Spiel­raum

EIN STEIL­PASS IN DIE TIE­FE DES SPORTS

Die Presse am Sonntag - - Sport -

Ru­dolf Hund­stor­fer ist neu­er Prä­si­dent der Bun­des­sport­or­ga­ni­sa­ti­on. Sie ist die höchs­te In­sti­tu­ti­on im rot-weiß­ro­ten Sport, soll als ge­mein­nüt­zi­ge In­sti­tu­ti­on lan­des­wei­te Sport­in­ter­es­sen be­die­nen – und kei­nes­wegs als po­li­ti­sches Pos­ten­be­set­zungs­in­stru­ment oder rein sport­po­li­ti­sches Spar­schwein miss­ver­stan­den sein. Dass mit dem ehe­ma­li­gen So­zi­al­mi­nis­ter und Kan­di­da­ten für die Bun­des­prä­si­den­ten­wahl ein Po­li­ti­ker die­sen Pos­ten über­nimmt, mag frei­lich eh­ren­amt­lich un­ter­mau­ert sein. Es mu­tet je­doch ob sei­ner durch die Bank SPÖ­na­hen Vor­gän­ger und des wei­ter­hin ver­wirk­lich­ten Fort­be­stan­des des von der Gro­ßen Ko­ali­ti­on ge­pfleg­ten Pro­porz­sys­tems auch et­was ir­ri­tie­rend an.

Po­li­tik soll­te im Sport nichts ver­lo­ren ha­ben, die­sen from­men Wunsch hört man in Ös­ter­reich so oft. Zu­letzt be­müh­te Sport­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil die­ses Kla­ge­lied. Doch ob es ihm ge­lin­gen wird, sei­ne Par­tei­freun­de, de­nen der ös­ter­rei­chi­sche Sport ja so am Her­zen liegt, auf die­sen Kurs ein­zu­schwö­ren mit der Ab­ga­be al­ler För­der­mit­tel über 120 Mil­lio­nen Eu­ro an ei­ne ver­meint­lich un­ab­hän­gi­ge Sport-Ges­mbH oder -Stif­tung, bleibt vor­erst nur ein Vor­ha­ben. Es wer­den sich schon noch Pro­tes­te und In­ter­ven­tio­nen de­rer meh­ren, die um Pf­rün­de, För­der­töp­fe und Ver­wal­tungs­pos­ten ban­gen. Was in die­sem Fall so be­son­ders ist? Da sind dann ge­wiss al­le Cou­leurs tun­lichst flott dar­um be­müht, ja nichts zu ver­lie­ren.

Was kann Hund­stor­fer tun re­spek­ti­ve was muss er bes­ser ma­chen als sei­ne Vor­gän­ger, um dem Sport mehr Stel­len­wert in der Ge­sell­schaft oder gar mehr Geld zu be­sche­ren? Er muss die Träg­heit des Sys­tems auf­bre­chen, da­für sor­gen, dass 60 Fach­ver­bän­de samt drei­er Dach­ver­bän­de (Askö, As­vö, Uni­on) – auch wenn es manch Funk­tio­när par­tout nicht wahr­ha­ben will – ef­fi­zi­en­ter ar­bei­ten; im Sinn des Sports.

Hund­stor­fer könn­te Ge­schich­te schrei­ben als der­je­ni­ge, des­sen An­ru­fe beim Kanz­ler für­wahr Ge­wicht ha­ben bei der Wei­chen­stel­lung für neue Ge­set­ze. Des­sen Vor­stö­ße nicht ab­ge­würgt wer­den mit dem Ver­spre­chen ei­nes nie er­fol­gen­den Rück­ru­fes. Punk­to In­fra­struk­tur ist Ös­ter­reich noch ein wei­tes, un­be­stell­tes Land. Wun­der­bar wä­re ein ge­schlos­se­ner Auf­tritt ge­gen­über der Bil­dungs­mi­nis­te­rin, da­mit sie Sport end­lich in das lan­des­wei­te Pro­gramm auf­nimmt.

Im ös­ter­rei­chi­schen Sport wird man al­so schnel­ler Prä­si­dent, als man glau­ben mag. Der Job ist kei­nes­wegs leicht, wenn man ihn ernst neh­men will. Man muss die Staats­meis­ter im „Hack­l­weit­wurf, Dampf­plau­dern und Schul­ter­klop­fen“ken­nen, die Herr­schaf­ten durch­schau­en. Hund­stor­fer hat da ge­wiss Übung, ÖGB und So­zi­al­mi­nis­te­ri­um könn­ten her­vor­ra­gen­de Trai­nings­an­la­gen ge­we­sen sein. Ob aber ge­nau das für den ös­ter­rei­chi­schen Sport hilf­reich ist?

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