Do­nald Trumps »Miss-Uni­ver­se-Po­li­tik«

In der Au­ßen­po­li­tik agiert der Re­pu­bli­ka­ner sehr sprung­haft. Sei­ne Prä­mis­se: »Ame­ri­ka zu­erst.«

Die Presse am Sonntag - - Ausland - VON THO­MAS VIE­REG­GE

Der „New Yor­ker“hat neu­lich ei­ne Ka­ri­ka­tur auf sein Co­ver ge­rückt, das die An­ge­lo­bung Do­nald Trumps her­bei­fan­ta­siert. Er schwört da­bei auf ei­ne Bi­bel, die Wla­di­mir Pu­tin – statt Me­la­nia Trump – in den Hän­den hält. Es ist das über­spitz­te Por­trät der Kum­pa­nei des New Yor­ker Im­mo­bi­li­en­za­ren mit dem Kreml-Herrn, den er we­gen des­sen ver­meint­li­cher po­li­ti­scher Po­tenz un­ver­hoh­len be­wun­dert. Die Anne­xi­on der Krim, so sug­ge­rier­te er, wol­le er dem rus­si­schen Prä­si­den­ten, ei­nem Bru­der im Geis­te, oh­ne Kon­se­quenz durch­ge­hen las­sen. Halb im Scherz for­der­te er den rus­si­schen Ge­heim­dienst auf, Hil­la­ry Cl­in­tons omi­nö­se E-Mails ans Ta­ges­licht zu be­för­dern.

Man müs­se mit Russ­land wie­der ins Ge­schäft kom­men: So lau­tet die For­mel des Bu­si­ness-Zam­pa­nos, der al­lent­hal­ben ei­nen neu­en, für die USA vor­teil­haf­ten Deal ab­schlie­ßen will – mit Chi­na und den Nafta-Part­nern Ka­na­da und Me­xi­ko, das obend­rein selbst für den Aus­bau des Grenz­walls auf­kom­men soll. Trumps Au­ßen­po­li­tik ist nicht zu­letzt vom Prin­zip der Wirt­schaft­lich­keit be­stimmt. Dass er die Bei­stands­pflicht in der Na­to für Mit­glied­staa­ten in Schwe­be lässt, die nicht ih­ren vor­ge- schrie­be­nen Obo­lus leis­ten, ist nur ein Bei­spiel, das die Welt der Di­plo­ma­tie in Auf­re­gung ver­setzt hat. In der „New York Ti­mes“hat Ko­lum­nist Tom Fried­man schon früh über die „Miss-Uni­ver­se-Po­li­tik“des Kan­di­da­ten ge­höhnt: ei­ne Au­ßen­po­li­tik, die sich auf die Ex­per­ti­se des Miss-Ma­chers be­schränkt.

In ei­ner au­ßen­po­li­ti­schen Grund­satz­re­de im May­flower Ho­tel in Wa­shing­ton for­mu­lier­te Do­nald Trump sein Cre­do: „Ame­ri­ka zu­erst.“Da­rin Weiß Do­nald Trump, wo er hin­will? In der Au­ßen­po­li­tik hat sein Zick­zack­kurs für Ver­wir­rung ge­sorgt. Trump ori­en­tiert sich am Iso­la­tio­nis­mus. „Ame­ri­ka zu­erst“lau­tet sein Slo­gan. rus­si­schen Be­zie­hun­gen auf ein Ni­veau ge­gen­sei­ti­gen pro­duk­ti­ven In­ter­es­sen­ab­gleichs, sei ge­schei­tert, warn­te Cl­in­ton laut Reu­ters un­ter Be­ru­fung auf frü­he­re St­abs­mit­glie­der. Die­ser Ver­such, nach der feind­se­li­gen Stim­mung un­ter Prä­si­dent Ge­or­ge W. Bush rei­nen Tisch zu ma­chen, stand von An­fang an un­ter ei­nem schlech­ten Stern: Der ro­te Knopf, den Cl­in­ton im März 2009 ih­rem rus­si­schen Ge­gen­über, Ser­gej La­w­row, als Sym­bol gu­ten Wil­lens über­reich­te, war irr­tüm­lich mit dem rus­si­schen Wort für „Über­las­tung“be­schrif­tet. Der li­by­sche Ma­kel. Die ge­gen­sei­ti­ge Ab­nei­gung zwi­schen Cl­in­ton und Pu­tin ist tief. „Er hat kei­ne See­le“, unk­te sie im Jän­ner 2008. „Ein Staats­ober­haupt soll­te zu­min­dest ein Ober­haupt ha­ben“, schoss er zu­rück. Völ­lig zer­ris­sen war das Tisch­tuch im De­zem­ber 2011, als Cl­in­ton die Ma­ni­pu­la­tio­nen zu­guns­ten Pu­tins bei der Par­la­ments­wahl in Russ­land scharf an­griff. Die schwingt ein Iso­la­tio­nis­mus mit, der in den USA in Wel­len wie­der­kehrt. Kon­sis­tent und in sich schlüs­sig ist Trumps Li­nie in­des­sen nicht. Sie gleicht eher ei­nem Zick­zack­kurs. Nur ei­nes ist ge­wiss: „Die Au­ßen­po­li­tik Oba­mas und Cl­in­tons ist ein kom­plet­tes De­sas­ter.“Ge­meint ist ins­be­son­de­re der Atom­de­al mit dem Iran. Trump pocht auf ei­ne Neu­ver­hand­lung. Hat­te er erst für ei­nen Ein­rei­se­bann für Mus­li­me plä­diert, tritt er nun für ei­ne ri­go­ro­se Im­mi­gra­ti­ons­po­li­tik ein. „Hil­la­ry Cl­in­ton will die An­ge­la Mer­kel Ame­ri­kas wer­den.“

Im Sy­ri­en-Krieg for­der­te der au­ßen­po­li­ti­sche No­vi­ze ein­mal ei­nen Bom­ben­tep­pich zur Aus­rot­tung der IS-Mi­li­zen, um spä­ter von ei­nem Drit­ten Welt­krieg als Fol­ge der Au­ßen­po­li­tik Cl­in­tons zu schwa­dro­nie­ren. Ei­ne Flug­ver­bots­zo­ne wür­de un­wei­ger­lich zur Kon­fron­ta­ti­on mit Mos­kau füh­ren. Wie Trump-In­si­der be­ken­nen, sei Trump von der Macht des Prä­si­den­ten über das Ato­mar­se­nal be­ses­sen und zu­dem be­ra­tungs­re­sis­tent – mit ein Grund, war­um sich kei­ne hoch­ka­rä­ti­gen Ex­per­ten sei­nem Team an­schlos­sen. Re­pu­bli­ka­ni­sche Si­cher­heits­po­li­ti­ker schlu­gen in ei­nem of­fe­nen Brief Alarm: Trump wä­re ein „ge­fähr­li­cher Prä­si­dent“. Wahl sei we­der frei noch fair ge­we­sen. Mehr­fach gei­ßel­te sie das bru­ta­le Vor­ge­hen der rus­si­schen Si­cher­heits­kräf­te ge­gen die Op­po­si­ti­on.

Nach An­sicht vie­ler Be­ob­ach­ter war Cl­in­tons of­fe­ne Kri­tik am Kreml ein Feh­ler. Sie er­mög­lich­te Pu­tin das Stri­cken ei­nes pro­pa­gan­dis­ti­schen Nar­ra­tivs an­geb­li­cher west­li­cher Ver­schwö­run­gen ge­gen Russ­land. Und sie mach­te es dem Kreml und des­sen Nach­rich­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen wie „Rus­sia To­day“leicht, Cl­in­ton als kal­te Krie­ge­rin zu ka­ri­kie­ren, die es kaum er­war­ten kann, den Drit­ten Welt­krieg aus­zu­lö­sen. Das ist ins Reich der Fan­ta­sie zu ver­wei­sen. Ge­wiss: Der Na­to-Luft­krieg ge­gen das Re­gime des li­by­schen Dik­ta­tors, Mu­am­mar al-Gad­da­fi, den Cl­in­ton 2011 als Au­ßen­mi­nis­te­rin be­für­wor­te­te, stürz­te das Land ins Cha­os. Doch die Kri­ti­ker, die die­ses Fi­as­ko nun Cl­in­ton al­lein an­krei­den wol­len, ver­ges­sen, dass zu­erst die Ara­bi­sche Li­ga ei­ne In­ter­ven­ti­on ge­gen Gad­da­fi ge­for­dert hat. Erst nach in­ten­si­ven Be­ra­tun­gen mit ara­bi­schen Füh­rern und auf Drän­gen der Bri­ten und Fran­zo­sen stell­te Cl­in­ton sich ins La­ger der Be­für­wor­ter ei­nes Ein­grei­fens.

An­ders als Oba­ma hat­te Cl­in­ton nie Il­lu­sio­nen über Pu­tins Hand­schlag­qua­li­tät.

Lei­se Re­de, gro­ßer Prü­gel. Cl­in­ton sieht das Mi­li­tär als Mit­tel, um der Di­plo­ma­tie Glaub­wür­dig­keit zu ver­lei­hen. Ein an­schau­li­ches Bei­spiel da­für lie­fer­te sie im Ju­li 2010. An­ge­sichts des zu­se­hends im­pe­ria­lis­ti­schen Ge­ha­bes Chi­nas er­klär­te sie bei ei­ner Ta­gung der Ase­an-Mi­nis­ter in Ha­noi, die freie See­fahrt im Süd­chi­ne­si­schen Meer sei „ein na­tio­na­les In­ter­es­se“der USA. Gleich­zei­tig mach­te sie sich da­für stark, als Re­ak­ti­on auf die Ver­sen­kung der süd­ko­rea­ni­schen Kor­vet­te Che­o­n­an durch ei­nen nord­ko­rea­ni­schen Tor­pe­do den Flug­zeug­trä­ger Ge­or­ge Wa­shing­ton ins Gel­be Meer zwi­schen Nord­ko­rea und Chi­na zu schi­cken.

Die­se bei­den zeit­na­hen Hand­lun­gen mach­ten Chi­nas be­sorg­ten Nach­barn klar, dass die USA wei­ter­hin als ih­re Schutz­macht wal­tet. „Asia­ti­sche Re­gie­run­gen, die dar­auf er­picht wa­ren, Chi­nas Macht und Ein­fluss zu pa­rie­ren, be­gan­nen dar­auf­hin, sich wie­der den USA an­zu­nä­hern“, schreibt

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