Stil­mix aus alt und mo­dern

Die Kunst­mes­se Art & An­tique ver­stärkt jun­ge Spar­ten wie Ge­gen­warts­kunst und De­sign, weil An­ti­qui­tä­ten aus der Mo­de ge­kom­men sind.

Die Presse am Sonntag - - Kunstmarkt - VON EVA KOMAREK

Der No­vem­ber steht in Wi­en im Zei­chen der Kunst und An­ti­qui­tä­ten. Schon zum 48. Mal hat ges­tern die Art & An­tique in den ed­len Rä­um­lich­kei­ten der Wie­ner Hof­burg ih­re To­re ge­öff­net. Ge­bo­ten wird ein brei­tes Spek­trum von Ge­mäl­den, Skulp­tu­ren, Gra­fik, Mö­bel, De­sign, Kunst­hand­werk, Schmuck und vie­les mehr.

Die Mes­se hat sich über die nun fast fünf Jahr­zehn­te ih­res Be­ste­hens deut­lich ver­än­dert. Hiel­ten sich frü­her bil­den­de Kunst, Kunst­hand­werk und Mö­bel in et­wa die Waa­ge, do­mi­nie­ren heu­te die Ge­mäl­de. An­ti­qui­tä­ten sind schwie­rig zu ver­kau­fen. Die Zei­ten, in de­nen Woh­nun­gen und Häu­ser gänz­lich in Bie­der­mei­er, Ba­rock oder Ju­gend­stil ein­ge­rich­tet wur­den, sind Ge­schich­te. Heu­te stellt man höchs­tens ein al­tes Stück als Blick­fang in die sonst mo­der­ne Woh­nung. Ähn­lich ist die Ent­wick­lung im Alt­meis­ter-Seg­ment. Die frü­he­re Markt­do­mi­nanz ha­ben sie an den enorm rasch wach­sen­den Sek­tor der zeit­ge­nös­si­schen Kunst ab­tre­ten müs­sen. Für ei­ne Mes­se, die vor­ran­gig auf Kunst und An­ti­qui­tä­ten setzt, sind die ver­än­der­ten Markt­be- din­gun­gen ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung. Ver­an­stal­te­rin Alex­an­dra Gras­kiHoff­mann hat auf die Ent­wick­lun­gen re­agiert und über die Zeit jün­ge­re Seg­men­te in­te­griert. So wur­de vor ei­ni­gen Jah­ren der Be­reich De­sign ein­ge­führt und die Zahl der zeit­ge­nös­si­schen Ga­le­ri­en aus­ge­baut, um ein jün­ge­res Pu­bli­kum an­zu­spre­chen. Mehr Zeit­ge­nos­sen. So fin­det man et­wa bei Kai­b­lin­ger Ga­le­rie & Kunst­han­del Ar­bei­ten von Gott­fried Heln­wein, wie bei­spiels­wei­se „The Child Dreams 6“aus dem Jahr 2011. Die Ga­le­rie Eli­sa­beth & Klaus Tho­man setzt auf Os­wald Ober­hu­ber, der 1931 in Süd­ti­rol ge­bo­re­ne Künst­ler ist mit „Oh­ne Ti­tel (Zah­len­bild)“aus dem Jahr 1965 ver­tre­ten. Ernst Hil­ger zeigt ei­ni­ge Wer­ke des im Vor­jahr ver­stor­be­nen Gun­ter Da­misch, der mit sei­nen kräf­ti­gen Farben be­geis­ter­te. Zu kau­fen ist et­wa „Rot­feld­weg­ver­schlin­gung“.

Nach wie vor ist der Schwer­punkt bei Ge­mäl­den die Klas­si­sche Mo­der­ne. Da fin­det man die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen, wie Carl Moll, dies­mal bei An­ti­qui­tä­ten Kunst­han­del Frel­ler mit ei­ner „Al­lee zum Schloss Freu­den­tal“oder bei der Ga­le­rie Ko­vacek mit „Na­ja­den­brun­nen in Schön­brunn“für 180.000 Eu­ro. „Auf­stieg zum Bau­ern­hof“von Al­fons Wal­de bie­ten Kol­ham­mer & Mah­rin­ger um 245.000 Eu­ro an. Ein ös­ter­rei­chi­scher Klas­si­ker ist auch Al­bin Eg­ger-Li­enz, dies­mal ver­tre­ten mit „Chris­ti Au­fer­ste­hung“bei der Ga­le­rie Ma­gnet. Nicht feh­len darf na­tür­lich der gro­ße ös­ter­rei­chi­sche Bie­der­mei­er­ma­ler Fer­di­nand Ge­org Wald­mül­ler. Wer­ner Zöch­ling hat den „Kirch­gang im Früh­ling“mit­ge­bracht.

Die Kom­bi­na­ti­on von Al­tem mit Zeit­ge­nös­si­schem funk­tio­niert bei Ob­jek­ten der An­ti­ke be­son­ders gut. Ein „Tor­so ei­ner Gott­heit“auf dem Stand von Art Blue aus dem ach­ten Jahr­hun­dert aus Kam­bo­dscha wirkt in sei­ner re­du­zier­ten und ge­schmei­di­gen Ele­ganz zeit­los. Ähn­lich gut lässt sich der „Ägyp­ti­sche Kalk­stein­kopf“ei­ner jun­gen Frau aus der rö­mi­schen Zeit (drit­tes bis vier­tes Jahr­hun­dert n. Chr.) bei Chris­toph Ba­cher ins mo­der­ne Am­bi­en­te in­te­grie­ren. Er­gänzt wird das An­ge­bot durch Spe­zi­al­ge­bie­te wie an­ti­ken Tep­pi­chen, Iko­nen oder al­ten Uh­ren bei Lil­ly’s Art.

Die Mes­se läuft noch bis 13. No­vem­ber.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.