He­li­ko­pter nicht nach­kom­men

Die Presse am Sonntag - - Leben -

stru­men­te zur Zer­streu­ung: Fern­se­hen (päd­ago­gisch über­wacht, den­noch 90 Pro­zent Ramsch), iPad („wert­vol­le“Apps sind kein Dau­er­bren­ner, Ramsch ist ge­fragt), El­tern, die streng auf qua­li­ty ti­me mit ih­ren Kin­dern ach­ten.

Für Lan­ge­wei­le bleibt ei­gent­lich kei­ne Zeit. Und Frei­raum ist zu­min­dest räum­lich be­grenzt. Un­ten auf der Gas­se ist Platz für Au­tos, aber nicht für Kin­der, Gstättn gibt es kei­ne mehr, die Parks sind Hun­de­zo­nen und Spiel­plät­ze in schüt­zen­der Er­wach­se­nen­hand. Da scheint es lo­gisch, dass das In­ter­net zu­neh­mend die Gstättn wird, in der Kin­der ih­re Aben­teu­er er­le­ben. Wenn es Youtu­be-Fol­gen von der „Sen­dung mit der Maus“nicht mehr tun, wer­den sich El­tern wohl nach Fil­tern er­kun­di­gen, um den vir­tu­el­len Raum et­was ab­zu­ste­cken. (Die Ver­wahr­lo­sung fin­det heu­te im di­gi­ta­len Raum statt, weit­aus un­be­merk­ter als in frü­he­ren For­men.)

Flappt da schon der He­li­ko­pter? Es ist schon auf­fal­lend, dass sich in Kin­der­zo­nen so vie­le Er­wach­se­ne her­um­trei­ben, die gu­te El­tern sein wol­len. He­li-El­tern sind da noch harm­los, wenn die un­ver­meid­li­chen Kampf­je­tEl­tern am Him­mel krei­sen – wo im­mer sie die ge­rings­te Be­nach­tei­li­gung ih­rer Kin­der wit­tern, wird im Sturz­flug anund ein­ge­grif­fen. Al­lein zu Hau­se. Was könn­te es Kin­dern scha­den, in Rund­um­be­hü­tung auf­zu­wach­sen? Ni­co­la wei­tet ih­re Krei­se mit gro­ßem Ehr­geiz aus: Bil­la, Bä­cker, Freun­din Li­na. Ih­re drei Din­ge, die sie am liebs­ten tut: Rad­fah­ren, Freun­din­nen tref­fen – und al­lein zu Hau­se sein. Sie ist süch­tig nach ei­ge­nen Er­fah­run­gen. Bald wird sie den el­ter­li­chen He­li­ko­pter ab­schüt­teln wie ei­ne Mon­dra­ke­te. Für ih­re zu­neh­men­de Selbst­stän­dig­keit ist sie zu­min­dest gut trai­niert.

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