Rausch der Farben und For­men

Die Presse am Sonntag - - Kultur -

Al­ter­na­ti­ves An­le­gen kann auch äs­the­ti­schen Mehr­wert ins Haus brin­gen. In die­sem Sinn: Die vier­te in­ter­na­tio­na­le Auk­ti­ons­wo­che des Do­ro­the­ums im Jahr 2016 steht im Zei­chen der mo­der­nen und zeit­ge­nös­si­schen Kunst. Marc Cha­galls Öl­ge­mäl­de „Fleurs“aus dem Jahr 1924, eher ei­ne Hom­mage an die Na­tur als ein Still­le­ben, ist ei­nes der Hö­he­punk­te der Auk­ti­on Klas­si­sche Mo­der­ne am 23. No­vem­ber. Das Ge­mäl­de ist ein be­son­ders at­trak­ti­ves Bei­spiel von Na­tur­stu­di­um und ei­ner Abs­trak­ti­on und Fi­gu­ra­ti­on ver­bin­den­den Mal­wei­se. Wenn er ein Bou­quet ma­le, sag­te Cha­gall, dann sei es, als wür­de er ei­ne Land­schaft ma­len.

Die ge­ball­te Kraft und Ener­gie des Fu­tu­ris­mus scheint wie ver­dich­tet auf dem um 1929 ent­stan­de­nen qua­dra­ti­schen Werk „Va­lo­ri plas­ti­ci“von Gi­a­co­mo Bal­la. Spit­zen­wer­ke des frü­hen 20. Jahr­hun­derts kom­men dies­mal von Max Ernst, Otto Mu­el­ler, Paul Klee, Gior­gio de Chi­ri­co, Karl Ho­fer oder Fran­cis Pica­bia.

Klin­gen­de Na­men

Hoch­ka­rä­tig be­stückt zeigt sich auch die Do­ro­the­um-Auk­ti­on mit zeit­ge­nös­si­scher Kunst am 22. No­vem­ber: Car­la Ac­car­di, Ago­s­ti­no Bo­nalu­mi, Pao­lo Scheg­gi oder Gui­sep­pe Un­ci­ni sind un­ter den ita­lie­ni­schen Of­fer­ten zu fin­den, dar­un­ter auch ei­ne Ar­beit von Ta­no Fes­ta oder poe­ti­sche Wer­ke von Pier Pao­lo Cal­zo­la­ri. Her­bert Zangs, Adolf Lu­ther und Gün­ter Ue­cker ver­tre­ten die deut­sche Kunst des Ze­ro. Bei­de Auk­ti­ons­tei­le ver­sam­meln Ar­bei­ten von klin­gen­den Na­men der jün­ge­ren Kunst­ge­schich­te wie Ro­bert Lon­go, Ro­bert Rau­schen­berg, An­dy War­hol, Ro­bert Lon­go, Ilya Ka­ba­kov, Chuck Clo­se . . . So­wohl bei den Auk­tio­nen zeit­ge­nös­si­scher Kunst als auch bei der Klas­si­schen Mo­der­ne fin­den sich auch Spit­zen­wer­ke von ös­ter­rei­chi­schen Künst­lern, dar­un­ter Ma­ria Lass­nig, Franz West und Otto Mu­ehl.

In­spi­rier­te Ar­beits­wei­se

Al­len vor­an ran­giert Ar­nulf Rai­ners Ge­mäl­de „Zen­tral­ge­stal­tung“von 1951 – der Zeit, als der vom Sur­rea­lis­mus be­ein­fluss­te jun­ge Ma­ler, Mit­glied der so­ge­nann­ten Hunds­grup­pe, mit TRRR si­gnier­te. Auf der Su­che nach ei­ner neu­en Bild­spra­che be­gann er „blind“im Geist zu zeich­nen. Die­se Zei­chen­ges­ten stell­ten in Form von Krit­zeln seis­mo­gra­fisch Hand­be­we­gun­gen dar. Rai­ner da­zu: „Die Krit­zel wur­den bald deut­li­cher. Ich er­kann­te ih­re Fi­gu­ren, es wa­ren stets die glei­chen zen­tra­len oder ver­ti­ka­len Li­ni­en, manch­mal aus­nahms­wei­se wel­li­ge, haa­ri­ge, leich­te Stri­che. Na­iv mein­te ich den Stein der Wei­sen, das Kür­zel für die Kunst über­haupt ge­fun­den zu ha­ben. Im­mer öf­ter be­hielt ich jetzt die Au­gen of­fen, pro­du­zier­te grö­ße­re For­ma­te, streb­te die zen­tra­len und ver­ti­ka­len Ge­stal­ten be­wusst an.“

Das Licht ei­ner La­ter­ne im Vor­der­grund auf dem au­ßer­ge­wöhn­li­chen Bild von Al­bin Eg­ger-Li­enz zeigt sei­ne „Ma­don­na“von 1922 in star­kem Hell-dun­kel-Kon­trast. Ex­pres­si­ve Far­big­keit und Sym­bol­spra­che ver­ei­nen Bil­der von Wer­ner Berg, be­son­ders bei „As­tern­strauß auf Kärnt­ner­de­cke“.

Kost­ba­re Ju­we­len

Ins­ge­samt be­dient die Auk­ti­ons­wo­che vie­le Ge­schmä­cker. Sil­ber, Ju­we­len und Ta­schen­uh­ren run- den das An­ge­bot ab. Di­a­de­me sind Zeit­zeu­gen ver­gan­ge­ner Epo­chen: Sie wur­den zu be­son­de­re An­läs­sen ge­tra­gen, und sie ha­ben heu­te noch ih­ren Auf­tritt - auf Hoch­zei­ten, auf Bäl­len oder viel­leicht so­gar zu kö­nig­li­chen Emp­fän­gen.

Das Do­ro­the­um ver­stei­gert bei sei­ner gro­ßen Ju­we­len-Auk­ti­on am 24. No­vem­ber gleich drei sol­cher Kost­bar­kei­ten, man­che die­ser Di­a­de­me sind zer­leg­bar, auch als Bro­sche, Clips oder Col­lier zu tra­gen oder sie be­geis­tern, weil sie wie ein Ko­ko­sch­nik (= rus­si­scher Kopf- schmuck) aus­se­hen. Das wert­volls­te Lot die­ser Auk­ti­on stammt aus dem Haus Bou­che­ron, dem Pa­ri­ser Lu­xus­ju­we­lier, der Kö­nigs­häu­ser und Hol­ly­wood­stars aus­stat­tet(e): Ei­ne weiß­gol­de­ne Gar­ni­tur, be­ste­hend aus ei­nem Col­lier, ei­nem Ring und zwei Ohr­clip­sen mit ins­ge­samt 15 Ca­rat Bril­lan­ten, ist mit 50.000 bis 80.000 Eu­ro ge­schätzt.

Ex­klu­si­ve Uh­ren

Ei­ne aus­ge­wähl­te Kol­lek­ti­on der Mar­ken Ro­lex und Pa­tek Phil­ip­pe bil­det ei­nen Schwer­punkt der Auk- ti­on von Arm­band- und Ta­schen­uh­ren im Do­ro­the­um am 25. No­vem­ber.

Be­son­ders in­ter­es­sant ist ei­ne sehr frü­he Sub­ma­ri­ner von 1954. Sie wird oft als ers­te ty­pi­sche Tau­cher­uhr von Ro­lex ge­nannt. Der Grund für die­se Ent­wick­lung war ein ge­stie­ge­nes In­ter­es­se am Tauch­sport, aus­ge­löst durch die Do­ku­men­ta­tio­nen von be­kann­ten Mee­res­for­schern wie Jac­ques Cous­teau oder Hans Hass. Von Va­che­ron Con­stan­tin ge­lan­gen zwei sel­te­ne Chro­no­gra­fen in Gold oder Edel­stahl in die Auk­ti­on.

FO­TOS: DO­RO­THE­UM

Ar­nulf Rai­ner „Zen­tral­ge­stal­tung“: Pro­dukt der Su­che nach ei­ner neu­en Bild­spra­che aus dem Jahr 1951.

Still­le­ben von Marc Cha­gall: ei­nes der High­lights der Auk­ti­ons­wo­che.

Die­ses Dia­mant­dia­dem ent­stand um 1900.

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