Wenn El­tern NSA spie­len

Mit Über­wa­chungs­apps kön­nen El­tern al­les, was ih­re Kin­der mit dem Smart­pho­ne an­stel­len, aus­spio­nie­ren. Das geht weit über das Lo­ka­li­sie­ren per GPS hin­aus.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON MA­NU­EL REINARTZ

„Pa­pa, wann be­kom­me ich ein Han­dy?“Ir­gend­wann zwi­schen der ers­ten und vier­ten Klas­se Volks­schu­le müs­sen sich El­tern die­ser Fra­ge stel­len. Klas­si­scher Nach­satz der Kin­der: „Der/Die XY hat auch schon ei­nes.“Kaum ist das Smart­pho­ne an­ge­schafft, tau­chen ne­ben Ta­rif und Da­ten­vo­lu­men wei­te­re weit schwie­ri­ge­re Fra­gen auf. Was darf mein Kind al­les mit dem Han­dy ma­chen? Im Netz sur­fen? Whats­App nut­zen? Apps in­stal­lie­ren? Wel­che Kre­dit­kar­te wird hin­ter­legt? Wie kon­trol­lie­re ich die Kos­ten? Die meis­ten Smart­pho­ne­her­stel­ler bie­ten ei­nen so­ge­nann­ten Kin­der­mo­dus. Da­mit las­sen sich Funk­tio­nen und Apps ge­zielt de­ak­ti­vie­ren. Die Mo­bil­funk­an­bie­ter wie­der­um stel­len mitt­ler­wei­le Sys­te­me zur Kos­ten­kon­trol­le zur Ver­fü­gung.

Al­ler­dings weiß man da­durch noch nicht, mit wem die Kin­der wie und was kom­mu­ni­zie­ren. Das ist ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Ge­fahr. Cy­ber­mob­bing ist seit Jah­res­be­ginn ein Straf­tat­be­stand und mit bis zu drei Jah­ren Haft be­droht. Aber wie kon­trol­liert man die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Kin­der? Spio­na­ge-Apps. Der­zeit gibt es rund 20 An­bie­ter für Han­dy­über­wa­chungs­apps. Kos­ten­los ist kei­ne. Das Über­wa­chen der Kin­der kos­tet bis zu 34 Eu­ro pro Mo­nat und Ge­rät. Pro­fiapps wie Spy­e­ra und Fl­exis­py bie­ten da­für ei­nen Leis­tungs­um­fang mit NSA-Qua­li­tä­ten und wer­den an­geb­lich auch von Pri­vat­de­tek­tei­en und Re­gie­rungs­be­hör­den ver­wen­det. Das Smart­pho­ne der Kin­der wird zum of­fe­nen Buch. Die Or­tung via GPS wirkt da­bei schon fast lä­cher­lich. El­tern kön­nen li­ve Te­le­fo­na­te mit­hö­ren oder auf­zeich­nen, in Kon­tak­ten stö­bern, Whats­App-, Snapchat- oder Face­book-Kon­ver­sa­tio­nen mit­le­sen oder die Han­dy­ka­me­ra und das Mi­kro ak­ti­vie­ren. Und das al­les, oh­ne dass es die Kin­der mit­be­kom­men. Denn Fl­exis­py und Spy­e­ra lau­fen, so wie nur we­ni­ge an­de­re Apps, gut ver­steckt im so­ge­nann­ten Ste­alth­mo­dus. Es gibt al­so im Hin­ter­grund kein Ap­psym­bol oder Ähn­li­ches, al­les ist völ­lig un­auf­fäl­lig.

Frag­lich bleibt bei die­sen Apps, wo der Schutz der Kin­der en­det und ei­ne Ver­let­zung der Men­schen­wür­de be­ginnt. Recht­lich ist die­se Gren­ze un­scharf. Und ei­ner Sa­che muss man sich be­wusst sein: Die Da­ten der Kin­der lan­den auf ei­nem US-Ser­ver.

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