Un­er­wünsch­ter Asy­lant

Die Presse am Sonntag - - Kultur -

sen­schaft­ler er­war­tet – je­doch lei­der auch ein macht­gie­ri­ger Prä­si­dent. Die­ser will die Mond­schät­ze aus­beu­ten und lässt den Au­ßer­ir­di­schen ein­sper­ren. Pas­cal Goff­in spielt den lau­te­ren Mond­mann, der ers­te stol­pern­de Schrit­te auf der Er­de tut, im­mer wie­der hell weiß auf­flammt und dann auch wie­der sei­ne dunk­le Sei­te zeigt. Phä­no­me­na­ler Ger­hard Bal­luch. Der Mond­mann spricht we­nig, mag Kin­der und hält, trotz al­ler Wid­rig­kei­ten, an sei­nem Er­den­be­such fest. Doch es ist kein Be­such, es fehlt das Trans­port­mit­tel, das ihn in sei­ne Hei­mat zu­rück­brin­gen kann. In der Urauf­füh­rung spie­len ei­ni­ge Schau­spiel­stu­den­ten der Kun­st­uni­ver­si­tät Graz, die mar­kan­tes­te Rol­le hat das schlaf­lo­se re­bel­li­sche Kind (Ma­lin Kem­per) – das über­all da­bei sein möch­te. Ger­hard Bal­luch be­geis­tert als al­ter Er­fin­der Bun­sen van der Dun­kel, mit wir­rem wei­ßen Haar und kla­rem Blick für die Schlech­tig­keit der Welt – was den Greis aber nicht ab­hält, ei­nen Bund mit der Po­li­tik zu schlie­ßen, da­mit er sei­ne For­schun­gen vor­an­trei­ben kann. Der Prä­si­dent (Ma­thi­as Lodd), groß, blond, in Le­der, aber von Hus­ten ge­plagt, weiß, dass er bald ster­ben wird, und setzt sei­ne Toch­ter als Nach­fol­ge­rin ein, die aber liebt ei­nen Dich­ter. Sehr hübsch ist das Haupt­lied „Alo­ne on the Moon“.

Der heu­te 85-jäh­ri­ge El­säs­ser Un­ge­rer, der als Jun­ge „Ein Li­ter“rief, um den Hit­ler­gruß zu ver­mei­den, ist auch ein po­li­ti­scher Au­tor, aber mehr an­ar­chisch-ge­witzt als fron­tal sa­ti­risch. Die Trup­pen von gars­ti­gen Äl­plern und stu­rem Wach­per­so­nal sind zu ex­pli­zit. „Der Staat guckt uns un­ter die Ko­s­tü­me/als hät­ten wir den Ter­ror in der Un­ter­ho­se“, heißt es ein­mal und „Nie­der mit die­ser Schein­de­mo­kra­tie!“oder: „War­um tut ihr al­le nichts!“, wird das Pu­bli­kum an­ge­schrien. Nichts ge­gen po­li­ti­sche Bot­schaf­ten, auch im „eman­zi­pier­ten“Ju­gend­thea­ter, aber das hier sind zum Teil all­zu plat­te Aus­las­sun­gen. Das En­sem­ble ist gut, die Poe­sie al­ler­dings wur­de nur mit knap­per Not vor dem Agit­prop ge­ret­tet.

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