»Oz ist ein ganz gro­ßer Held«

Bei der Ver­fil­mung von Amos Oz’ »Ei­ne Ge­schich­te von Lie­be und Fins­ter­nis« führ­te Os­car-Preis­trä­ge­rin Na­ta­lie Port­man erst­mals bei ei­nem Ki­no­film Re­gie. Wel­che Schwie­rig­kei­ten sie da­bei hat­te, er­zählt sie im In­ter­view mit der »Pres­se am Sonn­tag«.

Die Presse am Sonntag - - Menschen - VON PATRICK HEID­MANN

Be­reits als 13-Jäh­ri­ge er­ober­te Na­ta­lie Port­man in „Le­on´ – Der Pro­fi“die Her­zen der Ki­no­gän­ger und Kri­ti­ker, seit­her ge­hört sie zu den er­folg­reichs­ten Schau­spie­le­rin­nen ih­rer Ge­ne­ra­ti­on. Im­mer wie­der ge­lingt der in Is­ra­el ge­bo­re­nen Ame­ri­ka­ne­rin der Spa­gat zwi­schen Block­bus­tern wie „Star Wars“und an­spruchs­vol­lem Ki­no von Re­gis­seu­ren wie Mi­ke Ni­chols („Haut­nah“) oder Wong Kar-Wai („My Blu­e­ber­ry Nights“). Für Dar­ren Aro­n­ofs­kys „Black Swan“wur­de sie 2011 mit dem Os­car aus­ge­zeich­net. Be­vor sie die­sen Win­ter als Prä­si­den­ten­wit­we in „Ja­ckie“er­neut ins Os­car-Ren­nen geht, prä­sen­tiert Port­man mit der Amos-Oz-Ver­fil­mung „Ei­ne Ge­schich­te von Lie­be und Fins­ter­nis“nun ihr Re­gie­de­büt. Miss Port­man, nach über 20 Jah­ren als Schau­spie­le­rin ha­ben Sie mit „Ei­ne Ge­schich­te von Lie­be und Fins­ter­nis“erst­mals ei­nen Spiel­film in­sze­niert. War­um ha­ben Sie sich da­für ge­ra­de die­sen au­to­bio­gra­fi­schen Ro­man von Amos Oz aus­ge­sucht? Na­ta­lie Port­man: Weil ich ein­fach be­ses­sen bin von die­sem Buch. Das ers­te Mal ge­le­sen ha­be ich es vor et­wa neun Jah­ren und es für im­mer in mein Herz ge­schlos­sen. Die Art und Wei­se, wie Oz von Spra­che er­zählt, kon­kret von der he­bräi­schen Spra­che, ist un­fass­bar poe­tisch und enorm vi­su­ell. Gleich­zei­tig fas­zi­nier­te mich, je mehr ich mich mit der Ge­schich­te aus­ein­an­der­setz­te, aber auch die Mut­ter-Sohn-Dy­na­mik. Fass­ten Sie schon da­mals den Ent­schluss, bei ei­ner Ver­fil­mung Re­gie zu füh­ren? Ich wuss­te gleich, dass ich die­se Ge­schich­te als Film auf die Lein­wand brin­gen woll­te. Ich traf mich mit ein paar Dreh­buch­au­to­ren, aber je mehr ich mich da­mit be­schäf­tig­te, des­to mehr reif­te die Idee in mir, dass ich sie selbst ad­ap­tie­ren könn­te. Und wäh­rend ich das tat, ent­stand nach und nach der Ge­dan­ke, dass dies nach mei­nen Kurz­fil­men viel­leicht die bes­te Ge­le­gen­heit sein könn­te, mei­nen ers­ten lan­gen Film zu in­sze­nie­ren. Dass Amos Oz so groß­zü­gig war, mir die Ge­le­gen­heit da­zu zu ge­ben, macht mich sehr dank­bar. Was be­deu­tet Ih­nen Oz? Er ist ei­ner mei­ner ganz gro­ßen Hel­den, kei­ne Fra­ge. Schon al­lein weil er ei­ner der Mit­be­grün­der von Scha­lom Ach­schaw ist, der au­ßer­par­la­men­ta­ri­schen Frie­dens­be­we­gung in Is­ra­el. Leu­te wie er sind so wich­tig, ge­ra­de in Zei­ten wie die­sen. Aber ganz ab­ge­se­hen da­von ist er na­tür­lich als Schrift­stel­ler ei­ner der ganz, ganz gro­ßen. Al­lein „Ei­ne Ge­schich­te von Lie­be und Fins­ter­nis“hat schließ­lich Tol­stoi’sche Aus­ma­ße. Was ja für ein Re­gie­de­büt auch ei­ni­ger­ma­ßen Re­spekt ein­flö­ßend sein kann, oder? Selbst­ver­ständ­lich, ich hat­te rich­tig Bam­mel vor die­ser Auf­ga­be. Aber gleich­zei­tig gibt es na­tür­lich kein grö­ße­res Ge­schenk, als aus die­sem Qu­el­len­ma­te­ri­al schöp­fen zu kön­nen. Sie ha­ben nicht nur die Re­gie, son­dern auch die Haupt­rol­le über­nom­men. War es schwie­rig, sich selbst zu in­sze­nie­ren? Ur­sprüng­lich hat­te ich es gar nicht vor. Ich woll­te ei­ne an­de­re Schau­spie­le­rin für die Rol­le fin­den, aber letzt­lich bin ich ganz froh, dass ich sie doch selbst über­nom­men ha­be. Zum ei­nen ist es ein Vor­teil, dass man als Re­gis­seur schon mal ei­ner Per­son we­ni­ger er­klä­ren muss, was man will. Aber zum an­de­ren fand ich es in­ter­es­san­ter­wei­se auch hilf­reich in der Ar­beit mit den an­de­ren Schau­spie­lern. Da­durch, dass ich selbst mit ih­nen vor der Ka­me­ra stand, hat­te ich un­mit­tel­ba­ren Zu­griff auf sie, um es mal so aus­zu­drü­cken.

1981

wur­de Na­ta­lie Port­man als Toch­ter ei­nes Is­rae­lis und ei­ner Ame­ri­ka­ne­rin in Je­ru­sa­lem ge­bo­ren.

1994

wur­de sie mit 13 Jah­ren durch ih­re Rol­le in Luc Bes­sons „L´eon – Der Pro­fi“schlag­ar­tig be­kannt. Es folg­ten Er­folgs­fil­me wie „Heat“, „Star Wars“, „Gar­den Sta­te“, „Haut­nah“und „V wie Ven­det­ta“.

2011

be­kam sie für ih­re Haupt­rol­le in Dar­ren Aro­n­ofs­kys „Black Swan“den Os­car und den Gol­den Glo­be. Die Ar­beit mit den Schau­spie­lern war aber si­cher beim In­sze­nie­ren nicht die größ­te Her­aus­for­de­rung, oder? Nein, denn na­tür­lich war mir die­ser Aspekt der ver­trau­tes­te. Am un­ge­wohn­tes­ten wa­ren si­cher­lich die Vor­be­rei­tungs­pha­se und spä­ter die Post­pro­duk­ti­on. Ein­fach weil das völ­li­ges Neu­land war. Die Ar­beit im Schnei­de­raum zum Bei­spiel fand ich enorm span­nend, denn da ha­be ich noch viel in­ten­si­ver als bei den Kurz­fil­men in der Pra­xis er­lebt, wie ein Film sich ver­än­dert, nur in­dem man Klei­nig­kei­ten an­ders zu­sam­men­setzt. Gab es Aspek­te an der Re­gie­ar­beit, die Sie über­rascht ha­ben? Am meis­ten ver­mut­lich der Um­gang mit Film­mu­sik. An­fangs hat­te ich ein ziem­lich kla­res Bild da­von, wel­che Mu­sik ich für den Film woll­te. Doch das, was ich ge­fühls­mä­ßig im Kopf hat­te, drück­te mu­si­ka­lisch das Glei­che aus, was ich auch in mei­nen Bil­dern trans­por­tie­re – und als wir das zu­sam­men­füg­ten, merk­te ich, dass das viel zu viel des Gu­ten war. Dass ich da vom In­stinkt her so falsch ge­le­gen war, hat mich rich­tig er­schreckt. Es war mein Glück, ei­nen so tol­len Kom­po­nis­ten wie Nick Bri­tell an mei­ner Sei­te zu ha­ben. Sie ha­ben in Ih­rer Kar­rie­re mit zahl­rei­chen der größ­ten Re­gis­seu­re un­se­rer Zeit ge­ar­bei­tet, von Ter­rence Malick über Micha­el Mann, von Wes An­der­son bis Ken­neth Bra­nagh. Bei wem ha­ben Sie sich die größ­te Schei­be ab­ge­schnit­ten? Puh, da kann ich nicht ei­nen Ein­zel­nen her­vor­he­ben. Mehr als ein­mal dach­te ich beim Dreh zu „Ei­ne Ge­schich­te von Lie­be und Fins­ter­nis“, dass ich wirk­lich über­for­dert wä­re als Re­gie­de­bü­tan­tin, wenn ich nicht als Schau­spie­le­rin schon so oft all die­sen Meis­tern hät­te über die Schul­tern schau­en kön­nen. Denn na­tür­lich ha­be ich mir bei vie­len von ih­nen et­was ab­ge­schaut. Dann nen­nen Sie doch mal ein Bei­spiel. Neh­men wir Dar­ren Aro­n­ofs­ky. Von dem ha­be ich ge­lernt, wie wich­tig es ist, dass man sich auf je­den Schau­spie­ler an­ders ein­stellt. Man kann nicht mit al­len auf die glei­che Wei­se spre­chen, denn ei­ni­ge brau­chen Lob und Un­ter­stüt­zung, um Best­leis­tung ab­zu­lie­fern, an­de­re re­agie­ren be­son­ders gut auf Kri­tik. Für die Ar­beit mit Ter­ry Malick bin ich so dank­bar, weil er mir vor Au­gen ge­führt hat, dass es beim Film kei­ne Re­gel gibt, die man nicht bre­chen darf. Und Mi­ke Ni­chols war ein­fach der Größ­te, der wie kein an­de­rer ver­in­ner­licht hat­te, dass man für kei­nen Mo­ment und kein Wort die Ge­schich­te sei­ner Figur aus dem Au­ge ver­lie­ren darf. Apro­pos Ge­schich­te der Figur: Wür­den Sie denn sa­gen, dass die von Oz be­schrie­be­ne Zeit der is­rae­li­schen Staats­grün­dung auch et­was mit Ih­nen per­sön­lich als ge­bür­ti­ger Is­rae­lin zu tun hat? Selbst­ver­ständ­lich ist sei­ne Ge­schich­te weit weg von mei­ner ei­ge­nen. Ich bin in ei­ner voll­kom­men an­de­ren Zeit ge­bo­ren, un­ter sehr viel leich­te­ren Um­stän­den. Aber trotz­dem spü­re ich ei­nen star­ken Be­zug da­zu. So vie­le der be­schrie­be­nen Er­fah­run­gen ken­ne ich selbst. Wie es ist, ei­ne Mut­ter zu sein. Oder auch ei­ne Im­mi­gran­tin. Und an­de­re in mei­nem Um­feld tei­len noch sehr viel kon­kre­te­re Er­fah­run­gen mit Oz. Nicht zu­letzt des­we­gen war es mir so wich­tig, den Film auf He­brä­isch und in Is­ra­el zu dre­hen. Mein Va­ter ist in Is­ra­el ge­bo­ren, ich bin dort ge­bo­ren. Nun hat­te ich mei­nen klei­nen Sohn da­bei, als mein Film dort ge­bo­ren wur­de. Das war et­was sehr Be­son­de­res.

Reu­ters

nur Re­gie, die Os­car-Preis­trä­ge­rin führ­te Na­ta­lie Port­man nicht In der Amos-Oz-Ver­fil­mung über­nahm auch gleich die Haupt­rol­le.

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