Nach gut zwei­ein­halb Mi­nu­ten über­schlägt sich die Stim­me von Sän­ge­rin Ka­tie Ali­ce Gre­er, als sie „you ne­ver de­ser­ved them“kreischt. Priests ha­ben sich da längst in Ra­ge ge­spielt, den See­len­zu­stand der Prot­ago­nis­tin spie­gelnd. Es ist die Er­in­ne­rung an ei­nen Mann aus ih­rer Ver­gan­gen­heit, der sie auf­regt. „When I met you, you we­re just a bad at­ti­tu­de“, singt Gre­er zu Be­ginn die­ses fes­seln­den Songs. Ei­ne ra­san­te Surf­gi­tar­re und das en­er­gi­sche Schlag­zeug sor­gen für ei­nen ner­vö­sen Puls, oh­ne die Ein­gän­gig­keit zu ge­fähr­den. Nach ei­nem un­ver­mu­tet ein­set­zen­den Pia­no brüllt Gre­er spä­ter „I can’t be­lie­ve I al­ways had such aw­ful tas­te“. Was hat der Mann, von dem hier die Re­de ist, nicht ver­dient? Die Songs, die sie ihm einst ge­schrie­ben, aber nie vor­ge­spielt hat. Zu Recht nicht, wenn man ih­rer Ge­reizt­heit glaubt. Selbst wenn sie nur halb so gut, nur halb so dring­lich ge­we­sen wä­ren wie die­se drei Mi­nu­ten Punk-Fu­ror.

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