ZAH­LUN­GEN

Die Presse am Sonntag - - Eco -

Bar­geld.

Rech­nun­gen über 500 Eu­ro dür­fen in Grie­chen­land nicht bar be­zahlt wer­den. Pri­vat­per­so­nen sind au­ßer­dem nach wie vor auf 420 Eu­ro Ba­res pro Wo­che be­schränkt.

Steu­er­frei­be­trä­ge.

Die­se gibt es heu­er nur auf Be­trä­ge, die elek­tro­nisch ge­zahlt wur­den. Auch das soll die Um­stel­lung auf elek­tro­ni­sche Zah­lungs­mit­tel vor­an­trei­ben. stand ver­schie­de­ner Be­völ­ke­rungs­grup­pen. Ge­ra­de ging ein mo­na­te­lan­ger Streik der An­wäl­te zu En­de. Ge­gen pro­tes­tie­ren­de Pen­sio­nis­ten muss­te Trä­nen­gas ein­ge­setzt wer­den, und bei den nach mehr­jäh­ri­gem Stopp wie­der an­lau­fen­den Zwangs­ver­stei­ge­run­gen von ver­pfän­de­ten Erst­wohn­sit­zen gibt es täg­lich Prü­gel­sze­nen.

Die Stim­mung ist al­so schlecht, doch Tsi­pras hofft auf die gro­ße wirt­schaft­li­che Trend­wen­de ge­gen Jah­res­en­de. Schon heu­er wird mit ei­nem leich­ten Wachs­tum ge­rech­net, für 2017 pro­gnos­ti­zie­ren die Re­gie­rung, aber bei­spiels­wei­se auch der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) ein Wachs­tum von 2,7 bis 2,8 Pro­zent.

Der IWF be­schei­nigt Grie­chen­land ei­ne be­ein­dru­cken­de Bud­get­kon­so­li­die­rung. Sei­ne Ex­per­ten stel­len fest, dass ei­ne wei­te­re fi­nanz­po­li­ti­sche An­pas­sung nicht mehr not­wen­dig ist. So­zia­le Fehl­ent­wick­lun­gen. Im Ge­gen­teil: Die ho­hen Steu­ern und die Ein­spa­run­gen bei den öf­fent­li­chen Aus­ga­ben be­hin­dern ih­rer An­sicht nach lang­fris­tig das Wachs­tum. Und trotz ih­res schlech­ten Ru­fes in Grie­chen­land ist es ge­ra­de die Or­ga­ni­sa­ti­on aus Wa­shing­ton, die auf gra­vie­ren­de so­zia­le Fehl­ent­wick­lun­gen im Mit­tel­meer­land hin­weist: Nur zehn Pro­zent der Ar­beits­lo­sen in Grie­chen­land be­kommt Ar­beits­lo­sen­hil­fe, und in den Spi­tä­lern ste­hen auf­grund von Bud­get­kür­zun­gen nicht ein­mal mehr Sprit­zen zur Ver­fü- gung, be­rich­te­te sie im Sep­tem­ber. Das Spar­pa­ket, so das Ur­teil, ist so­zi­al un­aus­ge­wo­gen. Auch die Pro­gno­sen zur Ent­wick­lung der Ar­beits­lo­sig­keit, der­zeit liegt sie bei 23,4 Pro­zent, sind nie­der­schmet­ternd. Die Zah­len dürf­ten bis 2050 zwei­stel­lig blei­ben, heißt es. Tat­säch­lich ist zwar die Zahl der Be­schäf­ti­gungs­lo­sen in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren um et­wa vier Pro­zent ge­sun­ken, doch das ist zu ei­nem gro­ßen Teil auf das sprung­haf­te An­stei­gen der Teil­zeit­be­schäf­ti­gung zu­rück­zu­füh­ren. Enor­me Staats­schul­den. Die Re­zep­te des IWF für ei­ne Rück­kehr zum Wachs­tum frei­lich will At­hen nur zum Teil hö­ren. Ge­mein­sam for­dert man zwar ei­nen Schul­den­schnitt an­ge­sichts der enor­men Staats­schul­den von au­gen­blick­lich rund 180 Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung und ei­ne Sen­kung der pri­mä­ren Bud­get­über­schüs­se ab 2018, um mehr Bud­get­spiel­raum zu ha­ben. Die For­de­rung nach ei­ner Sen­kung der Steu­er­frei­gren­ze aber sorgt in At­hen schon für we­ni­ger Be­geis­te­rung. Und ge­ra­de­zu all­er­gisch re­agiert man in der grie­chi­schen Re­gie­rung auf ei­ne der Haupt­for­de­run­gen der Wa­shing­to­ner Or­ga­ni­sa­ti­on: Der IWF will die Aus­wei­tung des So­zi­al­staa­tes und ei­ne Sen­kung der ho­hen Steu­er­sät­ze durch die wei­te­re Kür­zung von Pen­sio­nen fi­nan­zie­ren. Das aber ist für Pre­mier Al­exis Tsi­pras po­li­tisch kaum durch­setz­bar – und ein si­che­res Re­zept für ei­ne Nie­der­la­ge bei den nächs­ten Wah­len.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.