Clowns wir­ken schon bei Ba­bys

In zwei Wie­ner KrŻn­kenh´usern hŻt mŻn herŻus­ge­fun©en, ©Żss schon Kin©er mit ©rei ãis 24 MonŻ­ten po­si­tiv Żuf ei­nen Be­such ©er Ro­ten Na­sen Clown­doc­tors reŻgie­ren. Sie kön­nen Ängs­te un© ©en Stress ei­ner Ho­s­pitŻ­li­sie­rung lin©ern.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA RICH­TER

Stra­hi­n­ia, ein zar­tes Mäd­chen mit zehn Mo­na­ten, wirkt ein we­nig ver­lo­ren in dem gro­ßen Kran­ken­zim­mer. Jetzt hat sie Be­such: „ko­mi­sche“Leu­te mit gro­ßen ro­ten Na­sen. Das Ba­by weiß nicht so recht, was die Spaß­ma­cher von ihm wol­len. Eng ku­schelt es sich in die Ar­me der Mut­ter, die gleich zu la­chen be­ginnt. Ganz zag­haft kommt nun auch Stra­hi­n­i­as ers­tes Lä­cheln, und bald hat sie die Ro­ten Na­sen Clown­doc­tors sicht­bar in ihr Herz ge­schlos­sen, hat Ver­trau­en zu den Clowns ge­fasst.

„Gro­ße und klei­ne Pa­ti­en­ten ha­ben gro­ßes Ver­trau­en uns ge­gen­über“, sagt Mar­tin Ko­tal, künst­le­ri­scher Lei­ter der Ro­ten Na­sen. Na­tür­lich ist da die Angst, dass die so­ge­nann­ten Hor­rorc­lowns, die der­zeit durch die Me­di­en geis­tern, das grund­sätz­lich po­si­ti­ve Bild der Clowns ge­fähr­den könn­ten. „Hor­rorc­lowns ge­fähr­den mit ih­rem un­ver­ständ­li­chen Tun die Ar­beit von Tau­sen­den Clown­doc­tors auf der gan­zen Welt, die La­chen und Le­bens­freu­de in Kran­ken­häu­ser brin­gen.“

Da­bei re­agie­ren schon die Kleins­ten po­si­tiv auf die Spaß­ma­cher. „El­tern spie­len ei­ne sehr wich­ti­ge Rol­le, wie Säug­lin­ge und Ba­bys auf die frem­den Men­schen mit den ro­ten Na­sen re­agie­ren. Das er­gab un­se­re Stu­die, die wir im Do­nau- und im Wil­hel­mi­nen­spi­tal mit drei bis 24 Mo­na­te al­ten hos­pi­ta­li­sier­ten Kin­dern ge­macht ha­ben“, sagt Psy­cho­lo­gin und Stu­di­en­lei­te­rin Gabriela Mar­ko­va, bei den Ro­ten Na­sen In­ter­na­tio­nal für den Be­reich For­schung ver­ant­wort­lich. Die Stu­die, ei­ne Ko­ope­ra­ti­on von Uni­ver­si­tät Wi­en und Ro­ten Na­sen Clown­doc­tors, un­ter­such­te die früh­kind­li­che Re­ak­ti­on von frem­dem Hu­mor, al­so Hu­mor von nicht ver­trau­ten Per­so­nen. „Wäh­rend der Clown­vi­si­ten schau­ten die Klei­nen sehr oft zu ih­ren El­tern. Lach­ten die, lach­ten auch die Kin­der mehr.“

So tut es auch der klei­ne Jan. Wie­wohl der acht Mo­na­te al­te Bub von An­fang an kaum Be­rüh­rungs­ängs­te zeigt. Sei­ne gro­ßen brau­nen Au­gen strah­len gleich, als die bei­den Clowns Ha­rald und Liesl-Ri­bisl lang­sam bei der Tür her­ein­mar­schie­ren. „Lang­sam“, sagt Clown Ha­rald, „denn Her­ein­plat­zen wür­de vie­len Ba­bys und Klein­kin­dern Angst ma­chen.“Bei der 14 Mo­na­te al­ten Isa­bell et­wa ge­hen die bei­den gar nicht ins Kran­ken­zim­mer, son­dern ma­chen ih­re Scher­ze vor der of­fe­nen Tür: sin­gen, spie­len, bla­sen Sei­fen­bla­sen in die Luft. Isa­bell klam­mert sich noch fes­ter an ih­re Mut­ter, dreht sich an­fangs ver­schüch­tert von den Clowns weg. Doch schon bald siegt die Neu­gier­de, und sie be­ob­ach­tet das Spiel der bei­den mit gro­ßen, weit auf­ge­ris­se­nen Au­gen. Als die Clowns dann ge­hen, weint das Mäd­chen. „Das kommt im­mer wie­der vor, dass die Kin­der wei­nen, wenn wir weg sind“, er­zählt Clown Ha­rald. Auch Säug­lin­ge pro­fi­tie­ren. Neu­es­te For­schungs­er­geb­nis­se deu­ten dar­auf hin, dass Ba­bys schon ab drei Mo­na­ten Hu­mor in In­ter­ak­ti­on mit den El­tern er­fah­ren und dass Hu­mor bei Kin­dern im Kran­ken­haus po­si­ti­ve Aus­wir­kun­gen hat und Ängs­te lin­dert. „Wir neh­men an, dass Hu­mor so­gar im Säug­lings­al­ter den Stress, den ei­ne Ho­s­pi­ta­li­sie­rung nach sich zieht, min­dern könn­te“, so Psy­cho­lo­gin Mar­ko­va.

„Die meis­ten Kin­der mö­gen die Clowns, als Be­dro­hung hat sie noch kein ein­zi­ger der klei­nen Pa­ti­en­ten emp­fun­den, uns Ärz­te eher schon“, meint Tho­mas Fri­scher, Lei­ter der Ab­tei­lung für Kin­der- und Ju­gend­heil­kun- de im Wil­hel­mi­nen­spi­tal. „Die Clowns brin­gen die Kin­der aus ei­ner ver­zwei­fel­ten Si­tua­ti­on her­aus. Denn die Klei­nen ver­ste­hen ja nicht, war­um sie da sein müs­sen.“Man set­ze die Clowns bei et­was grö­ße­ren Kin­dern auch sehr gern bei angst­be­setz­ten The­ra­pi­en und Un­ter­su­chun­gen ein. „Wich­tig ist da­bei, dass die Clowns ein­be­zo­gen wer­den, be­vor es et­wa zum Dra­ma Sprit­ze kommt. Die Kin­der sind dann viel ge­las­se­ner, ha­ben weit we­ni­ger Angst, las­sen sich die Sprit­ze oft an­stands­los ge­ben.“An­dern­falls pas­sie­re es häu­fig, dass Kin­der ein­fach da­von­lau­fen.

Der ein­jäh­ri­ge Ar­thur kam nach ei­nem Sturz mit ei­ner klaf­fen­den Wun­de auf der Stirn ins Spi­tal. Bald ist ihm fad. „Ar­thur braucht viel Ac­tion“, sagt die Mut­ter. Die Clowns sind ei­ne will­kom­me­ne Ab­wechs­lung. Nach kür­zes­ter Zeit der An­bah­nung spielt der auf­ge­weck­te Bub mit den bei­den und quietscht zeit­wei­se vor Ver­gnü­gen. Auch Ha­rald und Liesl-Ri­bisl macht es sicht­lich Spaß. „Es ist ein­fach ein schö­ner, er­fül­len­der Job.“

Clowns brin­gen aber nicht nur zum La­chen und ma­chen fröh­lich, sie ver­mit­teln auch ein Ge­fühl der Ver­bun­den­heit. Das er­gab ei­ne ak­tu­el­le Stu­die der Uni­ver­si­tät Zü­rich und der Ro­te Na­sen Clown­doc­tors im AUVA-Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­zen­trum Bad Hä­ring (Ti­rol), die sich erst­mals mit der Fra­ge be­schäf­tig­te: Wel­che Emo­tio­nen ge­nau lö­sen Clowns bei er­wach­se­nen Kran­ken­haus­pa­ti­en­ten aus, wel­che Ge­füh­le wer­den von Pa­ti­en­ten er­lebt und be­schrie­ben. We­nig über­ra­schend war, dass der Groß­teil der Be­frag­ten Er­hei­te­rung emp­fand. „Be­schrie­ben wur­de das mit La­chen, Be­lus­tigt­sein, Frech­sein, Flirten mit Leu­ten“, er­klärt Stu­di­en­lei­te­rin Sa­rah Au­er­bach.

Mit ei­nem spe­zi­el­len Sys­tem (fa­ci­al ac­tion co­ding sys­tem) wur­de er­mit­telt, ob es sich bei dem Lä­cheln der Pa­ti­en­ten um ein ech­tes oder höf­lich­keits­hal­ber auf­ge­setz­tes han­del­te. In den al­ler­meis­ten Fäl­len war das Lä­cheln echt. Ein Ver­gleich Clowns zu Kran­ken­schwes­tern brach­te an den Tag: Auch wenn die Kran­ken­schwes­ter die glei­chen Sym­pa­thie­wer­te hat, beim Clown lä­cheln die meis­ten Men­schen öf­ter.

Der Clown ge­winnt auch bei Wei­tem, wenn es um die Tran­szen­denz geht, wo­mit ein Ge­fühl der Ver­bun­den­heit ge­meint ist. Die meis­ten Pa- ti­en­ten füh­len sich mit den Spaß­ma­chern ver­bun­den, Wor­te wie „wert­ge­schätzt füh­len“, „pri­vi­le­giert füh­len“, „sich stark be­schenkt füh­len“fie­len. „Die Kom­bi­na­ti­on von Er­hei­te­rung und Ver­bun­den­heit er­zeugt am bes­ten po­si­ti­ve Ge­füh­le“, weiß Au­er­bach. Im Zir­kus bei­spiels­wei­se sei­en Be­su­cher bei Clown­auf­trit­ten „nur“er­hei­tert, das Ge­fühl der Ver­bun­den­heit feh­le gänz- lich. Doch die­se kur­ze Be­zie­hung, die Pa­ti­ent und Clown auf­bau­en, sei wis­sen­schaft­lich hoch in­ter­es­sant. Schon Patch Adams sprach von der Kom­bi­na­ti­on von „Hu­mor und Lie­be“. Ob das auch den Hei­lungs­pro­zess be­schleu­nigt, wur­de noch nicht ge­nug wis­sen­schaft­lich un­ter­sucht. „An­zu­neh­men ist es aber auf al­le Fäl­le“, sind sich die meis­ten For­scher ei­nig.

Clowns im SpitŻl mŻchen fröh­lich un© ver­mit­teln Żuch ein Ge­fühl ©er Verãun©en­heit.

KŻt­hŻ­rinŻ Roßãoth

Ein klei­ner Pa­ti­ent be­ob­ach­tet Ha­rald und Liesl-Ri­bisl von den Ro­ten Na­sen Clown­doc­tors.

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